Trevor Howard war ein Schauspieler von Weltformat.

Älter, als angegeben

Trevor Howard gehört zu den Schauspielern, deren Gesicht man sofort erkennt. Er ist jemand, der im Laufe seiner Karriere in vielen prominenten und weltberühmten Filmen und Fernsehserien auftrat. Und der ebenso mit vielen anderen berühmten Darstellern zusammengearbeitet hatte, wobei er über sein jeweiliges Gegenüber nicht immer positiv dachte.

Er selbst behauptete, am 29. September 1916 zur Welt gekommen zu sein. Doch diverse Unterlagen, unter anderem aus der Schule, auf die er ging, legen nahe, dass er im Jahr 1913 in Cliftonville, Kent, England geboren wurde. Sein Vater arbeitete für die berühmte Versicherung Llyod’s und reiste mit seiner Familie viel um die Welt. Bereits in den ersten acht Jahren seines Lebens konnte Trevor so schon einiges von der Erde sehen.

Doch seine schulische Erziehung genoss er in seinem Geburtsland. Er ging auf das Clifton College und danach auf die Royal Academy of Dramatic Art, wo er 1933 am Ende seines ersten Studienjahres zum besten Schauspieler seiner Klasse ausgewählt wurde. Schon ein Jahr später gab er sein professionelles Schauspieldebüt, obwohl er zu dem Zeitpunkt noch studierte. Er trat im Gate Theatre auf. Auch nach seinem Studienabschluss war er zunächst auf den Theaterbühnen seiner Heimat unterwegs.

Eine problematische Militärzeit

Über seine Zeit im Zweiten Weltkrieg verbreitete er zunächst zahlreiche Geschichten, denen zufolge er mutig im Royal Corps of Signals gedient habe. Das brachte Trevor Howard enormen Respekt nicht nur von seinen Freunden ein, sondern ebenso von seinen Fans. Doch Jahre, nachdem er verstorben war, stellte sich heraus, dass dies erlogen gewesen war, dass er in Wahrheit 1943 aus dem Dienst entlassen worden war, weil er angeblich mental instabil gewesen sei und eine psychopathische Persönlichkeit gehabt hätte. Auch seine Behauptung, dass er das Military Cross erhalten habe, stellte sich als unwahr heraus.

Wahr ist allerdings, dass seine Schauspielkarriere im Jahr 1944 begann. Er trat damals in dem Kriegsfilm This Way Ahead auf, wo auch Peter Niven mitwirkte. Jedoch kriegte der Schauspieler für seinen Auftritt keine Nennung in den Credits. Seinen ersten Durchbruch konnte er bereits ein Jahr später feiern, als er in Begegnung die Hauptrolle spielte. Der Film wurde für drei Oscars nominiert, gewann allerdings keinen.

1947 wirkte Trevor Howard in dem Film Noir Sträfling 3312 – Auf der Flucht in der Hauptrolle mit. Zwei Jahre später trat er an der Seite von Orson Welles in dem Filmmeisterwerk Der dritte Mann – sein endgültiger Durchbruch – in der Rolle des Major Calloway auf. 1951 verschlug es ihn in Der Verdammte der Inseln in tropische Gefilde. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass er eine Rolle in jenen Breitengraden darstellte. 1954 hatte er die Hauptrolle in der britisch-italienischen Coproduktion La mano dello straniero inne.

Stress mit dem Kollegen

Auch im Fernsehen konnte man den Darsteller in jener Zeit des Öfteren bewundern. Allerdings war dies noch die Ära, in der viele Fernsehsendungen „nur“ Wiederausstrahlungen von aufgezeichneten Theaterproduktionen waren. Das war auch im Falle von Producers’ Showcase so, wo er 1954 auftrat. Ein Jahr darauf konnte man ihn in dem Kriegsfilm Himmelfahrtskommando bewundern, wo er gemeinsam mit Sir Christopher Lee spielen konnte. Von 1954 bis 1956 trat er außerdem in insgesamt zwei Episoden von dem BBC Sunday-Night Theatre auf.

1956 hatte er eine kleine Rolle in der Verfilmung des Jules Vernes Romans In 80 Tagen um die Welt, wo David Niven die Hauptrolle innehatte. 1962 war er neben Marlon Brando und Richard Harris einer der Hauptdarsteller des Historiendramas Meuterei auf der Bounty. Über seinen Co-Star Brando, der Zeit seines Lebens den Ruf eines exzentrischen Enfant Terribles der Schauspielkunst hatte, hatte Trevor Howard allerdings keine allzu gute Meinung. Beide stritten sich sehr oft und ihre verbalen Auseinandersetzungen sollten legendär werden. Trotzdem half er seinem Schauspielkollegen in einer Klage gegen eine britische Zeitung.

1965 arbeitete er mit Frank Sinatra in dem Kriegsfilm Colonel von Ryans Expreß zusammen. Vier Jahre später wirkte er in dem mit damaligen Weltstars gespickten Kriegsfilm Die Luftschlacht um England mit. In diesem Film traten unter anderem heute legendäre Darsteller wie Michael Caine, Curd Jürgens, Ian McShane oder Christopher Plummer auf. 1971 spielte er in dem Historiendrama Maria Stuart, Königin von Schottland mit, wo Vanessa Redgrave die Hauptrolle innehatte und ein junger Timothy Dalton mitwirkte.

Der Älteste!

1974 trat Trevor Howard in dem SciFi-Film Der Mann aus Metall auf. Und ein Jahr später war er in dem Fernsehfilm Der Graf von Monte Cristo zu sehen, wo Richard Chamberlain die Hauptrolle innehatte. 1976 wirkte er in einer Episode der Miniserie Die Quellen der Mafia mit, genauso, wie er zwei Jahre darauf in der Mysteryserie Scorpion Tales für eine Folge zu sehen war.

1978 war er in Superman – Der Film der erste Älteste, der Vorsteher der Regierung der vom Untergang bedrohten Welt Krypton. Er war nicht der einzige Prominente, der in diesem Rat auftrat, so konnte man in diesem auch Maria Schell bewundern. Und Trevor Howard spielte erneut mit Marlon Brando zusammen, wobei unbekannt ist, ob die beiden wieder aneinander geraten sind. In jedem Fall tauchte der Schauspieler nur zu Beginn des Films auf, hinterließ jedoch einen bleibenden Eindruck.

1980 trat Trevor Howard für eine Episode in der Comedyserie Shillingbury Tales auf und spielte in Windwalker – Das Vermächtnis des Indianers die Titelfigur. Ein Jahr darauf stellte er in No Country for Old Men (Nicht zu verwechseln mit dem gleichlautenden Western aus dem Jahr 2007) den Briten Jonathan Swift dar. 1982 hatte er eine kleine Rolle in Sir Richard Attenboroughs Ghandi und eine größere Rolle in Michael Palins Komödie Der Missionar. Er spielte 1982 für zwei Folgen in Love Boat mit, dem englischen Äquivalent des deutschen Traumschiff.

Letzte Rollen

1986 stellte er in der Miniserie Peter der Große, in welcher Maximilian Schell die Hauptfigur spielte, Isaac Newton dar. Im gleichen Jahr wirkte er in der Miniserie Shaka Zulu in allen zehn Episoden als Lord Charles Somerset mit. 1988 hatte er eine kleine Rolle in dem Horrorfilm The Unholy – Dämon der Finsternis, ein Film, in dem Ben Cross die Hauptrolle innehatte. Und 1988 hatte er seine letzte Rolle, dieses Mal in Der Fremde am Strand, einem Liebesfilm mit Sir Anthony Hopkins als Hauptdarsteller und Hugh Grant in der Nebenrolle.

Trevor Howard hatte 1944 die Schauspielerin Helen Cherry geheiratet. Es ist unbekannt, ob die beiden Kinder hatten. Er selbst hatte in seinen Schauspiel-Verträgen stehen, dass er im Falle eines  Cricket-Testspiels von den Dreharbeiten entschuldigt sei. Er lehnte es außerdem ab, eine offizielle Auszeichnung des Vereinigten Königreichs zu erhalten.

Der Schauspieler war Zeit seines Lebens ein Alkoholiker, was am Ende sogar seine Karriere bedrohte. Erst durch die Drohung seiner guten Freundin Sarah Miles konnte verhindert werden, dass er in einer seiner letzten Produktionen von den Verantwortlichen gefeuert wurde. Er starb am Ende am 7. Januar 1988 im Alter von 74 Jahren. Todesursache war eine kaputte Leber, das Ergebnis von jahrelangem Alkoholmissbrauch.

Trevor Howard im Web

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Götz Piesbergen
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