Star Trek – The Next Generation: Kollateralschaden

Lesezeit circa: 6 Minuten

Ist die Föderation bereit, die Karriere von einem ihrer besten Offiziere als Kollateralschaden zu opfern?

Der Opfergang von Picard?

Es ist so weit. Jean-Luc Picard muss sich wegen seiner Beteiligung an der Entfernung und Ermordung des Föderationspräsidenten Min Zife aus dessen Amt vor Gericht stellen. Bereits jetzt ist klar, dass das Verfahren gegen ihn einer Hexenjagd gleichen wird, da die Anklägerin Phillipa Louvouis ihn verdächtigt, von dem Mord an dem Präsidenten gewusst zu haben, und alles daran setzt, dies zu beweisen. Für den Captain der Enterprise wird das Gerichtsverfahren daher in jedem Fall äußerst unangenehm.

In der Abwesenheit des Captains hat Commander Worf das Kommando über die Enterprise. Und schon bald werden er und die Crew des Schiffes in den Racheakt überlebender Nausicaner verwickelt. Die Situation wird nicht gerade dadurch verbessert, dass insgeheim Starfleet Intelligence, der Geheimdienst der Sternenflotte, mitmischt und die Lage durch seine Aktionen verkompliziert.

Ein Gefecht der anderen Art

Der Fallout von Sektion 31: Kontrolle geht weiter. Nachdem man ja in dem letzten The Next Generation-Roman Vorhandenes Licht gelesen hat, wie höherrangige Offiziere der Sternenflotte für ihre Taten sich der Rechtsprechung stellen mussten, ist jetzt Jean-Luc Picard an der Reihe. In Kollateralschaden muss er sich vor dem Gericht verantworten, das über ihn und seine Taten urteilen soll.

Der Autor des Romans ist David Mack. Der Name allein ist schon ein Garant für spannende Unterhaltung. Der unter anderem von der Vanguard-Reihe her bekannte Schriftsteller versteht sich wie kein zweiter, Star Trek-Lore und Thrillerspannung unter einen Hut zu bringen. Hier muss er allerdings versuchen, Spannung aus einem Gerichtsprozess zu generieren, was ein Thema ist, über das er sonst nur selten schreibt.

Dennoch hat man beim Lesen von Kollateralschaden nie das Gefühl, dass er damit Probleme hat. Im Gegenteil: Die detaillierte Darstellung der juristischen Abläufe, unter anderem von der Verhandlung an sich, liest sich flüssig und sehr abwechslungsreich. Es ist ein Gefecht, nur dass hier Argumente ausgetauscht werden, anstatt Geschosse.

Ist das nicht etwas naiv?

Dabei porträtiert der Autor die Anklägerin Phillipa Louvouis als förmlich besessen davon, Jean-Luc Picard der Mithilfe an dem Mord an Min Zife zu überführen. Gleichzeitig schafft er die Balance, sie zwar als geradezu fanatisch zu charakterisieren, aber damit nicht zu übertrieben. Es wird nicht der Eindruck erweckt, dass sie um des Sieges willen bereit ist, alles zu tun. Sie hält sich immer noch an das Prozedere, die juristisch vorgegeben werden, auch wenn sie die entsprechenden Regeln stellenweise sehr weit auslegt.

Auf der anderen Seite steht ein Jean-Luc Picard, der die Ereignisse schon fast widerstandslos über sich ergehen lässt. Er weiß, dass er unschuldig ist, und hat mit Jonathan Ezor einen guten Anwalt. Doch darf man diese Passivität nicht als Schwäche interpretieren, da der Captain der Enterprise durchaus nicht vorhat, wegen der Tat ins Gefängnis zu gehen. Stattdessen setzt er darauf, dass die Beweise und Zeugen für ihn sprechen und nicht gegen ihn. Was doch etwas naiv wirkt.

Die andere Hälfte von Kollateralschaden besteht aus der Jagd von Commander Worf nach einer marodierenden Truppe Nausicaner. Interessant ist dabei die Motivation dieser Gruppe. Sie fühlen sich nämlich von der Galaxie, insbesondere von der Föderation, im Stich gelassen, obwohl sie auch unter dem Angriff der Borgs gelitten haben und dabei ihre Heimatwelt verwüstet wurde. Weshalb sie jetzt auf Rache aus sind, was gleichzeitig ein nachvollziehbares Motiv für ihre Aktionen ist.

Eine schwierige Situation wird noch schwieriger

Interessant ist dabei, wie Worf in dieser Situation handelt. Es ist schließlich das erste Mal, dass er selber das Kommando über die Enterprise hat. Hierbei kann man beobachten, wie sehr der Klingone sich verändert hat. Er agiert nicht mehr wild oder nach irgendwelchen klingonischen Regeln der Ehre, wie es früher oft der Fall war. Stattdessen geht er besonnen und ruhig vor, gleichzeitig aber auch hart in der Sache.

Verkompliziert wird die Situation durch Thadiun Okona, den Star Trek-Fans von der TNG-Episode Der unmögliche Okona her kennen. Er ist ein Lebemann, ein Charmeur, der immer wieder in illegale Operationen verwickelt ist und diese nur selten unbeschadet übersteht. Dass er allerdings in Wahrheit ein Agent des Geheimdienstes der Sternenflotte ist, ist eine große Überraschung. Er ist ein Abenteurer, der gleichzeitig auch wiederholt versucht, Aneta Šmrhová um den Finger zu wickeln, was diese wiederum nervt. Dies ist ein kleiner aber feiner Running Gag in Kollateralschaden.

Eine weitere Überraschung ist das Wiedersehen mit Naomi Wildman, die man aus der Voyager-Serie und Romanreihe her kennt. Sie wird von David Mack ebenfalls großartig charakterisiert, als jemand, der sich von seinem manchmal moralisch düsteren Job nicht korrumpieren lässt, sondern ihren Frohsinn und Sinn für Gerechtigkeit beibehält. Sie hat zwar nur wenige Auftritte in Kollateralschaden. Doch sind diese immer kleine Highlights.

Es nervt

Doch die Inklusion des Geheimdienstes in den Plot der Jagd nach den Nausicanern sorgt dafür, dass diese nicht so gut gefällt. Es sind einfach zu viele Komponenten, die den Handlungsfaden komplexer machen, als es nötig ist. So nett es auch ist, Okana mit im Buch zu haben: Sein Auftritt und die Präsenz des Nachrichtendienstes stören. Im Prinzip ist deren einziger Sinn und Zweck, Ereignisse nicht allzu glatt verlaufen zu lassen, was man beim Lesen deutlich merkt. Vor allem auch deshalb, weil die Geheimniskrämerei um jeden Preis nervt.

Doch auch die Ereignisse um die Nausicaner selbst haben Schwachstellen. Hier ist es vor allem das Finale, das viel zu sehr wie Friede, Freude, Eierkuchen wirkt und dabei komplett das bewusst brutale und letale Vorgehen dieser Marodeure ignoriert. Anstatt bestraft zu werden, werden sie für ihre Aktionen belohnt, was im Prinzip eine einzige Frechheit ist.

Aber dennoch ist am Ende Kollateralschaden immer noch ein gutes Buch.

Star Trek - The Next Generation Kollateralschaden
Cover © Cross Cult

Bewertung 10/15

Autor: David Mack
Titel: Star Trek – The Next Generation: Kollateralschaden
Originaltitel: Star Trek – The Next Generation: Colleteral Damage
Übersetzer: Bernd Perplies
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 05/2020
Einband: Taschenbuch
Seiten: 489
ISBN: 978-3-96658-323-7
Sonstige Informationen:
Produktseite

 

 

Wir brauchen euren Support!

 

Viele Magazine im Web werden über Werbung finanziert. Wir haben bewusst darauf verzichtet, damit euer Erlebnis auf unserer Seite möglichst ungestört ist. Wir bieten euch News, Reviews, Artikel, Videos und einen Podcast zu mittlerweile fast allen Bereichen der Phantastik. Wir haben keinen Clickbait, keine Fakenews und auch keine Paywall.

 

Die Kosten steigen, die wenigen Einnahmen sinken, auch dank der derzeitigen Situation. Wir wollen uns keine goldene Nase verdienen, aber es wäre schade, wenn wir die Seite irgendwann deswegen einstellen müssten.

 

Es ist auch ganz einfach. Ihr könnt uns regelmäßig ab 1 € monatlich bei Steady unterstützen, einmalig per PayPal oder ihr werft einfach mal einen Blick in unseren warpShop. (Die Shirts sind erste Sahne, Ehrenwort!)

 

Wenn ihr euch für eine Tätigkeit bei uns interessiert, dann ist die Seite MITMACHEN genau richtig.

 

Für den Fall, dass ihr noch mehr Infos haben wollt, findet ihr diese unter SUPPORT US. Dort findet ihr auch unsere Ref-Links.

 

Wir danken euch.

Götz Piesbergen
Letzte Artikel von Götz Piesbergen (Alle anzeigen)

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: