Der Film mag alt und altmodisch sein, strahlt aber immer noch einen gewissen Charme aus.
Ein wichtiger Mann
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem in den 1950er und 1960er Jahren, war in Hollywood führte an Ivan Tors kein Weg vorbei. 1916 in Ungarn geboren, sollte er vor allem in diesen Jahrzehnten einige legendäre Hits produzieren. So erschuf er unter anderem heutzutage legendäre Serien wie Flipper oder Daktari. Das Hauptthema seiner Werke war vor allem gewaltlose, aber immer unterhaltsame Science-Fiction, Unterwassersequenzen und Erzählungen mit Tieren.
All dies sollte auch 1966 sein neuster Kinofilm haben. Unter Wasser rund um die Welt sollte dieser heißen. Die Geschichte zum Film, die gestern vor 60 Jahren in die deutschen Kinos kam, entwickelte Tors gemeinsam mit dem Romanautor Elmer Merle Parsons. Dieser war ein alter Bekannter des Ungarn, wie so viele andere Leute vor und hinter der Kamera auch.
Auch die Drehbuchautoren Arthus Weiss und Art Arthur, die die Story in ein Drehbuch umwandelten, hatten bereits bei einigen Projekten mit dem Produzenten zusammengearbeitet. Genauso wie der Regisseur Andrew Marton, der unter anderem schon bei Flipper auf dem Stuhl des Regieführenden saß. Die zahllosen Unterwasseraufnahmen wurden von Ricou Browning in Szene gesetzt.
Auf vertraute Namen setzen
Dabei wurde für den Kinofilm einiges an Aufwand betrieben. Jetzt nicht so sehr, was die Spezialeffekte oder die Kulissen anging, aber für eine bestimmte Szene wollte Ivan Tors unbedingt ein schlüpfendes Hai-Ei filmen, weshalb sechs Monate nach so etwas gesucht wurde, ehe es dann gefunden und gefilmt wurde. Das zeigt die Detailversessenheit des Ungarn.
Der Cast setzte sich aus vielen bekannten Namen zusammen. Lloyd Bridges waren Unterwasseraufnahmen nicht fremd, da er bereits mit Ivan Tors gemeinsam bei der Serie Sea Hunt gearbeitet hatte. Er kriegte die Rolle des Anführers Dr. Doug Standish. Brian Kelly hatte ebenfalls dieselben Erfahrungen, wenn auch in seinem Fall bei der Serie Flipper. Er sollte die rechte Hand von Dr. Standish darstellen, Dr. Craig Mosby. Als die Ärztin Dr. Margaret E. „Maggie“ Hanford, deren Präsenz an Bord des U-Boots für Turbulenzen sorgt, wurde Shirley Eaton gecastet, die vier Jahre zuvor in Goldfinger als Jill Masterson Kultstatus erlangen sollte. David McCallum war während der Dreharbeiten durch die Serie Solo für O.N.C.E.L. berühmt geworden. Er spielte den Erfinder und Mechaniker Dr. Philip Volker. Keenan Wynn (Dr. Strangelove) sollte als der brummige Hank Stahl eine Bereicherung des Cats werden, der mit Marshall Thompson (It! The Terror from Beyond Space) als Dr. Orin Hillyard abgerundet werden sollte.
Zeiten ändern sich
Nachdem die türkische Küste durch eine Reihe von Unterwasserbeben überwiegend zerstört worden ist, wird ein wagemutiger Plan gefasst. Mit Hilfe eines großen U-Boots sollen an wichtigen Stellen auf der ganzen Welt Sensoren verteilt werden, die dann vor Erdbeben warnen sollen. Da diese Mission alles andere als einfach ist, braucht es eine gute Crew.
Deren Anführer Dr. Doug Standish hat auch schon nach und nach die passenden Leute zusammentrommelt. Und so macht sich die Mannschaft auf. Doch das Unterfangen ist alles andere als einfach. Es drohen jede Menge Gefahren und Katastrophen, angefangen bei einer Riesenmuräne bis hin zu Unterwasservulkanausbrüchen.
Man darf Unter Wasser rund um die Welt nicht mit dem Anspruch schauen, dass hier wissenschaftlich fundierte Science-Fiction präsentiert wird. Der Anspruch wird im Laufe des Films mit Anlauf aus dem Fenster geworfen. Stattdessen steht hier die Unterhaltung im Vordergrund. Unterhaltung und jede Menge Unterwasserszenen.
Dabei steht der Film für einen Wendepunkt in der Darstellung der Geschlechter. Schließlich war dies auch das Jahrzehnt, wo Frauen nicht mehr länger bereit waren, nur das freundliche Mädchen von nebenan darzustellen. Der Ruf nach Gleichberechtigung wurde immer lauter und lauter, bis er irgendwann nicht mehr zu überhören war. Und das merkt man auch hier.
Wenn die Darstellung nicht immer frauenfreundlich ist
Denn einerseits stellt der Kinofilm Frauen sehr klischeehaft dar. Sie sind Screamqueens, die aus Angst vor Ratten auf Stühle oder Tische steigen. Sie sind Sekretärinnen, die bitte noch den Kaffee mitbringen mögen. Aber gleichberechtigt sind sie nicht.
Und dann ist da Dr. Hanford, die in ihrem ersten Auftritt über die Angst der anderen Frauen vor Ratten nur müde lächeln kann. Vor allem auch deshalb, weil diese Nager in Wahrheit Meerschweinchen sind. Die selbstbewusst auftritt und alles andere ist, nur keine Screamqueen. Die selbst in heißen Situationen einen kühlen Kopf behält.
Und bei der doch in der ersten Szene, in der sie zu sehen ist, voll auf die Beine gehalten wird. Wo allein ihre bloße Präsenz ausreicht, Dr. Mosby durchdrehen zu lassen, weil er meint, dass die anderen Männer sich wegen ihr nicht auf ihre Arbeit konzentrieren können. Es wirkt wie ein Widerspruch. Wobei Lloyd Bridges Figur in einer Szene einen guten und erleuchtenden Dialog mit ihr hat, wo sie sagt, dass die Männer ihr Geschlecht lange Zeit an der Hand gehalten haben und sie erst jetzt alleine agieren dürfen. Woraufhin er meint, dass das etwas ist, woran sich die Männer noch gewöhnen müssen. Womit er schon mal viel mehr Weitsicht beweist als sein Stellvertreter.
Rudimentäre Charakterentwicklungen
Dessen Verhalten ist wohl deshalb so merkwürdig, weil er sich in die gute Doktorin verliebt hat, sich das aber nicht eingestehen möchte. Das geschieht erst am Ende, wobei man allerdings das Gefühl hat, dass diese Emotionen, die die beiden anscheinend füreinander hegen, nur rudimentär entwickelt werden. Genauso wie vieles andere in diesem Film nur ansatzweise oder überhaupt nicht weiterentwickelt wird.
Denn im Prinzip kriegen drei Figuren genügend Material, um zu wachsen. Die anderen drei hingegen kaum, bzw. sogar in einem Fall überhaupt nicht. Gemeint ist, dass neben Dr. Hanford auch Hank Stahl und Dr. Volker im Laufe der Handlung wachsen. Stahl ist ein alter Brummbär, der wider Willen Teil des Unternehmens wird, sich dann aber schon bald unersetzlich zeigt. Der sich außerdem mit Dr. Volker ein Schachduell liefert, bei dessen Niederlage er dem Wissenschaftler einen Gefallen tun muss. Der hat es auf einige Kristalle abgesehen, die äußerst wertvoll, aber nicht so einfach zu erlangen sind.
Bei den anderen dreien ist es so, dass Dr. Standish der unbestrittene Anführer der Gruppe ist. Er sagt, wo es entlang geht, die anderen folgen ihm. Wobei er es vermeidet, sich in die sozialen Belange seiner Mannschaft einzumischen. Dr. Mosby ist die ganze Zeit ernst, ehe er und Dr. Hanford im letzten Teil des Films auf einmal zusammenkommen. Und Dr. Hillyard ist präsent – er tritt auf, entwickelt sich aber nicht wirklich weiter.
Gehirn ausschalten und genießen
Die Story selbst ist über weite Teile 08/15. Es gibt immer wieder neue Aufreger und Probleme, die bewältigt werden müssen, am besten natürlich mit der gesamten Crew. Derweil laufen nebenbei noch ein paar der Subplots, mit denen sich die Figuren weiterentwickeln können. Das ist alles, nur nicht gerade prickelnd.
Zumindest, wenn man dies so liest. Denn wenn man sich Unter Wasser rund um die Welt anschaut, dann merkt man, dass der Film einen gewissen Charme hat. Er ist jetzt kein Trash-Film, aber ebenso auch kein Überflieger. Er weiß zu unterhalten. Die Unterwasserszenen sind grandios in Szene gesetzt und die Actionszenen sind packend inszeniert.
Am Ende ist dies einfach nur ein Film zum Gehirnausschalten und Genießen.
Info
Regie: Andrew Marton, Ricou Browning (Unterwasser-Szenen)
Drehbuch: Art Arthur, Arthur Weiss
Story: Elmer Parsons
Produktion: Ben Chapman, Andrew Marton, Ivan Tors
Musik: Harry Sukman
Kamera: Clifford H. Poland Jr.
Schnitt: Warren Adams
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