[Prometheus Band 16] Abweichung

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Seht euch dieses Cover an! Kann ein Comic mit so einem Titelbild enttäuschen? Lasst uns einen Blick auf Christophe Becs und Stefano Raffaeles Band 16 der „Prometheus“ – Reihe werfen, der den Titel „Abweichung“ trägt.

Abweichung
© Splitter Verlag

Tim Scott und die Pläne der Außerirdischen

Ein kleiner Rückblick ins postapokalyptische Providence zeigt uns, wie der Profigolfer Tim Scott und andere Menschen von Außerirdischen entführt werden. Wie wir bereits in einem der vorherigen Bände gesehen haben, führen die Außerirdischen Eingriffe an den Augen ihrer unfreiwilligen Gäste durch.

Doch kommt nun ein neues Element hinzu: Die Außerirdischen kommunizieren mit den Menschen. Dies erfolgt nicht über ausgesprochene Wörter, sondern allem Anschein nach über Gedankenübertragung, was durch die abweichende Form der Sprechblasen optisch in Szene gesetzt wird. Die Rede ist von einem großen Plan, einem neuen Gesetz und von Zeugung. Außerdem sprechen die Außerirdischen von diversen Abweichungen und der Notwendigkeit einzugreifen.

Wir erhalten diese Informationen recht stichwortartig, sodass wir uns den Sinn zunächst zusammenreimen müssen. Offensichtlich verfolgen die Außerirdischen einen komplexeren Plan mit der Menschheit und wollen dieser nun neue Gesetze geben. Ob Zeugung im rein biologischen Sinne zu verstehen ist oder ob etwas Neues gezeugt werden soll, muss zunächst offenbleiben. Die Abweichungen beziehen sich auf Störungen des Raum-Zeit-Gefüges. Die Außerirdischen wollen scheinbar sämtliche Störungen durch Eingriffe beheben. Bei all den Zeitreisenden in der Prometheus-Reihe sind diese Abweichungen aber auch wirklich kein Wunder!

Abweichung und Eingriff

Interessanterweise wird Tim Scott von den Außerirdischen nun ins Exeter der 19 Jh. geschickt, wo er den Zeitreisenden Teki Turan aufsuchen soll. Tim muss Tekis Auge manipulieren, da sonst nicht näher spezifizierte „Andere“ eingreifen und das Leben des Wissenschaftlers gefährden würden. Teki Turan lässt sich auf den Eingriff an seinem Auge ein. Teki Turan ist also der Mann, dem Tim Scott glaubt, Gewalt angetan zu haben, da er sich nicht richtig an die Ereignisse erinnern kann.

Tim Scott geht in der Folge ins Meer, wo er sich einer sonderbaren Lichtquelle nähert. Allem Anschein nach gelangt Scott auf diese Weise wieder zu den Außerirdischen. Wir haben bereits in den ersten Bänden der „Prometheus“ – Reihe immer wieder Männer gesehen, die in einem ungewöhnlichen Zustand ins Meer gingen. Band 16 „Abweichung“ erklärt also endlich, was es damit auf sich hatte!

Tim Scott und Kellie Lambert

Unmittelbar nach seiner Rückkehr ins postapokalyptische Providence trifft Tim Scott auf die Reporterin Kellie Lambert. Dieses Aufeinandertreffen haben wir bereits in einem der Vorgängerbände zu „Abweichung“ gesehen, doch kennen wir nun auch die Vorgeschichte.

Wie wir schon wissen, befinden sich Tim und Kellie mit einem außerirdischen Würfel auf einem Segelschiff auf dem Weg nach Washington. Als Kellie unter anhaltender Übelkeit leidet, stellt sich raus, dass sie schwanger ist. Aufgrund der Umstände fragen sich Tim und Scott, ob es zum Plan der Außerirdischen zählt, dass die beiden aufeinandertrafen und ein Kind zeugten.

Eine Abweichung: German Denton

Der Elite-Soldat und unfreiwillige Zeitreisende German Denton war im letzten Band („Das Dorf„) im Jahr 1959 aus dem geheimen Forschungslager geflohen, um seine Familie aufzusuchen und diese vor zukünftigen Fehlentscheidungen zu warnen. Dabei stellt er sich geradezu unglaublich unclever an, erzählt er doch fast jeder Person, der er über den Weg läuft, seine Geschichte. Das ist zwar sicherlich gut für die Männer, die German Denton jagen, sorgt aber mit großer Wahrscheinlichkeit auch für die eine oder andere Abweichung.

Während die Leute, denen Denton seine Geschichte erzählt, ihn in der Regel für einen „Irren“ halten, schenkt ihm seine versammelte Familie nach einigen Zweifeln Glauben. Als seine Verfolger auftauchen, kommt es zu einem Kampf, bei dem Dentons gerade erst 31-jähriger Großvater den Tod findet. Glücklicherweise ist Dentons Großmutter zu diesem Zeitpunkt bereits mit Dentons Vater schwanger, wodurch ein Großvater-Paradoxon ausgeschlossen ist.

Doch zu welchen anderen Veränderungen mag der frühe Tod des Großvaters führen? Und Denton ist weiterhin auf freiem Fuß und scheint nicht einmal ansatzweise zu verstehen, was er anrichtet.

Der Peloponnesische Krieg

Zunächst einmal sehen wir im antiken Sizilien, dass die Außerirdischen auch hier Menschen entführen und ihre Augen manipulieren. Auch hier sprechen sie von einem größeren Plan, einer Abweichung, Gesetzesverstößen an verschiedenen Fronten und der Notwendigkeit einzugreifen.

Unsere im antiken Griechenland gestrandeten Zeitreisenden verstehen, dass sie sich im von Athen belagerten Syrakus befinden, wodurch sie ihren Aufenthaltspunkt zeitlich in die Jahre 415 bis 413 v. Chr. einordnen können. Wie immer mehr Charaktere in der „Prometheus“ – Reihe glaubt auch die Gruppe um Hassan Turan nicht mehr an Zufälle, zumal sie feststellt, dass sie zu einem ganz besonderen Zeitpunkt angekommen ist, zu dem der Kriegsverlauf auf Messers Schneide liegt. Wenn die Männer also aus einem bestimmten Grund in das Syrakus dieser Jahre geschickt wurden, was ist hier dann ihre Aufgabe?

Exeter 1838

Teki Turan untersucht im Jahr 1838 weiterhin eine Reihe von Todesfällen, die mit einem Raumschiff und einem Außerirdischen zusammenhängen. Aus nahe liegenden Gründen verzichtete er bisher darauf, den Menschen des 19. Jh. zu erklären, dass sie es mit Außerirdischen zu tun haben. Doch nun kommt er zu dem Entschluss, allen die Wahrheit zu sagen. Außerdem schreibt er einen Brief an seinen Sohn Hassan, den dieser im Jahr 2004 lesen wird.

Der Militärtrupp

Nachdem unser Militärtrupp, der auf dem Weg nach Washington überfallen wurde, mithilfe des gefangenen Außerirdischen den Angriff überstanden hat, kann er sich wieder auf den Weg in die Hauptstadt machen. Dabei beobachten die Soldaten, wie drei Raumschiffe ein andersartiges Raumschiff attackieren. Endlich bestätigt sich dadurch unser bereits länger gehegter Verdacht: Es gibt zwei Gruppen von Außerirdischen, die unterschiedliche Pläne mit der Menschheit verfolgen.

Die Gegenwart: das Dorf und der Gründervater

Zwischenzeitlich erreichen auch Tim Scott und Kellie Lambert das Dorf. Mit dem außerirdischen Würfel geht es per Flugzeug mit dem Gründervater und diversen Expert_innen weiter in die Area 51. Hier stellen sie fest, dass der Würfel von Dunne, den wir in einem früheren Band kennengelernt haben, verschwunden ist. Und weshalb finden sich im Gebiet der Area 51 trotz enormer Verwüstung anders als an allen übrigen Orten keinerlei Leichen?

Mein Eindruck von „Prometheus“ Bd. 16: Abweichung

Ich bin sehr beeindruckt davon, dass es Christophe Bec gelingt, auch im 16. Band den Spannungsbogen aufrechthalten zu können. Meine Befürchtungen, dass sich Bec hinsichtlich seiner Erzählung aufgrund der vielen Zeit- und Handlungsebenen verzetteln könnte, hat sich nicht bestätigt. Vielmehr scheint es nun, dass einige Handlungsstränge wieder zusammenlaufen werden. Klar ist aber auch: Aufgrund der vielen Personen und Handlungsebenen ist es gut, die Comics mehrfach oder am Stück zu lesen.

Schön ist, dass einige Aspekte, die wir schon länger vermutet haben, endlich bestätigt wurden. Somit wird es in Band 17 mit dem vielversprechenden Titel „Der Spartaner“ hoffentlich weitere spannende Enthüllungen geben.

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Michael Kleu
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Michael Kleu

Michael ist Jahrgang 1978 und Althistoriker. Er schreibt einen eigenen Blog über die Antikenrezeption in fantastischen Medien.

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