Das Fandom von Star Trek hat sich in den letzten Jahren verändert. Leider nicht zum Besseren.
Ein Star Trek-Fan
Vorab: Ich verzichte im Laufe dieser Kolumne darauf, Namen zu nennen. Ich tue dies aus Respekt gegenüber den Beteiligten und weil ich eine Hexenjagd vermeiden möchte. Die folgenden Zeilen sind auch allein meine Meinung und nicht repräsentativ für die gesamte Redaktion von Warp-Core.de.
Ich bin Star Trek-Fan. Ich habe in den 1990ern die Episoden von TOS und TNG im Fernsehen genossen, habe mir in diesen Jahren alles Mögliche an Sekundärliteratur gekauft, was da war und habe die Entwicklungen des Franchises immer verfolgt. Dank meiner Arbeit für unser Magazin konnte ich dann in den letzten Jahren nicht nur die aktuellen Reihen verfolgen. Sondern ebenso zum ersten Mal meine absolute Lieblingsreihe Deep Space Nine von Anfang bis Ende durchgucken und jede einzelne Episode rezensieren. Dank dem Magazin konnte ich ebenfalls einige Bekanntschaften mit durchaus namenhaften Leuten schließen, deren Werke ich dann mitunter auch für die Seite rezensiert habe.
Ich bin ein Fan von Star Trek. Jemand, der auch die aktuelle Kurtzman-Ära sehr gut findet. Ja, sie hatte ihre Schwächen. Star Trek Discovery war manchmal zu sehr eine Michael Burnham-Show und Star Trek Picard hat der wiederholte Neustart zu jeder neuen Season nicht wirklich gut getan. Doch gleichzeitig hat diese Zeit mit Star Trek Lower Decks und Star Trek Prodigy gleich zwei Reihen hervorgebracht, die zu meinen All-Time-Favorites gehören. Und mit Starfleet Academy schickt sich gerade eine Live-Action-Serie an, sich zu meinen persönlichen Favoriten zu gesellen.
Eine bedenkliche Entwicklung
Doch gleichzeitig bedrückt mich eine Entwicklung, die vor allem mit der letztgenannten Reihe enorm Fahrt aufgenommen hat. Die Serie scheint das Fandom zu spalten. Für viele ist sie der endgültige Beweis dafür, dass Alex Kurtzman Star Trek nicht gut tut. Und für andere ist es eine sehr gute Reihe, die für das Franchise eine dringend benötigte Frischzellenkur bedeutet, in dem sie versucht, neue Fans zu erreichen. Ein dazwischen scheint es nicht zu geben.
Die Stimmen, die die Serie aus diversen Gründen verteufeln, sind dabei laut und massiv. Sie finden nicht gut, wie sich die Jugendlichen Charaktere unterhalten. Sie finden es nicht gut, dass ein Castmitglied ein Jem-Hadar/Klingonenmischling ist. Sie finden es nicht gut, wie Direktorin Ake sich im Kapitänssessel fläzt, kurz sie lassen überhaupt kein gutes Detail an der Reihe. Teilweise sehnen sie sich danach, dass Ronald D. Moore wieder zurückkommt, weil der aktuell mit For All Mankind eine großartige SciFi-Serie produziert. Ein anderer Teil wünscht sich sogar Brannon Braga zurück. Ein anderes Mal feiern sie es öffentlich, wenn die Einschaltquoten der Serie im linearen Fernsehen katastrophal sind. Sie vergleichen die Serie mit einem Essen bei McDonalds und die früheren Reihen mit einem Fünf Sterne Menü. Die ganz extremen verteufeln die Reihe sogar als „Woke“, dem beliebten Kampfbegriff diverser Kulturdebatten im Internet.
Und inzwischen werden die negativen Stimmen im Angriff persönlicher. Ein prominenter Vertreter der Leute, die die Serie positiv hervorheben und der zuletzt deutliche, aber auch gleichzeitig gut geschriebene Kritik an jenen geäußert hat, die die Reihe verteufeln, hat zuletzt auf Facebook ein langes Statement gepostet, wo er sich gegen sehr persönliche Angriffe verteidigte. Denn diese Personen haben sein Leben, sein Schaffenswerk negativ dargestellt und ihm Parteilichkeit oder gar Bestechlichkeit vorgeworfen. Was ein deutlicher Schlag unter der Gürtellinie ist.
Es wird toxisch
Und ich komme aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Ich dachte lange Zeit, dass Star Trek eine Art Safe Space für die toxische Entwicklung im Internet sei. Dass es zwar negative Stimmen gibt, doch das diese nicht so laut und so extrem ausfallen, wie es zum Beispiel im MCU-Fandom der Fall ist. Wo bestimmte YouTube-Kanäle im englischen Sprachraum, vorzugsweise solche aus dem eher rechten politischen Spektrum, alles Scheiße finden, alles Woke. Sie generieren unter anderem mehrere Hunderttausende Klicks damit, in dem sie beispielsweise andeuten, dass sie eine prominente Schauspielerin der früheren MCU-Phasen in einer Hütte einsperren wollen um dort… Sachen mit ihr zu machen.
Dass dies jetzt auch bei Star Trek angekommen ist, bedrückt mich. Und es ist eigentlich ein weiteres Zeichen dafür, dass die diversen Bubbles des Internets immer mehr auseinanderdriften. Dass das Mantra des Franchises, anderen gegenüber offen und freundlich aufzutreten, anscheinend keinen Wert mehr hat. Stattdessen steigt mittlerweile jeder auf seine eigene Empore, um von dort aus laut und deutlich hinauszuposaunen, wie gut oder schlecht er Star Trek aktuell findet. Und wer anderer Meinung ist, der hat dann jeweils schlechte Karten.
Natürlich ist es so, dass diese Toxizität nichts Neues ist. Die gab es schon früher. Als TNG damals entstand, haben viele TOS-Fans sich negativ über die Reihe geäußert, noch ehe überhaupt die erste Episode erst über die Bildschirme flimmerte. Und dann wurde es die erfolgreichste Star Trek-Serie überhaupt, ein Quoten-Erfolg, den die nachfolgenden Reihen danach nie mehr erreichen konnte. Was aber auch an einer immer weiter zersplitterten Medienlandschaft lag.
Doch diese Giftigkeit, diese Verbiestertheit, dieses Sich-Gegenseitig-Nichts-Gönnen: Dieses Extrem, was es bei Starfleet Academy jetzt gibt, das ist für mich im Star Trek-Fandom etwas Neues. Und es lässt mich für die Zukunft Angst und Bange sein. Denn im schlimmsten Fall vergiften wir gerade den Boden für künftige Generationen. Und das kann eigentlich nicht Sinn des Ganzen sein.
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