Spotlight: David Prowse

Lesezeit circa: 7 Minuten

Der bekannteste aller Sith-Lords feiert Geburtstag – Happy Birthday David Prowse.

Darth VaderFakt Nr. 1: Er ist in guter Gesellschaft, unser heutiger Jubilar David Prowse: Neben Hannibal Lecter aus „Das Schweigen der Lämmer“ oder dem Joker aus zwei Batman-Kinofilmen gehört der von ihm dargestellte Lord Darth Vader zu den bekanntesten Filmbösewichten der Kino-Geschichte.

Fakt Nr. 2: Star-Wars-Schöpfer George Lucas hatte ihm ursprünglich die Rolle des Wookies Chewbacca in seinem damaligen innovativen Filmprojekt angeboten, die ihn jedoch nicht sonderlich interessierte, daher ging sie an seinen Kollegen Peter Mayhew und er selbst erhielt den ikonischen Part als Darth Vader.

Geboren am 1. Juli 1935, kann der hünenhafte Schauspieler David Prowse heute seinen 84. Geburtstag feiern. Ähnlich wie sein kürzlich verstorbener Kollege Peter Mayhew hat auch David Prowse einen Teil seiner Größe infolge einer schweren Erkrankung eingebüßt, in seinem Fall ein langjähriges Arthritis-Leiden, und bringt es inzwischen „nur“ noch auf 1,98 Meter. Bedingt durch diese Erkrankung mussten Prowse zwei künstliche Hüftgelenke eingesetzt werden.

Kein Interesse am Schauspiel

Schauspieler hatte der junge David Prowse erst einmal gar nicht werden wollen. Schon während seiner Jugend in einem Vorort der britischen Hafenstadt Bristol, seinem Geburtsort, interessierte sich der hochgewachsene junge Mann besonders für Bodybuilding. Er begann schon während seiner Schulzeit an der Bristol Grammar School mit entsprechendem Training. Dies brachte ihm erste Jobs, unter anderem als Türsteher vor einem Tanzclub sowie als Rettungsschwimmer in einer großen Badeanstalt, ein.
Ab den frühen 60er-Jahren machte er zunächst den Muskelsport zu seinem Hauptberuf. In den Jahren 1962, 1963 und 1964 gewann er die britischen Meisterschaften im Gewichtheben. 1962 vertrat er außerdem das United Kingdom bei den „British Empire And Commonwealth Games“ im australischen Perth mit großem Erfolg. Im Zuge dessen siedelte er nach London um, wo er für eine Kraftsportgesellschaft zu arbeiten begann.

Durch Zufall ins Filmgeschäft

Eher zufällig erhielt Prowse 1967 eine kleine Rolle in der Agenten-Groteske „Casino Royale“. 1969 war er im Thriller „Tödlicher Salut“ zu sehen. Hier spielte er ,mit dem späteren 007-Darsteller Roger Moore in der Hauptrolle, einen namenlosen Partygast.
Allerdings fand Prowse hierdurch Eingang ins Filmgeschäft. Seine nächste Rolle im Jahr 1970 fiel dann auch deutlich größer aus. In der Neuverfilmung von Mary Shelleys klassischer Schauergeschichte mit dem Titel „Frankensteins Schrecken“ von der britischen Produktionsgesellschaft Hammer Films war er in der Rolle des Monsters (das im Gegensatz zu seinem Schöpfer nur umgangssprachlich „Frankenstein“ genannt wird!) zu sehen.

Sein nächster Film war Stanley Kubricks umstrittene Adaption von Anthony Burgess‘ dystopischem Romanklassiker „Uhrwerk Orange“. Hier bekam man Prowse als den Bodyguard Julian zu sehen.
„Zirkus der Vampire“ von 1972 war ein weiterer Hammer-Horrorfilm. Prowse war darin als „Hüne im Zirkus“ in einer weiteren kleinen Rolle zu sehen. Im gleichen Jahr spielte er in der bislang nicht in deutscher Fassung veröffentlichten Folge „The Time Monster“ aus der neunten Staffel der Kultserie Doctor Who. Hier war er, neben dem damaligen Doctor-Darsteller Jon Pertwee, in der Rolle des stierköpfigen Minotaurus zu sehen.

„Black Snake“ von 1973 wiederum war ein so genannter Exploitation-Film des Regisseurs Russ Meyers, der diplomatisch ausgedrückt nicht für seine jugendfreien Werke bekannt war. In diesem Film ging es, um es erneut vornehm auszudrücken, um den sexuellen Aspekt der Sklaverei und Prowse spielte den sadistischen Walker II. „White Cargo“ aus dem gleichen Jahr hingegen war eine typische zeitgenössische britische Kino-Komödie.

David Prowse erneut als Frankensteins Monster

„Frankensteins Höllenbrut“ von 1974 bescherte David Prowse dann seinen zweiten Auftritt als unglückliche Schöpfung von Dr. Frankenstein, den in diesem Film sein späterer Star-Wars-Vorgesetzter Peter Cushing spielte. Der Film war zwar auch eine Hammer-Produktion, doch handelte es sich nicht um eine Fortsetzung von Prowses erstem Auftritt als Monster, sondern eine weitere Neuinterpretation, in der das Monster aus dem Körper des unglücklichen „Herrn Schneider“ (Prowse), der auch im Original so hieß, geschaffen wurde.

Im gleichen Jahr spielte Prowse die Schlägertype Arthur im Thriller „Callan – Den Aasgeiern eiskalt serviert“ neben dem späteren TV-“Equalizer“ Edward Woodward. Im Anschluss an diese Filme sah man David Prowse ab 1975 im britischen Fernsehen als den „Green Cross Code Man“, einen pädagogisch angelegten Superhelden, der die kleinen Zuschauer in verschiedenen Kurzfilmen über das korrekte Verhalten im Straßenverkehr aufklärte. Hierdurch entwickelte er sich zu einer bis heute in Großbritannien beliebten Figur.

1976 spielte Prowse in der Episode „Die Feuerwolke“ der zweiten Staffel der Kultserie „Mondbasis Alpha 1“ ein Weltraummonster. Danach spielte er in der unter der Ägide von Monty Pythons entstandenen schwarzhumorigen Fantasy-Komödie „Jabberwocky“ den „schwarzen Ritter“ und hatte einen Auftritt im Vorzeit-Monster-Spektakel „Carpona 2“-Teil. Hierdurch wurde George Lucas auf den hünenhaften Briten aufmerksam und er erhielt schließlich die Rolle des Darth Vader, über die an dieser Stelle sicherlich nichts mehr gesagt werden muss. Übrigens arbeitete Prowse in dieser Zeit auch als prominenter Fitnesstrainer und brachte unter anderem „Superman“ Christopher Reeve für dessen ersten Leinwandauftritt in Form.

Darth VaderDie Rolle als Darth Vader

Obwohl David Prowse in allen drei Filmen der „Mittleren Trilogie“ der Star-Wars-Saga zu sehen war, zeigte er sich bereits während der Dreharbeiten zu den ersten zwei Filmen sehr unzufrieden über den Umgang mit ihm. So wurde seine Stimme gegen die des amerikanischen Schauspielers James Earl Jones ausgetauscht. Seine eigene Sprechweise und sein mittelenglischer Akzent fand George Lucas ungeeignet als Idiom eines Bösewichts. Ferner wurde Prowse für die Fechtszenen zwischen Vader und Luke am Ende von „Episode V“ von Profi-Schwertkämpfer Bob Anderson gedoubelt. Regisseur Irvin Kershner hielt Prowses entsprechende Fähigkeiten für unzureichend.

Der absolute persönliche Tiefschlag für David Prowse war jedoch 1983 die Tatsache, dass in der berühmten Demaskierungsszene Darth Vaders am Ende von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ nicht sein Gesicht unter dem berühmten Helm zum Vorschein kam, sondern das seines ebenfalls britischen Schauspielkollegen Sebastian Shaw: George Lucas begründete seine Entscheidung damit, dass er Darth Vader und Anakin Skywalker zum einen als zwei unterschiedliche Figuren sehe, zum anderen halte er die schauspielerische Begabung von David Prowse für die emotionale Filmszene zu schwach. Prowse verzieh dies Lucas niemals. Obwohl er in der Folgezeit auf einigen offiziellen Star-Wars-Veranstaltungen auftrat, kam es schließlich zu einem endgültigen Zerwürfnis. Dieses führte dazu, dass Prowse seine zahlreichen Auftritte auf Conventions nur noch auf „inoffizielle Veranstaltungen“ beschränkte, was er jedoch sehr zahlreich bis in die 2000er-Jahre hinein tat.

Späte Genugtuung

Der spanische Filmemacher Marcos Cabotá, ein persönlicher Freund von David Prowse, drehte über diese Geschichte im Jahr 2015 den außergewöhnlichen Dokumentarfilm „I Am Your Father“. Darin wird unter anderem Cabotás eigene Version des Todes von Darth Vader mit David Prowse als entstelltem Anakin thematisiert. Diese Version wurde nach einmaliger Aufführung von Lucasfilm Ltd. verboten. Doch  gibt es in dem Film ein Bild von Prowses‘ Maske zu sehen. „I Am Your Father“ kann auf Netflix abgerufen werden und ist ferner als spanische Import-DVD und BluRay erhältlich.

Der größte Erfolg bleibt der letzte

Nach Star Wars war Prowse nur noch in einem weiteren Auftritt als Schauspieler zu sehen. In der BBC-Verfilmung von Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“ spielte er in einer Episode einen Leibwächter.

Ich erinnere mich bis heute gern an eine großartige persönliche Anekdote mit David Prowse, die sich während der frühen 2000er-Jahre auf einer deutschen Convention zugetragen hat. David Prowse, in seinem Privatleben ein begeisterter Fotograf, interessierte sich sehr für die Nikon-Kamera meiner Ehefrau. Er bat darum, diese näher betrachten zu dürfen. Anschließend zerlegte er die Kamera fachmännisch und analysierte ihr Innenleben, um sie anschließend ebenso jovial wieder zusammenzusetzen. Somit blieben von der Begegnung nur Erinnerungen, leider ohne gemeinsames Foto.

Nachdem David Prowse an Prostatakrebs erkrankte, beendete er seine bei Fans stets beliebten Convention-Auftritte. Er zog sich in den wohlverdienten Ruhestand zurück. Bedauerlicherweise ist er zwischenzeitlich auch an Demenz erkrankt. Aus diesem Grund möchten wir von Warp-Core.de dem Schauspieler schlicht Wohlergehen und alles Gute zu seinem heutigen Geburtstag wünschen. Sicherlich verbringt er diesen zusammen mit seiner Ehefrau (seit 1963) und seinen drei Kindern sowie seinen Enkeln.

David Prowse in der IMDb

Thorsten Walch

Thorsten ist Jahrgang 67 und Sci-Fi- und Horror-Experte. Er ist der Star Trek-Spartenredakteur des Corona Magazine und ferner der Autor des Buches Es lebe Star Wars, das im kommenden November im Mülheimer iFuB-Verlag erscheinen wird. Bei www.warp-core.de fungiert er als Star Wars-Fachmann.
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Thorsten ist Jahrgang 67 und Sci-Fi- und Horror-Experte. Er ist der Star Trek-Spartenredakteur des Corona Magazine und ferner der Autor des Buches Es lebe Star Wars, das im kommenden November im Mülheimer iFuB-Verlag erscheinen wird. Bei www.warp-core.de fungiert er als Star Wars-Fachmann.

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