Spotlight: Peter Mayhew – Requiem für einen Wookie

Lesezeit circa: 6 Minuten

Peter Mayhew, besser bekannt als Chewbacca aus Star Wars, wurde am 19. Mai 1944 geboren. Er verstarb am 30.4.2019.

Auf den „May The 4th“ des Jahres 2019 fällt ein Schatten, denn wieder einmal heißt es in der Fan-Welt Abschied nehmen von einem Mitglied der „Star-Wars-Family“: Am Vortag wurde bekannt, dass Peter Mayhew, der Originaldarsteller von Han Solos pelzigem Wookie-Freund Chewbacca, bereits am 30. April knapp drei Wochen vor seinem 75. Geburtstag verstorben ist.

Gesundheitlich schon länger angeschlagen

Mit der körperlichen Fitness des zuletzt 2,18 Meter messenden britischen Mimen (in jüngeren Jahren brachte er es gar auf 2,21 Meter) stand es schon seit einigen Jahren nicht mehr zum Besten: Infolge eines Wirbelsäulenleidens konnte er die Rolle des Chewbacca schon 2014/15 in Star Wars: Das Erwachen der Macht nur noch in Nahaufnahmen verkörpern, während der ehemalige finnische Basketball-Nationalspieler Joonas Suotamo (übrigens mit 2,12 Meter 6 Zentimeter kleiner als Peter Mayhew) für die Action-Szenen in den Wookie-Pelz stieg. Zwei Jahre später übernahm Joonas Suotamo ab Die letzten Jedi die Rolle dann ganz, doch blieb Peter Mayhew nach wie vor in beratender Funktion mit an Bord. Denn nach wie vor blieb er für die Fans Chewbacca.

Eine Karriere als Schauspieler hatte Peter Mayhew eigentlich gar nicht vorgeschwebt. Ursprünglich nämlich hatte der Brite eine Krankenpflegeausbildung absolviert und war im Londoner King’s College Hospital in seinem erlernten Beruf sowie auch als Pförtner tätig. Mitte der 70er Jahre kontaktierten ihn Reporter, die einen Artikel über Menschen mit außerordentlich großen Füßen herausbringen wollten: Mayhew hatte die sagenhafte Schuhgröße von 54. Durch den Artikel schließlich wurden die Produzenten des Fantasy-Abenteuers Sindbad und das Auge des Tigers unter der Ägide des legendären Trickeffekt-Pioniers Ray Harryhausen auf den hochgewachsenen Krankenpfleger aufmerksam und engagierten ihn für den Film. Peter Mayhew war hier als monströser „Minoton“ zu sehen, der eine Art Roboter-Variante des mythischen Minotaurus war.

Peter Mayhew
Chewbacca ©Lucasfilm Ltd.
Mit Glück zur ikonischen Rolle

Als George Lucas die Dreharbeiten für den allerersten Star-Wars-Film vorbereitete, stieß er auf Peter Mayhew, nachdem David Prowse die Rolle des Chewbacca abgelehnt und sich stattdessen für die Darstellung des Darth Vader entschieden hatte.

Der Rest ist (Film-) Geschichte: Nach Star Wars Episode IV (1977) verkörperte er den zwar tierischen, aber auch hochintelligenten Wookie vom Planeten Kashyyyk (was erst sehr viel später in dieser Weise bekannt wurde) auch in den beiden nachfolgenden Filmen Das Imperium schlägt zurück (1980) und Die Rückkehr der Jedi-Ritter (1983) sowie im sagenumwobenen Star Wars Holiday Special (1978) und jener Episode der Muppet Show (1980), in der er neben seinen Star-Wars-Kollegen Mark Hamill (Luke Skywalker), Anthony Daniels (C-3PO) und Kenny Baker (R2-D2) zu sehen war. Danach zog er sich aus der Schauspielerei zurück und arbeitete zeitweise wieder in seinem erlernten Beruf. Allerdings wurde er ein häufiger Gast auf den aufkommenden weltweiten Star Wars- und sonstigen Fantastik-Conventions und erfreute sich wegen seiner Freundlichkeit und seines Humors großer Beliebtheit bei den Fans.

2005 kehrte er dann für Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith noch einmal in seine ikonische Rolle als Chewbacca zurück und half der Klon-Armee bei der Verteidigung von Chewbaccas Heimatwelt Kashyyyk. 10 Jahre später sah man ihn wie bereits erwähnt in Star Wars: Das Erwachen der Macht letztmalig als den liebenswerten Wookie.

Einen Oscar bekam Peter Mayhew zwar nie, aber für diese Rolle erhielt er 1997 den Lifetime Achievement Award bei der Verleihung der MTV Movie Awards.

Neben Chewbacca kein großes Interesse am Schauspiel
Peter Mayhew
Uncle Clyde ©Dream Hero Productions

Außerhalb seiner 7 Auftritte als „Chewie“, wie er stets von Han Solo genannt wurde, war er nur sehr selten in Filmen zu sehen. 2008 spielte er unter anderem neben Chase Masterson (bekannt als Dabo-Girl Leeta in Star Trek: Deep Space Nine) im unabhängig produzierten Mystery-Thriller Yesterday Was A Lie den bedrohlichen „Dead Man“ (der Film war in Deutschland nie zu sehen), 2016 war er im bereits 2011 produzierten Horrorstreifen Killer Ink als Onkel Clyde zu sehen.

Und ansonsten begegnete er seinen Fans immer wieder gerne auf Conventions und anderen entsprechenden Veranstaltungen.

Seit 1999 war Peter Mayhew mit seiner Frau Angelique verheiratet und das Paar hatte drei gemeinsame Kinder. Obwohl Peter Mayhew in seinen letzten Lebensjahren auf den Rollstuhl angewiesen war, engagierte er sich bis zum Schluss für verschiedene karitative Zwecke, in erster Linie für vom Leben in unterschiedlicher Weise benachteiligte Mitmenschen.

Seine Todesursache möchte seine Familie, in deren Kreis er in den Abendstunden des 30. April verstarb, nicht nennen. Von offizieller Seite wurde eine Gedenkveranstaltung für den Mimen im kommenden Juni in den USA angekündigt.

Persönliches Treffen mit Peter Mayhew

Ich persönlich hatte im Jahr 2002 bei der damaligen ExpoCon in Hannover die Ehre und das Vergnügen, den „sanften Riesen, der einen sanften Riesen spielt“ (Aussage von Disney-Chef Robert „Bob“ Iger) persönlich kennenzulernen. Und zwar als einen humorvollen und warmherzigen Menschen, dem nichts fremder zu sein schien als etwaige Star-Allüren. Ganz besonders gut in Erinnerung geblieben ist mir das Wort „Consequently“ („Folglich“), mit dem er gern seine jeweiligen Sätze einleitete. Und sein herzliches, mitunter leicht dröhnendes, niemals spöttisches und vor allem ansteckendes Lachen: Damit bedachte er mich auf der Con, als ich ihn darum bat, doch einmal zu grollen wie er es als Chewbacca tat. Das, so erklärte er mir damals, sei nicht er selbst gewesen, sondern Soundmaster Ben Burtt, der unter anderem die typischen Laute eines Zimtbären dafür verwendete. Ich habe Peter Mayhew danach noch einige Male wiedergesehen und besitze sein Autogramm, doch leider kein gemeinsames Foto, und ich bin ihm nie wieder so nahe gekommen wie damals bei der ExpoCon. Und trotzdem – er wird mir fehlen. Der Gedanke, dass es ihn nun in dieser Welt nicht mehr gibt, erfüllt mich mit einer gewissen Leere und Traurigkeit. Aber Trost spendet mir die Tatsache, dass es auch den anderen vielen, vielen Star-Wars-Fans so gehen wird und wir alle nicht allein damit sind, denn wir haben ja uns noch. Und mein fester Glaube daran, dass es an jenem fernen besseren Ort einen ganz bestimmten Platz für Leute wie Peter Mayhew gibt, die anderen, insbesondere uns Fans, so viel Freude bereitet haben.

Sei nun eins mit der Macht und die Macht sei stets mit Dir, Peter Mayhew. Und: Danke für alles.

Steady

Thorsten Walch

Thorsten ist Jahrgang 67 und Sci-Fi- und Horror-Experte. Er ist der Star Trek-Spartenredakteur des Corona Magazine und ferner der Autor des Buches Es lebe Star Wars, das im kommenden Juni im Mülheimer iFuB-Verlag erscheinen wird. Bei www.warp-core.de fungiert er als Star Wars-Fachmann.
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Thorsten ist Jahrgang 67 und Sci-Fi- und Horror-Experte. Er ist der Star Trek-Spartenredakteur des Corona Magazine und ferner der Autor des Buches Es lebe Star Wars, das im kommenden Juni im Mülheimer iFuB-Verlag erscheinen wird. Bei www.warp-core.de fungiert er als Star Wars-Fachmann.

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