In Bewohner der Erde geht es für viele Discovery-Crewmitglieder zurück zu ihrer Heimatwelt.

Ein freudiges Wiedersehen und interessante Infos

Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) erinnert sich daran, wie sie das Jahr verbracht hat, in der die Discovery noch nicht angekommen war. Sie wurde zu einer Kurierin und arbeitete viel mit Booker (David Ajala) zusammen. Doch kaum hat sie das Signal ihres einstigen Schiffes erhalten und es gerettet, beamt sie sich an Bord und wird von der Crew freudig begrüßt.

Sie spricht mit Saru (Doug Jones) und erzählt ihm mehr über den Brand, der vor allem die Raumschiffe der Sternenflotte betraf. Gleichzeitig klären sie und der Kelpianer, wer jetzt der Captain sein soll. Sie meint, dass ihr langjähriger Freund und Kollege perfekt für den Posten geeignet sei, was er akzeptiert.

Da Michael Burnham in dem Jahr ohne die Discovery eine Nachricht eines Sternenflottenadmirals von der Erde empfangen hatte, soll das Schiff dorthin reisen. Vorher wird ein Plan aufgestellt, der erklären soll, wieso das Raumschiff sich von anderen Schiffen so enorm unterscheidet.

Wenn Dinge sich verändert haben

Dann ist es soweit: Mittels Sporenantrieb springt die Discovery zum Sonnensystem und muss entdecken, dass sich der blaue Planet verändert hat. Die Föderation ist hier anscheinend nicht mehr vorhanden. Stattdessen beschützt jetzt die United Earth Defense Force unter dem Kommando von Captain Ndoye (Phumzile Sitole) die Welt. Und da diese die Coverstory der Discovery nicht abkauft, beamt sie sich mit einigen ihrer Leute an Bord, um das Schiff zu inspizieren.

Das Raumschiff wird genau untersucht. Vor allem Adira (Blu Del Barrio), ein junger Offizier, überprüft alles genaustens. Er/Sie scheint hochbegabt zu sein und erkennt auf Anhieb, dass die Discovery alt ist. Und ungewöhnliche Technologie besitzt.

Doch dann ertönt der rote Alarm. Eine kleine Flotte an Piratenschiffen, die die Erde schon oft geplündert hat, nähert sich. Ndoye will diese vernichten, was Saru als Vertreter der Föderation nicht möchte. Allerdings gibt es auf ein Mal Probleme, weil die UEDF-Kräfte sich nicht auf ihre Schiffe zurücktransportieren können.

Ungehorsam lohnt sich

Es kommt zu einem Showdown im Erdorbit, bei dem auch Torpedos abgefeuert werden. Die Discovery kann diese zwar abfangen, wird allerdings schwer getroffen. Gleichzeitig führt Michael Burnham gemeinsam mit Booker einen Plan aus, den sie insgeheim ersonnen hat, ohne vorher Saru einzuweihen. Es gelingt den beiden, den Anführer der Piraten gefangen zu nehmen und an Bord des Föderationsschiffes zu bringen. Dort wird der Führer als Mensch demaskiert. Er und seine Leute sind Überlebende der Wissenschaftskolonie des Titan, die ursprünglich Hilfe brauchten. Doch da keine Kommunikation zu Stande kam, kam es eben zum Konflikt. Die Lage kann geklärt werden und die Leute aus der Besatzung, die von der Erde stammten, können diese besuchen.

Zur selben Zeit kann Stamets (Anthony Rapp) Adira stellen, der/die nicht ganz unschuldig an der Eskalation der Dinge ist, und erfährt von ihm/ihr, dass sie der Admiral war, der den Funkspruch damals absetzte. Er/Sie ist zwar ein Mensch, trägt aber gleichzeitig einen Trillsymbionten in sich, auch wenn er/sie auf dessen Erinnerungen nicht immer zugreifen kann. Um herauszufinden, was genau mit der Föderation geschehen ist, wird er/sie Teil der Discoverycrew.

Dies erfährt Saru von Michael Burnham. Er schilt sie zunächst wegen ihrer eigenmächtigen Aktion. Nur um sie dann am Ende doch zu seinem ersten Offizier zu ernennen.

Viele Infos, einige Überraschungen

Mit Bewohner der Erde erhält man als Zuschauer viele Infos. So kriegt man weitere Details darüber mit, was mit der Föderation geschah oder was genau beim Brand passierte. Gleichzeitig wird auch gezeigt, was Michael Burnham während des Jahres zwischen ihrer und der Ankunft der Discovery widerfuhr. Und lernt eine neue Figur kennen, die zwar noch nicht viel Screentime erhielt, aber sicher in Zukunft wichtig sein wird.

Denn die vielleicht größte Überraschung der Folge ist Adira. Der nicht-binäre Charakter (weder ausschließlich Mann noch Frau) wird gut eingeführt. Der Fokus bei ihm/ihr liegt dabei auf seiner/ihrer Intelligenz. So ist er/sie in der Lage, die Technik der Discovery und des Sporenantriebs durch bloßes Anschauen zu identifizieren, sowie heimlich ein eigenes Gerät an Bord des Schiffes zu schmuggeln. Und dann gibt es am Ende die große Überraschung, dass er/sie, in Wahrheit ein Mensch ist, der einen Trill-Symbionten in sich trägt.

Aus Kontinuitätssicht ist das Verwundern von Saru und Michael Burnham in Bewohner der Erde darüber, dass es diesen Symbionten gibt, nachvollziehbar. Dieses Geheimnis der Trill wurde erst während The Next Generation in der Episode Odan, der Sonderbotschafter publik und war dann in Deep Space Nine Allgemeinwissen. Also alles Serien, die innerhalb der Star Trek-Kontinuität lange nach den ersten beiden Discovery-Seasons stattfanden.

Katastrophale Infos

In der eben genannten Folge wurde auch gezeigt, dass es für einen Menschen kurzfristig möglich war, einen Symbionten in sich zu haben. Aber halt nicht auf Dauer. Hier hat die Medizin im Laufe der Jahrhunderte anscheinend enorme Fortschritte gemacht, so dass jetzt eine Symbiose dauerhaft, ohne größere Komplikationen möglich ist.

Was den episodenübergreifenden Plot angeht, so erfährt man in Bewohner der Erde, dass die Föderation (und damit auch die Sternenflotte) die Erde nach dem Brand mit unbekanntem Ziel verlassen hatte. Und dass jenem einschneidenden Ereignis zuerst ein Zuneigegehens aller Dilithium-Vorräte vorausging, wobei das Suchen nach alternativen Antriebstechnologien nicht erfolgreich war. Die größte Neuigkeit ist allerdings, dass der Brand vor allem Föderationsschiffe betraf. Jedoch ist diese Info mit Vorsicht zu genießen, da sie aus rein terranischer Sicht geprägt ist. Und da weder Klingonen noch Romulaner noch irgendwelche anderen der Föderation mitunter nicht wohl gesonnene Spezies im Laufe der Jahre auftauchten, darf man davon ausgehen, dass diese ebenfalls von dem Brand betroffen sein dürften!

Es gibt auch kleinere Einsprengsel, Charaktermomente, die die Entwicklung einiger Figuren begünstigt. Sei es Bookers fühlbares Unbehagen in der Sternenflottenuniform, Detmers (Emily Coutts) Träne, als sie von den vielen Toten des Brands hört oder die lässige Selbstsicherheit von Philippa Georgiou (Michelle Yeoh): Auch dadurch wachsen Charaktere. Wobei man allerdings erwähnen sollte, dass anders als in der vorherigen Episode längst nicht alle Figuren zur Geltung kommen. So tauchen beispielsweise Nhan (Rachael Ancheril) oder Doctor Culber (Wilson Cruz) in dieser Folge nicht auf.

Rückfall in alte Gewohnheiten

Was den Konflikt zwischen der Erde und den Überlebenden der Titan-Kolonie angeht: So fühlt sich dieser sehr plakativ dargestellt an. So, als ob hier in Bewohner der Erde versucht wurde, mit allen Mitteln zu zeigen, was geschieht, wenn die Föderation nicht mehr da ist. Zwar wird die Entstehung der Auseinandersetzung glaubwürdig begründet, aber am Ende hat man einfach nur den Eindruck, dass hier Dinge geschehen, weil sie geschehen müssen.

Und zwar hauptsächlich, um am Ende Michael Burnham wieder glänzen zu lassen. Das ist der Aspekt von Bewohner der Erde, der einen beim Zuschauen ärgern wird. Dass Michael Burnham den frischgebackenen Captain Saru wie einen Schuljungen aussehen lässt. Es wird zwar begründet, wieso sie so eigenständig agiert, eben weil sie es sich im Laufe des Jahres so angewöhnt hat, aber das Ergebnis ist, dass es das Lob, welches sie zu Beginn der Folge dem Kelpianer aussprach, wie ein bloßes Lippenbekenntnis wirken lässt. Und am Ende wird sie auch noch dafür belohnt, indem sie zum ersten Offizier des Schiffes ernannt wird. Dass sie vorher kurz gescholten wird, kann man getrost vernachlässigen. Es stellt sich die Frage, wieso Saru Michael Burnham vertrauen soll, wenn sie so offensichtlich gezeigt hat, dass sie nicht teamfähig ist. Das erinnert an die schlechten Angewohnheiten von Star Trek Discovery aus den vorherigen Staffeln. Michael Burnham kann im Prinzip tun und lassen, was sie will. Am Ende wird sie sowieso belohnt. Das ist hier einfach nur frustrierend, weil es zeigt, dass die Macher der Serie anscheinend nichts gelernt haben!

Übrigens führte Jonathan Frakes wieder Regie in dieser Episode. Der Deutsche Titel Bewohner der Erde ist nahezu deckungsgleich mit dem Originaltitel „People of Earth“.

Oh shit! Hey, you didn’t tell me about the spinning part! Huh?
– Booker

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Götz Piesbergen

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