[Perry Rhodan 3064] Ferrol

Lesezeit circa: 8 Minuten

Die Festung auf Rofus – Terraner und Topsider im gemeinsamen Einsatz.

Ferrol
© Pabel-Moewig Verlag KG

Titel: Ferrol
Autor: Christian Montillon und Susan Schwartz
Titelbild: Dirk Schulz
Erschienen: 09.05.2020

Zur Handlung

Mit der ORATIO ANDOLFI trifft Rhodan im Wegasystem ein, wo sich bereits Topsiderraumer eingefunden haben. Trotz tiefsitzenden Argwohns entsenden beide Völker ein Einsatzteam nach Rofus, wo die Topsider eine Station unterhalten, die sich seit vier Tagen nicht mehr gemeldet hat. Nicht nur sind dort alle tot, wie kraftlos entschlafen, sondern auch das gesamte Einsatzteam bis auf Rhodan und Phylax droht vor Ort zu sterben. Eine dramatische Rettung über rassistische Ressentiments hinweg!

Auf Ferrol, wo die Ferraner als dyogalaktische Kolonisten leben, geht Rhodan der Sache auf den Grund. Er kann die Spur der Topwissenschaftlerin Ferenice Mellner aufnehmen, die sich über alle Vorurteile hinweg wissenschaftlich mit einer Rofus-Topsiderin austauschte und so selber der Ursache nachspürte: Rhodan folgt ihr nach Bariya, hiesig der zehnte Planet, wo die Fäden zusammenlaufen: Sog. Bleichsterne, die man schon auf Rofus als vermeintlich harmlos sichtete, erweisen sich als von einem Bariya-Mond durch Netzkatapulte ausgesandte Todesbringer. Sie emittieren ermattende, schließlich tödliche Strahlung. In gemeinsamer Abwehraktion kann man die durchs System fliegenden Bleichsterne mühsam vernichten und die Gefahr bannen …

Die Drei Ultimaten Beobachtungen

1. Bleichsterne wie interplanetare Viren

Allzu viel ist zu den Bleichsternen schlicht noch gar nicht zu sagen. Dafür umso mehr zu ihrer Wirkung, der sog. „Lethargie-Strahlung“, die schleichend einsetzt, um dann innerhalb kurzer Zeit jegliche Vitalität von Topsidern und Humanoiden auszusaugen. Kurz die Cairaner unter Generalverdacht, wo sie ja schon ähnlich auslaugende endlose Straßen betreiben. Aber selbst böse Bösewichte haben mal Pause und dürften wohl kaum etwas hiermit zu tun haben.

Dass es sich um eine – negativ gewendete – „dritte Macht“ handeln muss, geht für mich daraus hervor, dass sie sich gleichermaßen gegen alle (intelligenten) Lebewesen im Wegasystem richtet. Topsider nur deshalb als erste Opfer, da ihre Station auf Rofus näher an den Netzkatapulten auf dem Bariya-Mond liegt und die weit unterlichtschnell durchs All treibenden Bleichsterne zuerst als tödliche Sternschnuppen hier runterkamen.

Und ziemlich sicher vor zehn Millionen Jahren ist es schon einmal so passiert, eventuell seither noch mehrere Male. Es scheint also zyklisch zu geschehen. Daher hier meine Spekulation: Im „ersten Zweig“ sind es die Sporenschiffe, die das Leben förderten, was wiederum Schwärme im Auftrag der Kosmokraten mit Intelligenz veredelten. Im „zweiten Zweig“ fehlte es bekanntlich an höheren Entitäten und Mächten (wie sie Rhodan kennt!) – und doch muss es Existenzen geben, die etwas ganz grundsätzlich gegen intelligentes Leben haben. Das Dyoversum als ein Testlabor für die Anti-All-Saat- bzw. Anti-Panspermie-Hypothese). Anhänger des Spruchs: „Das Leben ist an die Lebenden verschwendet.“ (Wer hat’s gesagt?)

Denn so pfiffig ein Okrill wie Phylax auch ist, er wird dann doch zu den Tieren gezählt, auf die die Bleichsternstrahlung offensichtlich so überhaupt nicht einwirkt. Und unter den wandelnden
Intelligenzen ist nur Perry dank Zellaktivator immun. Doch warum und wozu Leben so „klein“ halten? Wobei „klein“ fehlgeht, denn auf Zeut und Iya herrschten vielmehr übergroße Monstrositäten im Tierreich vor, die aber durchweg nicht intelligent zu sein scheinen. Die auffällig dezenten Hinweise auf die „schreibenden Engel“ des Totums in in 3059 „Der transuniversale Keil“ sicherlich kein Lückenfüller als Fingerübung aus Langeweile.

2. Alles bleibt anders oder wird gleich

„Dass es auf der anderen Seite des Dyoversums dann auch eine Welt gibt, die man als Ferrol bezeichnet, verwundert sicher auf den ersten Blick.“ Tat es, wobei ich mir zu klar weiterhin nicht bin, wieso derart hartnäckig bis übertrieben nahezu alles nach dem „guten Alten“ benannt wird. Vanothen und Irreversibilisten wollen sowieso nie wieder zurück und müssen sich folglich im „zweiten Zweig“ einrichten, es für sich zur „Heimat“ machen, es sich als Heimat aneignen. Wieso selbst sie dann ständig namentliche Erinnerungen mit sich herumtragen, die als erlebte Erinnerungen sowieso nur Homer G. Adams tatsächlich gemacht hat, ist schon etwas … doof.

Da will ich ihnen psychologisch nur gutgemeint zurufen: „Leute, wenn ihr es eigenständig und losgelöst wollt, dann benennt die Welt, die eure sein soll, mit euren Bezeichnungen für das, was ihr da vorfindet!“ So sind’s doch namhafte Klumpfüße, mit denen sie da ohne Not ins Neue hinausstreben.

3. Gegenwartsbezüge

Fand ich in 3058 „Für Galaktiker verboten“ die Quarantänemaßnahmen gegen die Milchstraße gerade wegen realer Quarantänen so eindrücklich, erging es mir in diesem Heft mehrfach ähnlich und fühlte ich mich an vieles in der aktuellen Corona-Zeit erinnert. Dürfte jedoch Wim Vandemaan sein Heft noch vor der akuten Phase zumindest in Deutschland geschrieben haben, dürfte die Beendigung von „Ferrol“ bei Abgabe rund zwei Monate vor Erscheinen inmitten des März gefallen sein. Wüsste daher zu gerne, ob die ersten intensiven Corona-Maßnahmen für manches in der Handlung Pate standen.

Bleichsterne als Corona-Viren des Dyoversums, die erst nur gering, dann „exponentiell“ ausgesandt werden; man Distanz einhalten muss, um der (Strahlungs)Wirkung zu entgehen; nur Phylax und Rhodan immun sind; die alles nur nicht einfach so zu bekämpfen sind (1 m anhaltender Strahlendauerbeschuss).

Das PROC-Interview geht darauf nicht weiter ein. Und in vorigen Interviews wollte Monsieur Monti zu viel akut aufgegriffene Gegenwart auch gar nicht in seine Hefte verfrachtet wissen: Alles doch nur immer wiederkehrende Archetypen.

Fazit zu „Ferrol“

Diesmal bin ich mir der Textverteilung unter den Autoren nahezu gar nicht sicher. Schwacher Schreibmarker „gerast“ kam direkt nicht vor, auch wenn an mitbekommenen zwei Stellen „sie rasten“. Aber reicht das, um Monti zu überführen? Und was genau kam dann von Susan? Das haben sie diesmal viel zu gut getarnt, damit ich mir einbilden kann, es zu durchschauen.

Schlecht am Roman eigentlich nur der Schluss, wo – aus zugegeben besten Gründen einzuhaltenden Termins – Rhodan und Team schnurstracks einfach abfliegt, kaum dass die systemweit bedrohlichste Lage formal gerade so unter Kontrolle ist. Weder bleibt Sichu als Wissenschaftlerin zurück, um die Bleichsterne auszuquetschen; noch überwiegt das Geheimnis einer „dritten Macht“ (nebst Dyo-Galaktikern und Topsiderinnen), die für den „Anschlag“ verantwortlich sein muss, dass Rhodan dem selber nachgeht. Da fand ich das „tschüss auch und alles Gute“ etwas hopplahopp. Das umso mehr, da exklusiv uns Rhodanauten im Epilog angedeutet wird: Die Bleichsterne sind im Auftrag ausgesandt und haben ein zumindest instinktives Bewusstsein. Diese Geschichte ist noch nicht vorbei und werde noch in diesem Zyklus erneut aufgegriffen.

Skurrilität am Rande: Die Kolonisten aus dem Solsystem heißen „Ferraner“ (Ferrol-Teraner – und doch ein Freud’scher Vertipper in Kapitel 9: „… murmelte der Ferrone.“

Auffallend, dass schon wieder erst nach etwa der Hälfte der titelgebende Ort – diesmal „Ferrol“, zuvor “Zeut“ und “Ceres“ – überhaupt Handlungsort geworden ist. Und das auch nicht mit wirklich planetar weitem Panoramablick, da wir nahezu nur im Krankenhaus oder Besprechungsräumen sonst wo sind. „Ab der Hälfte auch ein wenig auf Ferrol“ wäre daher der bessere Titel, „Wegasystem“ der m.E. trefflichste.

Davon abgesehen ist selbst der Paau für mich diesmal besser eingebunden und darf, bevor er Farye rettet, noch sein „ich bin der Paau“-Sprüchlein sagen. Interessant hingegen, dass die Hauptperson Frenice Mellner exakt keinmal direkt auftritt: In einem Monolog per Holo bekommen wir sie direkt noch am meisten mit. Das allerdings allzu UN-passend abbricht, bevor es spannend wird… Später ist sie „bleichstirnig“ (halbtot) und man hört nach ihrer Heilung nur noch, dass sie trotz der Bleichsterne wieder aktiv werde.

Kann mich nicht erinnern, so eine derart indirekt handlungstragende Hauptperson, die keine mysteriöse SI o.Ä. ist, schon einmal gelesen zu haben. Obwohl (oder gerade weil) übermäßig verwissenschaftlicht, ist sie es und nicht einer der Politiker oder aus dem Militär, die interkulturelle Zusammenarbeit für eine gemeinsame Sache par excellence betreibt und letztlich die heimliche Heldin in Rhodans (langem!) Schatten ist. Lobe das!

Sehr viele sehr schöne Details, die ich natürlich hier nicht alle aufliste, die den Roman aber für mich rund gemacht und vor allem in der Rofus-Station haben mitfiebern lassen. Allein die Wandlung Rhodans vom „Katalysator“ (von umwälzenden Ereignissen) zum „Mann des Todes“ und dann zum „Vernichter des Todes“ gefiel mir sehr. Oder die „Bildsprache“ Madounis in Kapitel 2 – sehr gelungen! Auf nach Beteigeuze!

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Dominic Schnettler

Dominic Schnettler

Dominic ist Jahrgang 1985 und unterstützt unser Perry Rhodan Team mit Rezensionen zur aktuellen Perry Rhodan-Erstauflage. Darüber hinaus sucht er die Antwort nach allem, dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest, grokt bisher aber nichts. Liest dafür aber stetig neuentdeckte SF-Klassiker und ist in den unendlichen Weiten ganz zufrieden

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