[Perry Rhodan 3049] In der Zerozone

Lesezeit circa: 8 Minuten

Donn Yaradua im Einsatz – auf der Spur von Terra.

In der Zerozone
© Pabel-Moewig Verlag KG

Titel: In der Zerozone
Autor: Susan Schwartz
Titelbild: Dirk Schulz
Erschienen: 24.01.2020

Zur Handlung

Endlich in der Zerozone wird Yaraduas Trupp durch windartige Kräfte getrennt. Ein Teil aus ihr hinausgeweht, können er und Bru Shaupaard nur dank Zerozonenkind Iwán/Iwa dort entlang von Weggabelungen vorankommen. Sie gelangen nach Padfuur, dem uralten Metronetz der Guunpai, wo die Luruparushe in einer „Oase inmitten des Nichtlands“ leben. Sie erhalten Informationen über die Zerozone, die Superintelligenz MATUY sowie deren Trajekt-Registrator. Nach Vertragsverhandlung mit diesem erfahren sie, dass Terra und Luna durch die Zerozone hindurchgeschleust wurden sowie die Koordinaten zum Einflug in dortige Anderswelt.

Doch kaum zurück und mit Rhodan als Missionsleiter die TESS QUMISHA für den Einsatz ins Nirgendwo gerüstet, finden die Phersunen die Spur und greift der Advokat an. In einem dramatischen Kampf entkommt die TESS, lässt die RAS TSCHUBAI in Ancaisin zurück und gelangt durch den „Trajekt-Punkt“ bis zur Anderswelt, wohin Terra vor Jahrhunderten entschwand …

Die Drei Ultimaten Beobachtungen

1. „…eine Oase inmitten des Nichtlands, des Andersraums“

Ein Feuerwerk an kosmische Weite verheißenden Begriffen: Die verschollene Superintelligenz MATUY, deren Artefakte die Vecuia einst barg (und die ggf. auf dem Index stehen). MATUYS „Herberge in der Zeit“ ein nicht-„linear-chronotoper“ Ort im Normalraum, der in die Zerozone hineinragt; „Geburtssaal“ und „Mausoleum“ zugleich: „Zwei gegenläufig miteinander verschmolzene Orte einer zirkulären Architektur.“ MATUYS Technik materiestabilisiert das Metronetz der Luruparushe „In der Zerozone“ als besagte „Oase inmitten des Nichtlands“. Diese Technik integriert in die vergangenheitsblickenden „Feuertrommeln“ des ehemaligen VECU-Volkes. Und der „Trajekt-Registrator“, der Durchgeschleustes durch die Zerozone rüber zur Anderswelt penibel registriert und nur nach abgeschlossenen „Bewirtungsvertrag“ willens ist, Informationen herauszugeben.

„Bewirtungsvertrag“? Ein bewirtender Wirt – irgendwie im Zusammenhang mit “Euer Gast, euer Wirt“, wie sich Thesan Eyx Xunath in Nr. 3021 „Eyshus Geschenk“ ausdrückte. Und dort weiter: „Der im Vorschein der Welt das Vergangene wahrt. Nichts geht verloren.“ „Vorschein der Welt“ = “Weltenschatten“, wie ihn Iwán/Iwa von Terra „In der Zerozone“ sichtete? Ein weltlicher Abdruck beim Durchgang in die Anderswelt? Thesanit, die ohnehin in der Zerozone Kontakt zur VECU hielten – große Verbindungen?

Zurück in die Nichtland-Oase Padfuur: “Es war allerdings sehr interessant, auch dem verschwundenen Netz zu begegnen, und wie es da wohl sein mochte.“ So Susan Schwartz im PROC-Interview, was stimmt. Doch eigentlich waren Donn & Partner dort unerwünscht, dennoch bekamen sie letztlich freimütig all die genannten und ein paar mehr Informationen. Und zwar sofort, als Bru Shaupaard seinen Sextadim-Span der VECU vorzeigte. Unverzüglich waren da die ehemaligen „Angestellten“ der VECU Feuer und Flamme und selbst der Trajekt-Registrator, der mit Ancaisin und VECU direkt nichts anzufangen wusste, nimmt den Span als bewirtungsvertraglichen Pfand an und wird sogleich informativ. Das ging mir alles zu problemfrei, der Sextadim-Span ein zu krasses Aurin, womit alles freizuschalten ist. Am Ende irgendwie deren Gegenwart Auslöser von „Erdbeben“, woraufhin sie zurückgehen und nach üblichen 2m 9s trotz gefühlt wesentlich mehr erlebter Zeit aus der Zerozone gelangen.

2. Kapitel 16 Angriff

Das mitreißendste der Kapitel, das den Titel „Angriff“ zurecht trägt, obwohl das Entkommen Rhodans und Co. von vornherein klar war. Im steten Perspektivwechsel zwischen der fliehenden TESS QUMISHA, der verteidigenden RAS TSCHUBAI und der angreifenden PALAGUN, dem Flaggschiff des Phersunen Jashol Zhaushun, geht es Schlag auf Schlag. Im Siuvarsystem immer dichter an und dann sogar teils in der Atmosphäre von Khaiguna fliegt Farye wildeste Manöver mit der TESS QUMISHA und kann dank Rückendeckung durch die auftauchende RAS TSCHUBAI Kurs auf das Portal in die Zerozone nehmen. Die RAS hält erst die PALAGUN auf, um dann der die TESS nachjagenden APPU des Advokaten einen Schuss vor den Bug zu setzen.

Hier wiederum meine größte anzunehmende Frage (GAF): Die RAS TSCHUBAI setzt den
Aagenfelt-Blitz gegen die APPU ein, die größtmöglich durchwirkende Waffe im Arsenal der Terraner. Dass die APPU sich kaum schüttelt und weiterfliegt – geschenkt, ist schließlich ein Raumer aus dem Arsenal einer Superintelligenz oder einer noch höheren Entität. Warum aber wiederum die APPU ihren Hyperparalysator als ultimative Waffe, mit der bereits “Die Stadt im Sturm“ im Sturm vom Himmel geschossen worden ist, weder gegen die attackierende RAS noch gegen entfliehende TESS einsetzt … ? Kollateralschäden damit freilich möglich, aber so zimperlich war Advokat Synn Phertosh bei Lahossd nicht gewesen. Da es für ihn um – natürlich – gerade so genau eine Sekunde zu spät wird, vor dem Bug die TESS ins Portal entkommt und die RAS pflichtgemäß dieses zerschießt, wäre mehr Mut zum Handeln angesagt gewesen.

Die Spannung hier für mich dadurch, dass mir ein Szenario mit stark angeschossen zurückbleibender RAS TSCHUBAI genauso wie mit einfliegenden Advokaten allemal vorstellbar war. Dieser mit der APPU auf der Spur der TESS durch die Zerozone eventuell mit üblen Nebenwirkungen. Und dann im Kielwasser mit übergewechselt in die Anderswelt und bis vor die Tore Terras. Hätte was – kommt aber nicht so. Zerknirschter Advokat bleibt in Ancaisin zurück und lässt von Kommandant Zhaushun Khaiguna und das äußerlich zerstörte Portal bewachen.

3. Statuspassage Zerozone

Vorab, das mir erst im Eigenkommentar zu Nr. 3044 „Das Supramentum“ bewusst geworden ist: Trajekt ist kein expokratisches Kunstwort, sondern bedeutet so viel wie „Überfahrt / Fährschiff“. Eine Überfahrt, die ist lustig – und eine solche brauchen die Cairaner existenziell dringend.

Die Zerozone: „Es ist eine mentale Dimension. Wie der Geist hat die Zerozone keine physikalisch erfassbare Ausdehnung. Ihre Weite ist unergründlich, kann aber von unserem Geist als Realität erfasst und erlebt werden.“ Als sog. „Trajekt-Punkt“ (Überfahrts-/Fährschiffspunkt) ist sie Nullpunkt und zugleich Bindeglied zwischen Normal- und Andersraum mit der Funktion, zumindest einseitig Materie von jenem in diesen durchzuschleusen. Damit ist sie die kosmische Version einer Statuspassage. Das ist ein Begriff aus der biographischen Forschung und meint Passagen, die Menschen durchlaufen und einen bisherigen in einen neuen Status umwandeln. Wenn es klappt, wie der Übergang aus Ausbildung/Studium in einen Beruf. Folgend kein Pro-Seminar, nur meine Assoziation und Hoffnung, welche tiefgreifende Funktion die Zerozone als kosmische Statuspassage hoffentlich erfüllt:

Denn Terra war schon mehrfach verschwunden: Lange im Mahlstrom der Sterne, wo im Medaillon-System zeitweise der Homo sapientior (der weisere Mensch) =die Aphiliker entstanden; oder im Neuroversum, aus dem das Solsystem bei langer Rückreise nach 70 Jahren zurückkehrte. Wirklich nachwirkend waren die Abwesenheiten keinmal und schnell gab es wieder massenhaft Terra-Nostalgiker, die die präastronautische Vergangenheit meist besser kannten als kosmische Zusammenhänge.

Ich „erwarte“, dass es diesmal grundlegend anders wird. Dass nach Jahrhunderten dort im Andersraum nicht nur ein ZAC-Träger wie Adams, sondern die Menschen unhintergehbar ihren Status ändern. Wohin, zu was? Keine Ahnung – zu kosmischen Menschen, zumindest nicht einfach so zurück in Position und Bedeutung wie seit etwa Dreitausend Handlungsjahren als der Brennpunkt in der Milchstraße. Nach langwirkender psychoplastischer Deformation kann Terra das als bloßer Mythos m.E. auch so nicht wieder werden. Das wäre dann aber rigoros und radikal, aber ein menschheitlicher Entwicklungsschritt – tunlichst anders als der von der Kandidatin Phaatom. Für diese bloß ein kleiner Schritt, aber ein großer Sprung für die Menschheit im Zwiebelschalenmodell!

Fazit zu „In der Zerozone“

Finale der ersten Zyklushälfte und Wendepunkt für die weitere Handlung. „Die Autorin musste mit ihrem Roman also einerseits einen Handlungsblock beenden und gleichzeitig auf einen anderen Block neugierig machen; keine einfache Aufgabe, finde ich.“ Finde ich auch und dass das ambitionierte Projekt großteils gelungen ist. Von der Hand ging es Susan Schwartz diesmal „Schwieriger, weil natürlich bei einem »kleinen Abschluss« einiges aufgeräumt werden muss und ich immer wieder Notizen gemacht habe, um niemanden zu vergessen (wie Icho Tolot beispielsweise), und weil es nicht so einfach ist, das Nichts zu beschreiben.“

Meine hochtrabenden Erwartungen, was noch alles „In der Zerozone“ und jenseits von ihr liegt und was es aus den Terranern gemacht haben mag, sind in Beobachtung 3 festgehalten. Dass mir alles rund um die Luruparushe in Padfuur inklusive dem technomentalen Trajekt-Registrator viel zu einfach passierte und punktgenau informationelle Appetithäppchen dabei rumkamen – siehe Beobachtung 1. Für mich wichtig, dass der Rückzug der Luruparushe just in den Trajekt-Punkt und die doch auffallend beiläufig erwähnte MATUY und deren sicherlich kosmoverwobene Langzeitpläne noch nach und nach aufgedeckt werden. Sonst wäre dieses Nichtland-Intermezzo doch arg expogewollt inszeniert. Schuf MATUY die Zerozone oder Zugänge zu ihr? Und verwalten Luruparushe dort für sie (im Auftrag der VECU) oder was treiben sie dort?

SO oder so ist hiermit alles angelegt für neue Schauplätze, sicher auch Völker, aufzulösende Rätsel rund um Terra und Langzeitpläne wohl mehrerer höherer Entitäten – daher fürs Weitere: “Systemausfall und Hüllenbruch!“

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Dominic Schnettler

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Dominic Schnettler

Dominic ist Jahrgang 1985 und unterstützt unser Perry Rhodan Team mit Rezensionen zur aktuellen Perry Rhodan-Erstauflage. Darüber hinaus sucht er die Antwort nach allem, dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest, grokt bisher aber nichts. Liest dafür aber stetig neuentdeckte SF-Klassiker und ist in den unendlichen Weiten ganz zufrieden

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