Wenn man bedenkt, dass Videospielverfilmungen zur Zeit der Dreharbeiten eher Mist als Hits war, ist diese erstaunlich gut.
Eine Ikone wird verfilmt
Lara Croft ist heutzutage eine Videospielikone. Sie ist auf demselben Level anzusiedeln wie ein Mario oder ein Sonic. Wenn man den Namen irgendjemanden sagt, weiß diese Person sofort, wer sie ist. Wobei man je nach Generation dabei unterschiedliche Videospiele im Kopf haben kann: Seien es die originalen sechs, die von Core Design entwickelt wurden, die Trilogie, die zwischen 2006 und 2008 von Crystal Dynamics programmiert wurde, oder die Prequeltrilogie, die in den letzten Jahren herauskam.
Fast genauso alt wie die Videospiele ist die Verfilmungshistorie der Figur. Die allererste Filmadaption hatte heute vor 25 Jahren ihre Deutschlandpremiere, und wird, anlässlich des Jubiläums, in dieser Rezension näher unter die Lupe genommen.
Gesucht: Drehbuchautor
Das Vorhaben, Tomb Raider zu verfilmen, hatte allerdings seine Vorgeschichte. Paramount Pictures holte sich die Filmrechte bereits im Jahr 1998, also zwei Jahre nachdem das allererste Spiel erschien. Man heuerte Lawrence Gordon und Lloyd Levin als Produzenten an und stellte dann den ersten Drehbuchautoren ein.
Es sollten dieser im Laufe der Jahre viele werden. Denn bis der Film schließlich 2001 in die Kinos kam, gab es viele Versuche, ein Drehbuch zu schreiben, das die nötigen Voraussetzungen erfüllte. Dabei wurden teilweise die wildesten Ideen reingeschrieben. In einer Version sollte es sogar Aliens geben, die Lara Croft schwängern würden.
Zwischendurch wurde im April 1999 der Regisseur Stephen Herek (Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit) angeheuert. Was wiederum dazu führte, dass weiter am Skript herumgedoktort wurde. Denn er hatte unter anderem das Gefühl, dass der aktuelle Drehbuchautor Steven E. de Souza (Street Fighter) zu sehr auf der Seite der Produzenten war, weil er mit denen schon oft zusammengearbeitet hatte.
Weshalb das muntere Suchen nach einem geeigneten Drehbuch mitsamt Autor weiterging. Und dann verließ Stephen Herek auch noch das Projekt, weshalb Paramount zusätzlich einen neuen Regisseur finden musste, sollte der Film rechtzeitig in die Kinos kommen. Am Ende fiel die Wahl auf Simon West (Con Air), der zu jenem Zeitpunkt schon seit einem Jahr an einer Verfilmung der 1960er Fernsehserie Auf der Flucht arbeitete. Wie dringend die Sache für Paramount war, konnte man daran erkennen, dass sie bereit waren, ihn von diesem Projekt abzuziehen, damit er die Tomb Raider-Verfilmung endlich realisieren konnte.
Ein umstrittenes Casting
Kaum, dass er diese Stelle erhielt, kümmerte er sich als Erstes ums Skript. Er war mit allen bisherigen Versionen unzufrieden und beschloss, selber das Drehbuch zu schreiben. Wobei er von allen bisherigen Büchern kleinere Elemente übernahm. Und auch an seinem Skript wurde im Laufe der Produktion von diversen Leuten gearbeitet und gefeilt.
Unter anderem auch von Angelina Jolie. Ihr Casting war nicht unumstritten, da sie in jenen Jahren eine noch eher unbekannte Schauspielerin war, obwohl sie 1999 für ihre Rolle in Durchgeknallt einen Oscar als beste Nebendarstellerin erhalten hatte. Ihr Beitrag zum Drehbuch war, dass sie den gesamten Hintergrund zwischen Lara und ihrem Vater hinzufügte. Ebenso wollte sie mehr sexy Szenen haben, wo man sie stellenweise sogar komplett nackt sehen würde. Allerdings hatte Eidos Interactive, die Publisher der Reihe, etwas dagegen. Eine ihrer Bedingungen für die Verfilmung war ja sogar auch, dass es keine Nackt- oder Sexszenen geben würde. Am Ende gab es trotzdem ein paar Szenen, in denen man Angelina Jolie in ihrer ganzen natürlichen Schönheit bewundern konnte. Wobei selbst diese arg zusammengeschnitten wurden, damit der Film in den USA eine PG-13-Freigabe erhielten.
Der Cast hatte neben Angelina Jolie einige Namen, die zur damaligen Zeit bereits berühmt waren oder später berühmt werden sollten. Jon Voigt (Transformers) sollte zu Lara Crofts Vater Lord Richard Croft werden, während Ian Glen (Game of Thrones) den Part von Manfred Powell, dem Anführer der Illuminati, erhalten sollte. Daniel Craig (James Bond) konnte man als Alex West, einen Rivalen von Lara, bewundern. Derweil war Noah Taylor (Game of Thrones) als Laras Tech-Experte Bryce der Comedy Relief, und auch Chris Barrie (Spitting Image) als ihr Butler Hillary sollte für Humor sorgen.

Eine angenehme Überraschung
Zum ersten Mal seit über 5000 Jahren beginnt eine Phase, in der sich die Planeten des Sonnensystems in einer Reihe anordnen. Die Illuminati wollen diese sogenannte Planetenparade ausnutzen, um ein mysteriöses Artefakt, genannt „Das Dreieck“, zusammenzusetzen. Dabei soll ihnen Manfred Powell helfen, der vorgibt, beinahe so weit zu sein. Doch in Wahrheit weiß er noch nicht mal, wo sich die Einzelteile des Gegenstandes befinden.
Ausgerechnet die legendäre Archäologin Lara Croft liefert ihm aus Versehen einen Hinweis. Denn sie entdeckt bei sich im Anwesen eine rätselhafte Uhr, die schon bald von den Illuminati gestohlen wird. Welche Bedeutung dieser Zeitmesser hat, erfährt Lara, als sie einen Brief ihres verstorbenen Vaters erhält, weshalb sie sich daran macht, die Uhr zurückzuholen und die Pläne der Gegenseite zu durchkreuzen.
Ich war überrascht, als ich mir Lara Croft: Tomb Raider ansah. Denn für eine Videospielverfilmung, vor allem für eine aus den damaligen Zeiten, kann der Film durchaus überzeugen. Klar, er hat Schwächen, über die man nicht hinwegsehen kann. Aber diese sind unterm Strich verhältnismäßig zu vernachlässigen.
Ein gutes Casting
Zunächst muss man das Casting von Angelina Jolie loben. Sie hat, um die prominente Oberweite der Videospielvorlage zu erhalten, sogar extra noch BHs getragen, die ihre eigene erweitert haben. Und man merkt in jeder Szene, dass sie Spaß an der Sache hatte. Dass sie es genoss, diese sehr selbstbewusste Frau zum Leben zu erwecken und wilde Stunts durchzuführen.
Denn das ist Lara Croft wirklich: selbstbewusst. Und das aus gutem Grund. Sie hat stets die Kontrolle, weiß, was zu tun ist, und ist dabei auch noch hochintelligent. Es zeigt sich außerdem, dass es von Vorteil ist, dass der Kinofilm auf einen Liebesplot verzichtet. So wird zwar Alex West als ihr Kontrahent und Rivale aufgebaut, dem sie am Ende des Films sogar das Leben rettet, doch hat man hier das Gefühl, dass dies tut, weil sie ihn als „Freund/Feind“ zu schätzen weiß.
Und in der Tat kann Daniel Craig als Alex West überzeugen. Er ist zwar nicht so intelligent wie Lara Croft, aber intelligent genug, um zumindest ansatzweise die Rätsel zu lösen. Und auch, wenn seine Motivation für seine Arbeit für die Illuminati, das Geld ist, geht er nie so weit, bewusst andere Leute zu opfern. Was im Vergleich zu anderen Schurken eine gute Abwechslung ist.
Mehr wäre schön gewesen
Schade ist die Entwicklung von Manfred Powell, dem Charakter von Ian Glen. Die Figur wird stark eingeführt, baut aber im Laufe des Films immer mehr ab. Wird er zu Beginn noch als ein ehrgeiziger und zu allem bereiter Mensch dargestellt, wirkt er am Ende eher wie ein 08/15-Schurke. Jemand, den man nicht ernst nehmen kann und der am Ende nur allzu bereit ist, über Leichen zu gehen.
Und es wäre schön gewesen, wenn die Beziehung zwischen Lara und ihrem Vater noch etwas mehr Raum erhalten hätte. Sie kriegt zwar ausreichend Platz, um nicht unterzugehen, aber es wäre mehr drin gewesen. Mehr als nur gefühlt das Allernötigste.
Das ist aber auch symptomatisch für den Film, der stark anfängt und dann im letzten Akt stark schwächelt. Die Actionszenen sind zwar grandios, allerdings wird dafür der eigentliche Plot vernachlässigt. Gefühlt geht der Geschichte im letzten Drittel die Zeit aus, um beispielsweise einige Figuren mehr auszubauen. Man hätte liebend gerne mehr von Alex West erfahren oder über die Zusammenarbeit zwischen ihm und den Illuminati. Doch das wird ja leider nicht gezeigt.
Der Vorlage gerecht geworden
Aber einerseits muss man eben betonen, dass diese Kritikpunkte zwar durchaus für Punktabzüge sorgen, doch andererseits macht der Film einfach unverschämt gute Laune. Weil er es nämlich schafft, das von der Vorlage rüberzutransportieren, was sie damals so berühmt gemacht hat: nämlich die Abenteuer einer selbstbewussten Frau zu sehen, die sich zu wehren weiß, die nicht auf eine starke männliche Hand angewiesen ist und die absurde, schon fast klischeehafte Abenteuer erlebt. Das gefällt, das ist richtig gut. Und es ist schön, dass der Film dies auch so von der Vorlage übernimmt. Denn das ist nicht selbstverständlich, wenn man beispielsweise an die diversen Uwe-Boll-Videospieladaptionen denkt.
Es ist ein guter Film, der einen einen Abend lang gut unterhält.
Info
Regie: Simon West
Drehbuch: Patrick Massett, John Zinman
Story: Sara B. Cooper, Mike Werb, Michael Colleary
Adaption: Simon West
Produktion: Lawrence Gordon, Lloyd Levin, Colin Wilson
Musik: Graeme Revell
Kamera: Peter Menzies Jr.
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