Star Trek Deep Space Nine
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Review: Star Trek DSN 146 – Valiant

Lesezeit circa: 4 Minuten

Wo hört in Valiant der eigene Verstand auf und wo fängt der blinde Gehorsam an?

Eine unschöne Überraschung

Jake Sisko (Cirroc Lofton) begleitet Nog (Aron Eisenberg) auf einer wichtigen Mission nach Ferenginar. Doch ihr Runabout wird unterwegs von Dominion-Schiffen angegriffen. In letzter Minute werden sie von der Valiant gerettet. Als sie an Bord gebeamt werden, stellen sie allerdings etwas Überraschendes fest: Die gesamte Besetzung besteht aus Kadetten der Red Squad. Sämtliche Senioroffiziere sind bei einem früheren Angriff ums Leben gekommen. Und nun, unter dem Kommando des selbsternannten Kapitäns Watters (Paul Popowich), wollen sie sich an ein völlig wahnsinniges Unterfangen wagen und ein großes Dominion-Schiff erledigen.

Valiant ist eine Folge, nach deren Ende man als Zuschauer erstmal alles sacken lassen muss. Dabei zeigt sich einmal mehr die Fähigkeit von Star Trek im Allgemeinen und Deep Space Nine im Speziellen, sich mit schwierigen Themen zu beschäftigen und sie gut aufbereitet zu präsentieren. In diesem Fall handelt es sich um blinden Gehorsam, um absolute Gehorsamkeit und wohin das führen kann.

Valiant

Zwei Freunde mit gegensätzlichen Meinungen

Dabei war es eine gute Entscheidung seitens der Serienmacher, dass die Protagonisten dieser Episode Jake Sisko und Nog sind. Sie sind beste Freunde, die allerdings komplett unterschiedliche Lebenswege verfolgen. Dementsprechend haben sie auch jeweils gegensätzliche Ansichten, was im Laufe dieser Folge deutlich zu Tage tritt.

Jake Sisko ist ein Freigeist, ein Schriftsteller, der sich damals bewusst gegen die Sternenflotte entschieden und stattdessen eine Karriere als Autor angefangen hat. Als solcher hat er die Angewohnheit, Dinge kritisch zu hinterfragen und sie nicht einfach so hinzunehmen. Was auch im Laufe von Valiant deutlich wird, als er die Pläne von Captain Watters öffentlich hinterfragt.

Bei Nog ist es hingegen komplett anders. Er hat sich damals bewusst für die Sternenflotte entschieden, weg von der gierigen Gesellschaft seiner Spezies. Und wie man es in den Folgen seit damals sehen konnte, blüht er in dieser von strikten Regeln durchsetzten und militärisch aufgebauten Organisation förmlich auf. Für ihn sind die Worte seines kommandierenden Offiziers Gesetz, denen er Folge leisten muss.

Charisma ist alles

Natürlich setzt dieser sich langsam aufbauende Konflikt zwischen den beiden Freunden eine Persönlichkeit voraus, an der sich der Streit entzünden kann. Und Captain Watters, dargestellt von Paul Popowich, ist so eine. Beim ersten Mal mag man nicht glauben, dass dieser anscheinend ein solches Charisma besitzt, dass er nahezu alle, sogar Nog, seinem Willen unterwerfen konnte. Doch im Laufe der Zeit muss man anerkennen, dass er zwar arrogant wirkt, das aber mit einer gehörigen Portion Ausstrahlung kombiniert, der sich keiner entziehen kann.

Hier wurde in Valiant eine ähnliche Persönlichkeit aufgebaut, wie sie im realen Leben auch vorkommt. Das von einer Person, deren Charisma die Leute dazu bringt, sämtliche eigene Meinungen oder Vorsichtsmaßnahmen über Bord zu werfen, und ihr zu folgen. Auch wenn im Prinzip offensichtlich ist, dass das nicht gutgehen kann.

Das wird in dieser Folge spätestens dann offensichtlich, wenn klar wird, dass hinter all der mutigen Attitüde der Mannschaft keine knallharten und kriegserfahrenen Leute stecken. Sondern, wie man unter anderem anhand von Chief Collins sieht, eben noch junge Leute, die im Grunde zu verängstigt sind, um klar zu denken. Was vermutlich mit Ursache dafür ist, dass sie sich unter Captain Watters versammeln, weil er ihnen Führung verspricht, eine klare Linie in einer harten Zeit. Auch wenn das nur Fassade ist, da der Schiffskommandant selbst in einem stillen Moment Nerven beweist und erstmal ein Mittel zur Nervenberuhigung zu sich nehmen muss.

Valiant

Verteidigung über den Tod hinaus

Doch das Erschreckendste an Valiant ist nicht allein die Darstellung des absoluten Gehorsams, sondern eher das Finale der Folge, wo sich zeigt, dass es selbst nach allem, was geschehen ist, immer noch Leute gibt, die Watters verteidigen. Man fragt sich, wie es dazu kommen konnte, dass nach der ganzen vermeidbaren Katastrophe immer noch Personen existieren, die für ihn einstehen. Dabei ist die Antwort auf die Frage im Prinzip eindeutig: Dass sein Charisma sogar nach dem Tod weiter wirkt.

Valiant ist erneut eine erstklassige Folge, die einmal mehr eine erschreckende Fassade des Kriegs zeigt. Unbedingt angucken.

Warpskala

Warpskala
10 10 0 1
10/10
Total Score

Positiv

  • Freundschaft zwischen Jake und Nog wird getestet
  • "Captain" Watters
  • Wenn Mut nur eine Facade ist
Götz Piesbergen

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