Tierisch olle Sternreisende ist die heiß ersehnte Crossover-Episode zwischen Strange New Worlds und Lower Decks.

Erfolg oder Misserfolg?

Im Jahr 2381 soll die USS Cerritos ein Portal untersuchen. Für Brad Boimler (Jack Quaid) ein Highlight, derweil seine Freundin und Kollegin Becket Mariner (Tawny Newsome) das Ganze eher langweilig findet. Bis sich das Portal aktiviert und Boiler durch die Zeit ins Jahr 2261 verschlagen wird, zur Zeit der originalen Enterprise unter dem Kommando von Captain Christopher Pike (Anson Mount). Zu dessen Füßen er landet.

Für den Ensign aus der Zukunft ist dies natürlich ein Highlight. Und während er zwischen Euphorie und dem vergeblichen Versuch, nicht zu viel verraten, schwankt, wird nach einer Möglichkeit gesucht, ihn wieder in seine Epoche zurückzubringen. Ehe er zu großen Schaden an dem Verlauf der Zeit anrichtet. Nur zu dumm, dass Orioner das Portal und damit die Möglichkeit stehlen, ihn wieder zurückzuschicken.

Das ist sie also. Die heiß ersehnte, lange herbei gewünschte und doch skeptisch erwartete Crossover-Episode zwischen Strange New Worlds und Lower Decks. Wie würde sich Tierisch olle Sternreisende schlagen? Wie würde sich der Klamauk-Humor der Trickserie mit dem teilweise doch eher ernsten Ton der TOS-Prequelserie vertragen? Würden die Gags zünden? Oder wäre es ein kompletter Reinfall, der am Ende das gesamte aktuelle Star Trek beschädigen würde?

Ein voller Erfolg

Man sieht, die Vorerwartungen und Ängste hätten im Vorfeld nicht größer sein können. Doch nach ungefähr 45 Minuten konnte ich mich zurücklehnen und sagen: Ja, diese Episode ist ein voller Erfolg! Und ich bin ehrlicherweise Paramount+ dankbar, dass sie anlässlich der San Diego Comiccon diese Folge außerhalb des regulären Sendetermins herausbringen. Weil sie dadurch umso mehr hervorsticht und bedeutsamer wirkt.

Die Macher dieser Episode müssen auch gewusst haben, was alles von Tierisch olle Sternreisende abhängt, weil sie für die Regie niemand geringeres als Jonathan Frakes angeheuert haben. Und es gibt in der gesamten Star Trek-Historie niemanden, der mehr Star Trek gedreht hat, als ihn, was ihn zu einem absoluten Veteranen macht. Was man der Folge auch im positiven Sinne anmerkt.

Die gesamte Episode lebt davon, dass die Charaktere sich wie bekannt verhalten. Dass ein Brad Boiler sich wie ein Riesennerd verhält, der gleichzeitig gefühlt kein Fettnäpfchen auslässt. Oder dass eine Becket Mariner ihm den Hintern rettet und natürlich weiß, welche Regeln dazu dienen, dass man mal fünfe gerade sein lassen kann. Sehr schön ist dabei, dass die Figuren in den SNW-Passagen von ihren Lower Decks-Sprechern dargestellt werden. Und beide, Jack Quaid und Tawny Newsome, machen einen verdammt guten Job.

Eine Hommage an Star Trek

Tierisch olle Sternreisende lebt also von diesem Clash of Cultures, Clash of Persönlichkeiten, garniert mit viel Humor aber auch ernsten Momenten. Davon, dass Brad Boimler sein Wissen über die Zukunft kaum zurückhalten kann und er einen halben Herzanfall kriegt, als er am Ende der Episode von Spock mit dem typischen „Lebe lang und glücklich“ verabschiedet wird. Und im Kontrast dazu ein Captain Christopher Pike, der die Zeitreisenden mit halbem Amüsement und halbem Entsetzen begrüßt.

Da dies allerdings ebenso eine Strange New Worlds-Folge ist, werden dabei auch einige Subplots der Reihe weitergeführt. Wie beispielsweise eine Uhura, die einfach nicht abschalten kann, sondern ständig über einer Übersetzung brütet, und erst von Becket Mariner dazu gebracht werden muss, sich zu entspannen. Was dann am Ende doch nicht so recht funktioniert, weil die Kommunikationsoffizierin in diesem Moment eine wichtige Entdeckung macht.

Tierisch olle Sternreisende ist eine Hommage an Star Trek, damals wie heute. Es gibt, wie man es von Lower Decks her kennt, jede Menge Easter Eggs und Anspielungen. Aber ebenso Verbeugungen vor der NX-Enterprise und ihrer Besatzung. Dabei zeigt sich, dass auch die Crew der SNW-Enterprise Nerds sein können, die in diesem Fall über jenes uralte Schiff und deren legendären Mannschaft schwärmen.

Ein MacGuffin, das seinen Zweck erfüllt

Der Plot dieser Folge mit dem Portal, durch das Boiler und Mariner geraten und das dann von den Orionern gestohlen wird, ist dabei nicht sonderlich weltbewegend geraten. Es ist ein typisches MacGufinn, damit diese so unterschiedlichen Persönlichkeiten aufeinander treffen und lange miteinander agieren können. Und das ist nicht verkehrt, weil ein Versuch, hier mehr draus zu machen, dem Erfolg dieser Episode nicht gut getan hätte.

Tierisch olle Sternreisende respektiert sowohl Lower Decks wie auch Strange New Worlds. Es wird beiden Serien gerecht, es trifft den Tonfall beider Reihen und vermischt ihn perfekt, was man schon im Intro sehen kann, das im Lower Decks-Stil gehalten worden ist. Jede Figur ist genau die, die man aus den jeweiligen Streamingserien kennt, und zu sehen, wie sie miteinander interagieren, trägt zum Charme dieser großartigen Folge bei! Mit dieser ist den Machern des modernen Star Trek ein Meisterwerk gelungen, das jeder Trekkie sehen muss, sehen soll!

Wer sich übrigens über den Titel der Folge wundert: Im Original heißt die Episode Those Old Scientists. Da der Gag aus den Anfangsbuchstaben des Episodennamens entsteht, musste man sich hierzulande was einfallen lassen. Die Lösung mag vielleicht nicht ganz so rund wirken, aber sie funktioniert, der Gag bleibt erhalten. Und das ist die Hauptsache.

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Götz Piesbergen

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