The Punisher

Review: The Punisher (2004)

Lesezeit circa: 12 Minuten

Mit The Punisher wird einer der kontroversesten Helden des Marvel-Verlags verfilmt.

Eine kontroverse Figur

Die bisherigen Marvel-Verfilmungen haben Figuren präsentiert, die über außergewöhnliche Kräfte verfügten und sich mit Gegnern herumschlagen mussten, die häufig ebenso nicht normal waren. Selbst sogenannte „Street Level Heroes“, wie Daredevil, hatten außerordentliche Sinne, die ihnen im Kampf gegen das Böse halfen. Doch es gibt auch noch andere Charaktere, die komplett menschlich sind und nicht über die tiefen Taschen eines Tony Stark verfügen.

Der Punisher ist so ein Charakter. Und gleichzeitig ist er auch eine der kontroversesten Figuren, die der Verlag präsentiert. Der wahre Name des Charakters ist Frank Castle, ein Kriegsveteran, der miterleben muss, wie seine ganze Familie von der Mafia ermordet wird. Er ist der einzige Überlebende, der einen Ein-Mann-Krieg gegen das organisierte Verbrechen führt, weil er das Vertrauen in die Justiz verloren hat. Er ist Ankläger, Richter und Henker in einer Person, dessen Symbol, ein langgezogener Totenkopfschädel auf der Brustseite seines Kostüms, im Laufe der Zeit in der Realität leider von extremen Rechten missbraucht worden ist.

Der Charakter war seiner Zeit voraus gewesen. Erschaffen in den 1970er Jahren von dem Autor Gerry Conway und den Künstlern John Romita Sr. und Ross Andru, war er ein Anti-Held, ein Vigilant, der im Laufe der Zeit auch psychische Probleme hatte. Und trotz – oder gerade weil – er kein typischer Superheld war, war und ist der Punisher eine der beliebtesten Figuren von Marvel. Wobei er natürlich im Laufe der Zeit einige Ups and Downs hatte, wie beispielsweise, dass er mal ein untoter Krieger für die Engel war oder eine Art Frankensteins Monster.

The Punisher

Ein Film zum Ignorieren

Doch dafür, dass er der „bodenständigste“ aller Marvel-Heroen war, wurde er erstaunlich wenig verfilmt. Was vermutlich daran lag, dass er eben kein typischer Held war, sondern von seiner Art eher an berühmten Selbstjustiz-Charaktere erinnerte, wie sie von Charles Bronson oder Clint Eastwood geschauspielert wurden. Es gab zwar 1989 eine Verfilmung mit Dolph Lundgren in der Hauptrolle, doch diese hatte mit den Comics so gut wie gar nichts gemein.

Bis dann am Ende Marvel selbst die Sache in die Hand nahm. 1997 fingen die Planungen an und im Jahr 2000 ging der Verlag mit dem Filmstudio Artisan Entertainment einen Vertrag ein, das eben jenes 15 Charaktere aus den Comics in Filme oder TV-Serien umwandeln würde. Für den Verlag war dies der erste Film, bei dem er die gleichen Rechte hatte.

Um die Verfilmung sollte sich Jonathan Hensleigh kümmern, der zuvor das Drehbuch für Filme wie beispielsweise Jumanji oder Nur noch 60 Sekunden schrieb. Auch für The Punisher sollte er das Skript verfassen und zum ersten Mal in seiner Karriere ebenfalls auf dem Regiestuhl Platz nehmen. Story und Plot basierten auf den Comics The Punisher: Year One und Welcome Back, Frank. Wobei Hensleigh einiges von dem Quellmaterial aus der Filmstory entfernen musste, da dieser ansonsten vier Stunden gedauert hätte.

The Punisher

Wenn das Geld nicht reicht

Als Punisher wurde Thomas Jane gecastet. Laut Jonathan Hensleigh und Produzent Avi Arad gab es nie jemand anderen, der für diese Rolle in Frage gekommen wäre. Zur Vorbereitung las er so viele Comics, wie er konnte, und wurde dabei ein Fan der Figur. Außerdem trainierte für sechs bis sieben Monate mit den United States Navy SEALs und legte jede Menge Muskeln zu.

Die Rolle des Antagonisten Howard Saint übernahm niemand geringeres als John Travolta, derweil Will Patton dessen rechte Hand Quentin Glass wurde. Rebecca Romijn, bekannt aus den X-Men-Filmen, wurde zur Nachbarin Frank Castles, Joan. Ben Foster und John Pinette stellten die anderen beiden Hausgenossen dar, Spacker Dave und Nathaniel Bumpo. Samantha Mathis übernahm die Rolle von Howard Saints Ehefrau Maria Castle. Bei den anderen Darstellern sind noch Kevin Nash als der schwer zu tötende Russe und Roy Scheider als Frank Castle Sr. zu nennen.

Die Verfilmung stand unter keinem guten Stern. Denn noch ehe Johnathan Hensleigh loslegen konnte, erhielt er deutlich weniger Budget, als er eigentlich benötigte. Statt den gewünschten 64 Millionen Dollar, wie sie für Action-Filme Standard waren, wurden es nur 33 Millionen, von denen 15,5 Millionen für die Dreharbeiten und die Nachproduktion bestimmt waren. Auch die Drehdauer wurde eingeschränkt, nur 52 Drehtage, was ungefähr der Hälfte des Actionfilmstandards entsprach. Dementsprechend musste Hensleigh einen Großteil seines ursprünglichen Drehbuchs entfernen. Und dann wurde auch noch Artisan Entertainment während der Produktion von Lionsgate aufgekauft. Die vertrieben zwar den Film, hatten ansonsten allerdings nichts mit der Verfilmung zu tun.

The Punisher

Auge um Auge, Zahn um Zahn – die Story

Frank Castle  ist ein erfolgreicher Undercover-FBI-Agent. Bei seinem letzten Einsatz schafft er es, eine Drogenschmuggeloperation des Mafia Bosses Howard Saint zu durchkreuzen. Doch die Operation endet mit dem Tod dessen Sohnes Bobby Saint.

Wütend über diesen Verlust beschließt Howard herauszufinden, wer für dieses Vergehen verantwortlich ist. Nach einer Weile kriegt er Frank Castles Namen. Und gemäß dem Wunsch seiner Frau Maria (Samantha Mathis) befiehlt er, aus Rache die gesamte Familie von Frank auszulöschen.

Was seine Handlanger dann auch tun. Vor den Augen des ehemaligen Agenten werden am Ende schließlich noch seine Frau und sein Sohn getötet. Er selbst überlebt diese Auslöschung schwer verletzt und schwört Rache an der Familie Saint. Und da die Polizei und Behörden auf Grund des Einflusses der Mafia nichts unternehmen können, beschließt er, die Sache selber in die Hand zu nehmen. Er zieht in ein abgelegenes Haus ein, wo die scheue Joan (Rebecca Romijn), der überall gepiercte Spacker Dave (Ben Foster) und der fettleibige Nathaniel Bumpo (John Pinette) leben. Und beginnt von dort aus seinen Rachefeldzug.

Starker Beginn …

Zugegeben: Die Punisher-Verfilmung hat nichts, so überhaupt nichts von dem, was normalerweise auf warp-core.de präsentiert wird. Der einzige Grund, wieso diese Rezension gerechtfertigt ist, ist die Vorlage in Form von Superheldencomics des Marvel-Verlags. Auch wenn Frank Castle nicht als ein solcher Held dargestellt wird.

Und der Film fängt stark an. Jonathan Hensleigh gibt Frank Castle einen etwas anderen Ursprung. Bei ihm ist er eben nicht nur Kriegs-Veteran, sondern ebenso ein ehemaliger FBI-Undercover-Agent, der nach einer letzten erfolgreichen Operation den Dienst verlässt. Auch die Tatsache, dass dieses Mal eben nicht nur die enge Familie umgebracht wird, sondern gleich der gesamte Familienclan, ist eine interessante und gute Entscheidung gewesen. Denn so wirkt die Tat von Saint noch grausamer.

Auch wenn man das Gefühl hat, dass dieses Familientreffen nur den Sinn hat, damit Roy Scheider auftreten und mit Thomas Jane ein wenig interagieren kann. Er ist es übrigens, der dem künftigen Punisher sein Arsenal zeigt, ehe er sich dann heldenhaft opfern darf, damit sein Sohn weiterleben kann.

The Punisher

… schwacher Rest

Auch der Ursprung des Totenkopfsymbols, des markanten Symbols von Frank Castle, wird geklärt. Sein Sohn hat ihm das entsprechende Shirt geschenkt. Interessanterweise orientiert sich der Film dabei vom Kostümdesign her mehr an der Darstellung des Künstlers Tim Bradstreet und nicht an dem Kostüm, wie man es in den Heften selbst vorfand. Wodurch der Kinofilm realistischer wirkt.

Doch sobald die böse Tat vollbracht worden ist, die Familie Castle tot ist und Frank Castle Rache schwört, baut The Punisher ab. Man hat das Gefühl, dass hier einige Plots auf der Strecke bleiben, beziehungsweise der Film allgemein hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Das mag daran liegen, dass ein Großteil der Action überwiegend in dem Domizil stattfindet, in dem Frank Castle sich aufhält.

Wobei: „Action“? So actionlastig ist der Film nicht. Es gibt zwei groß angelegte Actionszenen am Anfang und am Ende. Und ansonsten sind es eher kleinere, persönlichere Actionmomente, in die nicht zu viele Personen involviert sind. Es wirkt alles wie mit angezogener Handbremse inszeniert, was vermutlich dem stark reduzierten Budget geschuldet ist. Wobei daraus trotzdem das Beste gemacht wurde. Was allerdings eben unterm Strich nicht ausreicht, da der Film an mehreren Stellen zu wünschen übrig lässt und viel Potential unterwegs liegen lässt.

Bitte alle schön aufreihen für den Tod

Das fängt schon mit der Rückkehr von Frank Castle an. Als einer seiner ersten Taten konfrontiert er vor der Presse seine ehemaligen Kollegen damit, dass sie nichts getan haben und auch nicht weiter gegen Howard Saint vorgegangen sind. Diese Anschuldigung schwebt im Raum und wird dann nicht weiter aufgegriffen. Denn nach dieser Szene spielen Polizei und andere Regierungsbehörden keine Rolle mehr. Wodurch sie haltlos wirken, weil es eben an kleinen Momenten fehlt, wo explizit gezeigt wird, wie weit der Einfluss von Howard Saint wirklich reicht.

Überhaupt, Howard Saint. Die ersten Szenen, in denen man den Mafiaboss sieht, sind grandios. John Travolta dominiert richtig diese Momente. Doch nachdem er seine Rache erhalten hat, baut die Figur ab und wirkt merkwürdig zahnlos. Zwar sieht man, wie er immer mehr durchdreht, durch die Intrigen Frank Castles bedingt. Allerdings bleibt er zu passiv und lässt zu, wie der Punisher nach und nach seine Killer ausschaltet, die er ihm auf den Hals hetzt. Erst zum Finale des Films erlebt man, wie er versucht, die Kontrolle über das Geschehen zu übernehmen, indem er lauter Killer versammelt und ein Kopfgeld auf seinen Gegenspieler aussetzt. Was allerdings viel zu spät ist. Was dem Film lange Zeit fehlt, ist die direkte Konfrontation zwischen den beiden. Die meiste Zeit interagieren sie nur über Mittelsmänner miteinander. Und bei ihrer ersten direkten und leider auch finalen Begegnung ist Howard Saint nur noch ein gebrochener Mann, der versucht vor Frank Castle zu fliehen.

Übrigens ist die Szene, wo die Kopfgeldjäger alle versammelt sind, der Auftakt zum finalen Kampf. Und gleichzeitig ebenfalls problembehaftet. Denn all diese Killer bleiben an einem Fleck, wo sie sich brav von Frank Castle nach und nach ausschalten lassen. Wäre es nicht intelligenter gewesen, sie wären sofort aufgebrochen und hätten sich auf die Jagd gemacht? Aber das hätte nicht zu der bisherigen Vorgehensweise der Figuren gepasst, bei denen man fast immer das Gefühl hat, sie hätten ihren IQ irgendwo vor Erstauftritt abgegeben.

Die einen mag man, die anderen kennt man nicht

Selbst der Titelcharakter bleibt davon nicht verschont, obwohl Thomas Jane ihn durchaus intelligent und klug darstellt. Aber als ein Killer ihn bei seinem Versteck aufsucht und er ihn kurze Zeit später erledigt hat, tut er nicht das Nahelegende und verlagert nicht seinen Stützpunkt, um die Bewohner zu beschützen. Stattdessen bleibt er vor Ort und hat bald darauf die nächste Konfrontation mit dem Russen, der ihn kräftig durch die Mangel dreht, ehe es Frank Castle am Ende gelingt, ihn zu töten.

Aber vermutlich verlangte es das Skript, dass der Punisher vor Ort blieb. Denn ein Teil des Films wird den Hausbewohnern gewidmet, die sich im Laufe der Handlung mehr oder weniger entwickeln können. Rebecca Romijn kann als Joan überzeugen. Hier wird angedeutet, dass sie sich wohl in den ehemaligen Agent verliebt hat, spätestens nachdem er sie vor ihrem toxischen Ex gerettet hat. Spacker Dave leidet den ganzen Film unter einem mangelnden Selbstbewusstsein, bis er dieses dann erlangt, als er der Folter durch Männer Howard Saints widersteht. Und Bumbo ist der fröhliche Mann, der dieses Trio zusammenhält und sich um seine Nachbarn liebevoll kümmert. Man merkt zwar eine gewisse Priorität, was die Fortentwicklungen angeht. Doch am Ende sind alle drei dem Zuschauer ans Herz gewachsen, was ein gutes Zeichen ist.

Doch wo diese Nachbarn glänzen können, sieht es mit der Familie von Howard Saint im Vergleich eher schlecht aus. Maria Castle darf zu Beginn noch Rachsucht zeigen und ist danach nur noch das hübsche, vergnügungssüchtige Anhängsel, das dem Racheplan Frank Castles am Ende zum Opfer fällt. Und der andere Sohn Howards, John Saint, bleibt die ganze Zeit über passiv und blass. Seine einzige Funktion ist es, Handlanger seines Vaters zu sein.

Klischee, ick hör dir trapsen

Und am Ende wird The Punisher richtig klischeehaft. Einerseits ist nach der finalen Konfrontation zwischen Frank Castle und Howard Saint das Symbol des Vigilanten in Flammen zu sehen. Andererseits ist die finale Einstellung eine Szene, wo er auf einer Brücke steht, monologisiert und sagt, dass er die Stadt beschützen wird, denn er sei der Punisher. Und genau diese Art von Monolog ist schon fast ein Klischee, weil so etwas so oft benutzt wird.

Wenn man die Vorlage kennt, beispielsweise Garth Ennis und Steve Dillons Welcome back, Frank, merkt man, dass der Film sich zwar einerseits nahe an dem Quellenmaterial bewegt, aber interessanterweise nur bestimmte Ereignisse übernimmt und nicht die entsprechende Atmosphäre. So fehlt eindeutig der bizarre und teilweise schon fast schwarze Humor des eben erwähnten Comics. Zwar besitzen längst nicht alle Stories diesen, The Punisher: Year One ist beispielsweise deutlich ernster. Aber es fällt trotzdem auf, wenn man die Vorlage kennt.

Was am Ende bleibt, ist eine enttäuschende Comicverfilmung.

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Götz Piesbergen

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