Review: The Witcher 07 – Vor dem Fall

Lesezeit circa: 6 Minuten

Vor dem Fall ist die Einleitung in das Staffelfinale von The Witcher.

Letzte Vorbereitungen

Geralt von Riva (Henry Cavill) ist nach all den Jahren zurück im Königreich von Cintra. Er will das Überraschungskind einfordern, vor allem deshalb, weil das Reich von Niflgaard sich langsam aber sicher den Reichsgrenzen nähert und sichtlich überlegen ist. Doch Königin Calanthe (Jodhi May) will davon nichts wissen. Sie lehnt sein Anrecht ab, will ihm gar ein falsches Kind unterjubeln und lässt ihn am Ende einfach einsperren.

Yennefer (Anya Chalotra) besucht Istredd (Royce Pierreson), der für die Niflgaarder arbeitet und so beispiellose archäologische Entdeckungen machen kann. Beide diskutieren über ihre frühere Beziehung, wobei er ihr klarmacht, dass sie sich gegen ihn und für die Macht entschieden hat. Als er weggeht, spricht sie der Zauberer Vilgefortz (Mahesh Jadu) an, der sie bittet, zurück nach Aretuza, dem Ort, wo sie zur Magierin geworden ist, zu kommen. Denn es stehen große Entscheidungen an, die über das Schicksal des Kontinents bestimmen können.

Es geht dem Ende zu. Vor dem Fall ist die vorletzte Folge der ersten Season von The Witcher. Und wie es in solchen Fällen üblich ist, wird dies genutzt, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Was hier heißt, dass die Handlungsstränge von Geralt und Yennefer langsam aber sicher zeitlich gesehen endlich an den Plot von Ciri anschließen.

Dickköpfe unter sich

Bei Geralt wirkt sich dies insofern aus, als dass man in dieser Folge erfährt, dass er während der Ereignisse der ersten Episode Des Endes Anfang zugegen war. Es liegt dabei eine gewisse Tragik in den Geschehnissen. Denn im Prinzip hätte vieles, was Ciri widerfahren ist, vermieden werden können, wenn sich ihre Großmutter Calanthe nicht so sturköpfig gezeigt hätte. Wenn sie nicht versucht hätte, ihre Enkelin mit aller Macht und allen Mitteln von Geralt fernzuhalten. Aber am Ende musste es so kommen. Eben weil sie und auch der Hexer dickköpfig wie sonst was sein können, nicht willens, irgendeine Form von Kompromiss einzugehen.

Das Schöne an Vor dem Fall ist auch, dass diese Folge die Frage beantwortet, wieso der Hexer ausgerechnet jetzt sich auf das Recht des Überraschungskindes besinnt. Schließlich hat er in all der Zeit alles Mögliche getan, um davon nicht Gebrauch zu machen. Vordergründig begründet er es mit der Tatsache, dass die Niflgaarder immer näher rücken. Das wird in einer eindrucksvollen Sequenz untermauert, als man mit ihm sieht, mit was für Heerscharen diese Macht durch die Gegend zieht. Doch hintergründig ist der Auslöser etwas anderes.

Der ergibt sich nämlich aus den Ereignissen der letzten beiden Folgen Seltene Arten und Aufgestaute Begehren. Denn er hatte ja mit Yennefer die Liebe seines Lebens gefunden und dann auch wieder verloren. Das dürfte in ihm eine Sinnsuche ausgelöst haben, aus der die Erkenntnis resultiert hat, dass er sich auf das Überraschungskind besinnen muss, um so etwas wie Verantwortung zu lernen und zu lehren.

Merkwürdige und befremdliche Szenen

Auch bei Yennefer sieht man in Vor dem Fall, dass die Geschehnisse der letzten Zeit etwas in ihr ausgelöst haben. Anders lässt es sich nicht erklären, dass sie Istredd aufsucht, der ja damals in Verrätermond ihr großes Geheimnis verraten hat und der Auslöser dafür war, dass sie die Wandlung zur Zauberin durchgezogen hat. Die Vertrautheit, mit der sie sprechen, wirkt deshalb befremdlich, ebenso auch das Bekenntnis des Zauberers, dass er all die Jahre auf sie gewartet hat, weil er sie liebt.

Doch der Zweck dieser Szenen ist sowieso nur, einen Grund zu liefern, damit Yennefer von sich aus zurück nach Aretuza kommt. Dem Ort, wo sie einst zur Magierin wurde und an den sie keine guten Erinnerungen hat. Dementsprechend führt sie sich auch auf, als sie dort angekommen ist, als sie drei Schülerinnen, die sie beim Schäkern erwischt, die ungeschminkte Meinung und Wahrheit über den Ort sagt.

Wie jedoch beim ersten Teil ihrer Handlung in Vor dem Fall so wirken auch diese Szenen merkwürdig und befremdlich. Sogar noch mehr, als es bei Istredd der Fall war. Es ist klar, dass Yennefer nicht gut auf ihre Ausbildung zu sprechen ist. Das wird sehr deutlich gemacht, indem während ihres Vortrags wiederholt Momente aus den ersten vier Folgen eingeblendet werden. Aber von der Tonart her beißt es sich einfach komplett mit den anderen Szenen ihrer Handlung.

Ach ja, sie ist ja auch noch vorhanden

Der eigentliche Sinn und Zweck ihres Handlungsstrangs wird erst danach klar. Als sie und die anderen Magier in einer Konklave zusammenkommen, um zu entscheiden, ob sie dem Königreich Cintra zur Hilfe eilen oder nicht. Womit übrigens auch klar wird, dass ihre Szenen parallel zu denen von Geralt spielen.

Die Entscheidung der Konklave sagt sehr viel darüber aus, wie viel Bedeutung sie dem Reich zumessen. Dass damit nicht alle einverstanden sind, wird ebenfalls klar und bereitet den Boden für Geschehnisse vor, die dann vermutlich in der kommenden Episode stattfinden werden. Und die, so viel kann man jetzt schon vermuten, an Dramatik nicht zu überbieten sein werden.

Natürlich ist ja auch noch Ciri (Freya Allan) da. Ihr Plot wird in Vor dem Fall ebenfalls weiterentwickelt. Allerdings handelt es sich dabei um den schwächsten aller drei Handlungsstränge, da hier im Grunde genommen kaum was geschieht. Sie ist weiterhin auf der Flucht, hat keine Vertrauten und ist gegenüber solchen Leuten, die ihr nichts Gutes wollen, hilflos ausgeliefert.

Potential für kommende Ereignisse

Allerdings geschieht am Ende etwas, was viel Potential für die kommenden Folgen bietet. Hier wird wieder dieses besondere Erbe, welches die Prinzessin von Cintra besitzt, eingesetzt, mit enormer Effektivität. Es sorgt für Spannung und Vorfreude auf die letzte Folge der ersten The Witcher-Staffel.

Die Handlung von Vor dem Fall basiert übrigens auf der Etwas mehr-Kurzgeschichte von Das Schwert der Vorsehung. Jedoch werden nur geringe Elemente aus der Vorlage verwendet, die sich insgesamt deutlich anders liest als die Serienadaption.

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Götz Piesbergen
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