Diese Episode hätte locker eine weitere Parodiefolge werden können. Doch stattdessen ist sie überraschend ernst.
Neue Episode, neue Welt, neue Geschichtsart
Die Enterprise soll verhindern, dass eine kaputte Raumsonde in klingonisches Gebiet eindringt. Da das Schiff zu groß und zu auffällig ist, kümmert sich ein Shuttle mit Uhura (Celia Rose Gooding), M’Benga (Babs Olusanmokun) und Una (Rebecca Romijn) um die Angelegenheit. Erschwert wird die Situation dadurch, dass auf Grund der Strahlung der Sonne des Systems alles Schwarz/Weiß aussieht. Doch die Shuttlecrew ist erfolgreich. Nur um dann vor einem klingonischen Schiff in die Atmosphäre eines nahe gelegenen Planeten fliehen zu müssen. Wo sie allerdings eine Elektromagentische Barriere durchqueren und deshalb eine Bruchlandung bauen. Und feststellen, dass die Welt mitsamt ihren Bewohnern unter der Knute der Klingonen steht.
Unterdessen untersuchen La’an (Christina Chong) und Spock (Ethan Peck) die Raumsonde. Wo die Sicherheitschefin entdeckt, dass diese vermutlich manipuliert worden ist. Sie versucht herauszufinden, was wirklich geschehen ist und steigert sich immer mehr und mehr rein.
Es scheint so, als ob die vierte Staffel von Star Trek – Strange New Worlds das Motto, jede Woche eine neue stark unterschiedliche Welt und somit auch Geschichte, sich besonders zu Herzen nimmt. Der Auftakt Valles Marineris war eine klassische Zeitreisegeschichte, Der Griffin-Vorfall, Horror, derweil Menschlicher bester Freund reinster und bester Klamauk war. Womit sich natürlich die Frage stellt, wie jetzt die vierte ausfallen wird?
Parallelen zu Casablanca
Von Anfang wird klar, dass Ein Fall von Chiaroscuro schon allein optisch eine außergewöhnliche Folge werden wird. Einfach, weil sie nahezu komplett in Schwarz/Weiß gehalten ist. Es wird sogar eine In-Universe-Erklärung für diese außergewöhnliche Optik gegeben. Das muss man dann ebenfalls akzeptieren, ebenso wie, dass das Shuttle auf einer Welt landet, die zufälligerweise optisch an die 1940er Jahre erinnert.
Aber ganz ehrlich, das ist einem schon nach kurzer Zeit vollkommen egal. Denn dieser Plot unterhält. Es werden bewusst Parallelen zu dem großen Kinoklassiker Casablanca aufgebaut. Da wie dort geht es um eine Bar, in einer Umgebung, in der feindliche Mächte alles besetzt haben. Es gibt Verschwörungen, Folter und überall Misstrauen. Aber ebenso, um den Widerstand gegen die Besatzungsmacht, offensichtlich und weniger offensichtlich.
Ganz klar, diese Folge ist eine Hommage an einen Film Noir. Aber eine absolut gelungene. Es hätte hier sehr viel schieflaufen können. Die Episode hätte das Genre auch locker durch den Kakao ziehen können. Doch geschieht dies zum Glück nicht.
Ein fantastisches Trio
Stattdessen hat man ein fantastisches Trio, dass diese Handlung trägt. Man sieht eine Commander Una, die zufälligerweise der Anführerin des örtlichen Widerstands ähnlich sieht und die gesamte Episode trägt. Man hat einen Doktor M’Benga, der mit seiner umfangreichen Lebenserfahrung lauter gute Ratschläge gibt. Bei denen man sich fragt, was er bitte schön noch alles gemacht hat? Und man hat eine noch nervöse Ensign Uhura, für die dies das erste Mal ist, dass sie undercover in feindlichem Gebiet unterwegs ist.
Vor allem Rebecca Romijin brilliert hier. Zu sehen, wie sie nie komplett die Fassung verliert, wie sie kühl und überlegt handelt, das ist einfach nur grandios. So eine Handlung hat ihre Figur gebraucht! Weil sie so mit zeigen kann, was in ihr steckt.
Doch auch die Gegenseite erhält Profil. Diese wird von Korr angeführt, ein Name, der Star Trek-Fans bekannt vorkommen dürfte. Sein ursprünglicher Schauspieler war einer der wenigen Klingonendarsteller, der seine Rolle sowohl in TOS wie ebenfalls DS9 darstellen konnte. Hier ist er der Feind. Der sich charmant, aber ebenso gefährlich präsentiert. Der meint, alles kontrollieren zu können. Nur um Ende vom Gegenteil überrascht zu werden.
Ein miserabler Nebenplot
Eigentlich eine großartige Folge. Wenn da nicht der Nebenplot wäre. Das fängt schon damit an, dass hier wieder Bezug auf La’ans aktuelle Paranoia genommen wird. Und es endet damit, dass ihr Verfolgungswahn gewissermaßen bestätigt wird. Das Problem ist, dass diese Handlung nur funktioniert, weil sich alle anderen ihr gegenüber verkehrt aufführen. Sie führen sie bewusst hinters Licht und machen dadurch alles nur noch schlimmer.
Dennoch eine gute Folge.
Ach ja: Chiaroscuro bezeichnet ein Gestaltungsmittel der Grafik und der Malerei, die auf Hell-Dunkel-Kontraste setzt. Passend zur Episode.
Info
Regie: Meera Menon
Drehbuch: Skylar Ojeda & Dana Horgan
Showrunner: Akiva Goldsman, Henry Alonso Myers
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