Ein Mandalorianer und sein Ziehkind säubern die Galaxis von den Überresten des Imperiums.
Ich war skeptisch, ob Star Wars ohne Jedi, Sith, Lichtschwerter und dem ganzen drumherum funktionieren kann. Rogue One und Solo – also die beiden A Star Wars Story Filme – hatten es zwar vorgemacht, aber diese haben auch eine starke Verbindung zur bestehenden Geschichte. Auch der damals geplante Boba Fett-Film hätte eine solche Verbindung gehabt, bei der Serie The Mandalorian war aber zu Beginn nur bekannt, dass es eben um einen Mandalorianer und Kopfgeldjäger geht. Und das war es ja auch zu Beginn. Wir hatten zwar mit dem Kind einen Bezug zur Macht, aber der kleine Racker konnte nicht viel ausrichten. Gaststars kamen vorbei, aber meistens waren es neue Charaktere. „Mando“ und die beiden Spin-Offs entwickelten aber ihren eigenen Teil im Star Wars Universum und kamen gut an. Bis auf Ahsoka auch ohne Jedi. Das lag auch an Auftritten von Bo-Katan oder Cad Bane. Aber kann ein Film dazu überzeugen?
Handlung
Din Djarin ist Auftragnehmer der Galaktischen Republik und macht Jagd auf die Hinterbliebenen des Imperiums. Nach einer erfolgreichen Jagd bekommt er von Colonel Ward (Sigourney Weaver) einen neuen Auftrag – er soll den mysteriösen Kriegsherren Coyn finden, von dem niemand weiß, wie er aussieht. Dazu braucht die Republik die Hilfe der Zwillinge – die Geschwister von Jabba dem Hutten. Diese geben die Information aber nur preis, wenn der Mandalorianer ihnen Rotta bringt, den Sohn von Jabba. Dieser kämpft in einer Arena für Lord Janu, dem Kopf eines Verbrechersyndikats. Er will nicht befreit werden, auch nicht, als Mando ihm die Information gibt, dass Janu seinen Tod plant…
Rezension
Das Fandom ist sich auch bei diesem Film wieder einmal uneins. Die einen lieben ihn, gerade weil er so dicht an der Serie ist, die anderen halten das für zu wenig für einen Kinofilm. Und auch die meisten Kritiker sehen dies so. Ich kann da beide Seiten verstehen, ich hab mich aber tatsächlich schon im Vorfeld darauf eingestellt, dass ich wohl einfach nur unterhalten werde – ohne große Überraschungen und Wendungen. Aber es ist eben auch der erste Star Wars-Film im Kino nach Episode 9 von 2019. Von daher hatten Fans natürlich auch Erwartungen.
Die Action kommt dabei auf jeden Fall nicht zu kurz. Es gibt zwar immer mal wieder Szenen, in denen einfach nichts passiert, sondern Mando einfach nur von A nach B läuft, aber wenn es losgeht, dann kracht es richtig. Schade ist nur, dass wir kaum bekannte Gesichter sehen. Kopfgeldjäger Embo und Rotta kennen wir aus The Clone Wars. Wäre spaßig gewesen, wenn Ahsoka „Stinky“ wieder sieht, aber die ist am anderen Ende der Galaxis gestrandet. Garazeb Orrelios stammt aus Star Wars Rebels und machte in Kapitel 21 der The Mandalorian-Serie sein Debut im Realfilm. Ansonsten gibt es nur wenige Charaktere, die wir schon kennen und wenn, dann sind diese nicht direkt erkennbar. Barro zum Beispiel, der Warlord, der zu Beginn gejagt wird, kam in einer Folge der dritten Staffel noch namenlos als Hologramm vor. Coyn übrigens auch. Das kann man sehr leicht übersehen. Die Zwillinge sahen wir zum ersten Mal in Book of Boba Fett – was mich dann auch gleich zu den Leuten führt, die ich vermisst habe. Boba Fett, Fenec Shand und Cobb Vanth zum Beispiel. Es gibt da auch eine wunderbare Stelle, wo diese eingesetzt hätten werden können.
Es kommt nämlich, wie es kommen muss. Mando, der eigentlich nie kämpfen will, muss kämpfen. Und zwar erst gegen Rotta, dann mit Rotta gegen eine Horde von Kreaturen und dann gegen imperiale Truppen. Rotta befürchtet, dass die Zwillinge ihn töten wollen, da er der eigentliche Thronerbe von Jabba ist und nicht sie. Er hat aber kein Interesse an seinem Erbe und will sich aus dem Schatten seines Vaters befreien – deswegen auch die Kämpfe. Er überzeugt Mando, ihn laufen zu lassen, denn er weiß, wer Coyn ist. Aber die Zwillinge mögen es nicht verraten zu werden und kidnappen Mando und spüren auch Rotta auf. Din Djarin bekommt seinen Helm abgenommen, als Demütigung, und muss dann gegen eine Drachenschlange kämpfen, die ihm schwer zusetzt. Hier sehen wir Pedro Pascal zum einzigen Mal, was in der Natur der Figur liegt. Als er seinen Helm verliert, sagt er noch, es ist nur eine Schande, wenn er sie leben lässt. Und damit ist auch klar, was passieren wird – Rotta war zwar auch anwesend, aber in einem Foltergerät, er sah also nichts. Glück für ihn. Vor dem Kampf gegen die Zwillinge gibt es noch etwas fürs Herz – der schwer verletzte Mando, jetzt wieder mit Helm, wird von Grogu bewacht und umsorgt, der mit einer Gruppe von anzellanischen Mechanikern zur Rettung eilte. Und genau hier wäre der perfekte Moment gewesen, Hilfe von bereits bekannten Freunden zu holen. Luke wäre auch eine Option gewesen, aber das wäre zu viel des Guten geworden. Chance vertan, leider.
Aber der Film ist trotzdem ein Unikat im Star Wars Universum. Viele ikonische Dinge, wie das „Vor einer langen, langen Zeit in einer Galaxie weit entfernt…“ fehlt zum Beispiel, ebenso wie der typische „Crawl“ zu Beginn. Dafür gibt es ein richtiges Intro, was sonst auch kein Film hatte. Und etwas anderes fehlt auch völlig – Lichtschwerter, Jedi und Sith. Jeder vorherige Film hatte immer wenigstens irgendwas davon. Die drei Trilogien drehen sich ja fast nur darum, bei Rogue One gibt es am Ende den Auftritt von Darth Vader mit seinem Lichtschwert und bei Solo sieht man Darth Maul – der seine ikonische Doppelklinge ausfährt. Doch hier – keine Lichtschwerter, keine Jedi, keine Sith. Lediglich die Macht kommt vor, durch Grogu. Der sie wieder hauptsächlich fürs Essen nutzt.
Bemerkenswert auch: Die beiden Doubles für Pedro Pascal, Brendan Wayne und Lateef Crowder, die oft in der Rüstung stecken, werden ebenso im Vorspann genannt. Nette Geste, denn die Hauptarbeit machen die beiden.

Warum nun das alles?
So haben wir hier nun eine Geschichte, die wohl lediglich dazu dient, Figuren zu bewegen. Rotta hilft der Neuen Republik, die Zwillinge sind tot, was die Hutten empfindlich schwächen dürfte. Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass wir hier die erste Phase des Plans von Thrawn sehen. Ich sollte das wahrscheinlich näher ausführen, denn ich vermute, die wenigsten können da eine Verbindung sehen.
Großadmiral Thrawn ist ein Meisterstratege, der aber nicht dem Imperator treu ergeben war, sondern seinem eigenen Volk, den Chiss. Er hat sich dem Imperium nur angeschlossen, weil er diese als den besseren Verbündeten für die Verteidigung seines Volkes gegen die Grysk ansah. Und genau das ist seine Motivation. Das Imperium ist nur Mittel zum Zweck. Soviel zum Hintergrund in sehr kurzer Kürze. In diesem Film werden zwei imperiale Warlords ausgeschaltet, die dem sogenannten Shadow Council angehörten. Diese haben sich in der Serie zum Film gegen Thrawn ausgesprochen. Und aus der Serie Ahsoka wissen wir, dass Thrawn wieder dort ist, wo er hingehört. Außerdem wurden insgesamt drei Filme zum Mandoverse angekündigt. Die vierte Staffel befindet sich obendrein ebenso in Produktion, wie auch die zweite Staffel von Ahsoka, die nächstes Jahr erscheinen soll.
Aber ich habe noch mehr. Die Aufträge kamen von Colonel Ward, gespielt von Sigourney Weaver. Ich hatte immer das Gefühl, dass dieser große Name irgendwie zu klein dargestellt wurde in diesem Film. In der originalen Thrawn-Trilogie von Timothy Zahn hatte er einen Informanten in der Neuen Republik. Ich vermute, in dieser Version ist das Ward. Immerhin war sie es, die Mando die Aufträge besorgt hat und ihn quasi mit Kündigung gedroht hat, wenn er nicht mit den Hutten arbeitet – sie hat sicherlich geahnt, dass er den Auftrag nicht korrekt ausführt und somit entweder die Zwillinge tötet, oder eben selbst draufgeht – was dann eben auch nicht tragisch wäre. Möglich wäre auch Elia Kane, die eine große Rolle in The Mandalorian spielte, aber ich glaube eher, dass sie nur ein weiterer Spion ist, nur eben für Moff Gideon.
Und ich hab immer noch mehr. Die Grysk, die eine Bedrohung für die Chiss sind, bekommen wir in keinem Medium zu Gesicht, denn sie tragen alle Masken. Dahinter könnte sich der Kult hinter Palpatine, die Sith-Ewigen verstecken. Diese haben wir in Episode 9 gesehen und sie sind älter als das Imperium selbst. Wenn wir mal auf die offizielle Karte auf StarWars.com schauen, dann sehen wir dort, dass Exegol und Csilla – die Heimaltwelt der Chiss, sehr nah beieinander liegen. Es ist also durchaus möglich, dass die Ressourcen der Chiss die Flotte von Palpatine in Epsiode 9 ermöglicht hat – und es würde auch erklären, warum Kylo Ren nichts von dieser geheimen Basis weiß. Denn er gehört zu dem Bruchteil der Hinterbliebenen die zur Ersten Ordnung werden, während der andere Teil mit dem Projekt Necromancer auf Exegol und der Flotte beschäftigt ist.
Wie schon vorher mal gesagt wurde – das Mandoverse schreibt die letzte Trilogie nicht um, es verbindet die originalen Filme mit den Sequels. Und wenn dies alles so kommt, dann würde es diese Filme sogar aufwerten.
Fazit
Man hätte natürlich viel mehr mit dem Material machen können. Aber der Film funktioniert auch so wunderbar, geht aber eben auf Nummer sicher. Ein bisschen mehr Risiko wäre gut gewesen, damit man nicht das Gefühl hat, man sieht hier einfach nur die vierte Staffel der Serie zusammengeschnitten. Trotzdem geht der Film seinen eigenen Weg und ist wie erwähnt sicherlich auch nur der Auftakt zu einer größer angelegten Geschichte. Hoffentlich wird dies nicht wie die A Star Wars Story-Reihe einfach beendet. Thrawn ist einfach ein zu guter Antagonist, um dies alles einfach fallen zu lassen. Bitte Disney – zieht den Stecker nicht schon wieder, sondern gebt dem einfach mal eine Chance. Ich bin mir sicher, wenn das so verbunden ist, dann werden Fans auf der ganzen Welt euch am Ende feiern.
Meine Mutter war auch hier mit im Kino. Und obwohl sie die Serie dazu gar nicht kannte, hatte sie ihren Spaß und sich natürlich auch direkt in Grogu verliebt. Ihr gefiel der Film besser als Masters of the Universe.
Info
Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Jon Favreau, Dave Filoni, Noah Kloor
Produktion: Kathleen Kennedy, Jon Favreau, Dave Filoni, Ian Bryce
Musik: Ludwig Göransson
Kamera: David Klein
Schnitt: Rachel Goodlett Katz, Dylan Firshein
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