Ist dieser Film ein Zeichen dafür, dass Netflix das Interesse an dem Franchise verloren hat?
Ein merkwürdiger Release
Etwas muss furchtbar schiefgelaufen sein. Denn ursprünglich war The Rats: A Witcher Tale als eine Spin-Off-Reihe geplant. Es sollte die Abenteuer von Ciri mit den titelgebenden Ratten erzählen. Vermutlich hätte dies eine ähnliche Miniserie werden sollen, wie es einst The Witcher: Blood Origin war.
Nur dass die eben erwähnte Reihe ein ziemliches Desaster war. Womit sie sich in den allgemeinen Zustand des Serienuniversums einreihte. Ebenso katastrophal muss auch die Produktionsphase gewesen sein, die man getrost als gescheitert ansehen konnte. Denn seitens Netflix entschied man sich, aus der Serie einen Spinoff-Film zu machen. Den man noch dazu ohne dafür großartig Reklame zu machen, zeitgleich zur vierten The Witcher-Staffel einfach so herausbrachte. Es wirkte wirklich so, als hätte der große Streamingdienst das Interesse an Geralt verloren. Weshalb man vermuten kann, dass auch die fünfte und letzte Season vielleicht ebenfalls einfach so herausgebracht wird.
Dabei gelangt es der Produktion einen durchaus bekannten Darsteller an Land zu ziehen. Niemand geringeres als Dolph Lundgren, einer der berühmtesten B-Movie-Actiondarsteller der 1980er Jahre, wurde für die Rolle des alten Hexers Brehen gecastet. Ansonsten kehrten alle Schauspieler der Ratten auch für diesen Film zurück.
Prominent präsentiert und doch kaum charakterisiert
Nachdem er erfolgreich die Ratten umgebracht und Ciri (Freya Allan) gefangen genommen hat, macht sich Leo Bonhart (Sharlto Copley) auf den Weg nach Norden. Unterwegs macht er Halt, um seine Gefangene etwas zu provozieren. Denn er erzählt ihr, wie er damals das erste Mal auf die Bande gestoßen ist.
Damals waren die Ratten erfolgreiche Diebe. Doch sie planen einen größeren Raubzug, für den sie jedoch Unterstützung brauchen. Die finden sie in dem alten und heruntergekommenen Hexer Brehen (Dolph Lundgren) . Widerwillig unterstützt er die Gaunergruppe. Das Unternehmen entwickelt sich allerdings anders, als noch zuvor geplant.
Die Ratten waren in der vierten The Witcher-Staffel zwar prominente Figuren. Doch insgesamt musste man bemängeln, dass ihre Charakterisierung zu wünschen übrig ließ. Es war ein Zwischending: nicht so ausführlich wie bei den Hauptcharakteren, aber ebenfalls nicht so flach, wie bei den Nebenfiguren. Es war nichts halbes und nichts ganzes, weshalb auch ihr Ende in Feuertaufe einen absolut kalt ließ. Rückblickend merkte man einfach, dass die Serie sich eine ausführliche Darstellung für den Spin-Off aufhob.
Wurde hier sich die Arbeit fürs Spinoff gespart?
Und in der Tat wird diese Gaunergruppe in diesem Film ausführlicher dargestellt. So erfährt man beispielsweise, dass Mistle eine Hochgeborene ist. Es wird also exakt das gemacht, was man sich in der Hauptserie gewünscht hatte.
Was sich auch auf den Gesamteindruck auswirkt. Es entsteht das Gefühl, dass man hier etwas vor sich hat, was bewusst aus der Hauptserie ausgespart worden ist. Dass es vielleicht irgendwann in der Entstehungsphase Teil der Episoden-Plots war, dann allerdings aus diversen Gründen in den Spinoff ausgegliedert wurde.
Bestenfalls wäre dies etwas gewesen, worüber man sich geärgert hätte. Nur aber um dann am Ende sich einzugestehen, dass es für die Reihe die bessere Entscheidung gewesen ist. Doch dem ist nicht der Fall.
Keine sonderlich lange Laufzeit
Das große Problem des Films lässt sich mit einer Zahl ausdrücken: 82. Die Laufzeit beträgt gerade mal 82 Minuten. Und das ist nicht viel Zeit, wenn man davon noch das Intro und die Credits abzieht. Dementsprechend hetzt der Streamingfilm durch die Handlung, reißt vieles an, lässt einiges in Sachen Charakterisierungen fallen, verbleibt allerdings nicht zu lange, um das zu vertiefen. Denn der Plot muss sich weiterentwickeln, komme was wolle! Mit der Konsequenz, dass die Ratten am Ende zwar besser, aber noch nicht gut genug charakterisiert worden sind.
Wobei es im Prinzip nur eine Figur gibt, bei der dies egal ist. Dolph Lundgrens Brehen ist einer der wenigen Lichtblicke des Films. Er spielt den heruntergekommenen und in die Jahre gekommenen Hexer, der für die Ratten eine Art väterlicher Mentor ist, hervorragend. Er ist die eigentliche Hauptfigur des Films, weshalb er auch die besten Szenen erhält, in denen er glänzen kann.
The Rats: A Witcher Story ist am Ende knapp unterdurchschnittlich. Mehr Laufzeit, weniger forciert wirkenden Szenen wie der Anfang und nicht das Gefühl, dass hier etwas aus der vierten Season entfernt wurde, hätten am Ende dazu beigetragen, dass das Ergebnis besser hätte ausfallen können.
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