Peter Parker ist zurück und erlebt wieder ein eigenes Filmabenteuer. Wobei dieser Peter anders ist, als seine Vorgänger.
Ein neuer Versuch, dieses Mal anders
Nach dem Flop von Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro 2014 wurden, wie auch damals nach dem Reinfall von Spider-Man 3 2007, allle Pläne von einer Fortsetzung oder Spin-Offs fallen Gelassen. Und doch gab Filmrechteinhaber Sony die Marke nicht auf. Stattdessen wollte man es wieder probieren, dieses Mal allerdings anders, als die vorherigen Male.
Denn wie ein E-Mail-Leak aus dem Jahr 2014 enthüllte, wollte Sony dieses Mal mit Marvel zusammenarbeiten. Genauer gesagt sollte Marvel für die Produktion verantwortlich sein, derweil Sony sich ums Marketing und Vertrieb kümmern sollte, wobei sie sich die kreative Kontrolle vorbehielten. Doch die Gespräche fielen zunächst in sich zusammen, ehe sie dann 2015 wieder aufgenommen wurden. Und damals wurde schließlich festgelegt, dass sowohl Kevin Feige von Marvel, wie auch Amy Pascal von Sony, sich um die Produktion kümmern würden.
Die Figur sollte zuerst in einem MCU-Film auftauchen, der sich später als The First Avenger: Civil War herausstellte, ehe er anschließend einen eigenen Kinofilm erhalten sollte. Marvel Studio behielt sich vor, weitere MCU-Charaktere in künftige Spider-Man-Filme einzubauen, derweil Sony sich um die Finanzierung und den Vertrieb kümmern würden. Wobei sie sich die finale kreative Kontrolle vorbehielt. Diese Vereinbarung wurde dann später noch mal ein wenig angepasst.
Andere Ansätze
Klar war für Marvel, dass sie dieses Mal einen Darsteller haben wollten, der jünger war als Andrew Garfield, der letzte Spider-Man-Schauspieler. Weshalb sich Sony auf die Suche machte. Gleichzeitig wurden jedoch auch ein Drehbuchautor und ein Regisseur gesucht, wobei die ersten Kandidaten, die angefragt wurden, bereits ablehnten. Drew Goddard, der zuvor ein Jahr lang an einem „Sinister Six“-Film gearbeitet hatte, begründete seine Ablehnung damit, dass er nicht wirklich eine Idee für das Projekt hätte und sowieso nach der ergebnislosen vorherigen Arbeit Schwierigkeiten hätte, überhaupt eine entsprechende Idee zu kriegen.
Derweil verkündete Kevin Feige, dass Spider-Man zwischen 15 und 16 Jahre alt sein sollte und man dieses Mal wieder auf einen Origin-Film verzichten würde. Denn, so die Begründung des Chefs der Marvel Studios, diese wurde in den letzten 13 Jahren zwei Mal neu erzählt. Weshalb er davon ausginge, dass die Leute sowieso wüssten, was der Ursprung des Helden sei.
Im Mai 2015 standen die ersten Kandidaten fürs Drehbuch und die Regie fest. Ebenso, wie auch die ersten Darsteller für die Rolle des Peter Parkers ausgewählt worden waren. Letztere mussten einen Screentest mit Robert Downey Jr. durchführen, um die Chemie zwischen ihm und dem künftigen Spider-Man herauszufinden. Die Auswahl treffen sollten Kevin Feige, Amy Pascal und die Russo-Brüder. Am Ende wurde Tom Holland ausgewählt, der unter anderem durch seine Athletik in seinem Casting-Tape hervorstach.
Auf Grundlevel unterwegs
Als Regisseur wurde Jon Watts ausgewählt. Dieser durfte das Skript zu Civil War lesen, bei den Dreharbeiten der Spider-Man-Szenen anwesend sein und mit den Russos sprechen. Der Filmemacher freute sich darauf, einen „Grund Level“-Film des MCUs zu drehen, wo die Avengers zwar bekannt sind. Aber sie eher in höheren Sphären unterwegs waren.
Das Drehbuch sollten unter anderem Jonathan Goldstein und John Francis Daley schreiben. Die beiden waren zuvor vor allem Sitcom-Drehbuchautoren und wurden ermutigt, ihren eigenen Sinn für Humor mit in die Story reinzubringen. Gleichzeitig wollten sie auch, dass der Kinofilm sich wie ein „Coming-of-Age“-Film anfühlen sollte. Als Comicgrundlage dienten unter anderem die Comicreihen Ultimaten Spider-Man und Spider-Man Loves Mary Jane.
Tom Holland (Im Herzen der See) wurde also Spider-Man und ging sogar, um sich für die Rolle vorzubereiten, heimlich auf eine High-School. Sein Gegenspieler war Adrian Toomes, besser bekannt als der Geier. Und er wurde von Michael Keaton, der in den 1980er und 90er Batman darstellte, zum Leben erweckt. Es war vor allem diese Erfahrung, die den Darsteller dazu brachte, die Rolle anzunehmen.
Ein umfangreicher Cast
Zendaya (Shake it Up) wurde zu „Michelle“, wobei sich später herausstellen sollte, dass dies nicht ihr vollständiger Name war. Donald Glover (Community) erhielt die Figur des Aaron Davis. Der Darsteller, der zuvor bereits den anderen Spider-Man Miles Morales in der Trickserie Ultimate Spider-Man sprach, hatte eine Kampagne gestartet, damit er die Figur in einem eigenen Film darstellen konnte. Diese Kampagne kam auch Jon Watts zu Ohr, der daraufhin persönlich den Schauspieler für diese kleine Rolle auswählte. Für Jacob Batalon, der Peters besten Freund Ned darstellen sollte, war dies die erste große Filmrolle. Laura Harrier (4th man Out) wurde zu Liz, in die Peter heimlich verschossen war. Tony Revolori (The Grand Budapest Hotel) konnte man als Flash sehen. Anders als in den Comics war diese Rolle allerdings kein weißer, durchtrainierter Bully, sondern ein farbiger Junge, der mehr ein Social Media Bully war. Für dieses Casting erhielt er leider Todesdrohungen, obwohl er versprach, der Figur gerecht zu werden. Bokeem Woodbine wurde zu Hermann Schultz, dem Schocker (Fargo).
Jon Favreau, Gwyneth Paltrow und Robert Downey Jr. sollten ihre MCU-Rollen wieder aufnehmen. Ebenso, wie man Marisa Tomei wieder als May Parker sehen sollte. Besondere Erwähnung verdient ebenfalls noch Tyne Daly (Cagney & Lacy), die als No-Nonsense-Leiterin des Departments of Damage Control Anne Marie Hoag zwar nicht so viel Screentime erhielt. Dennoch aber einen bleibenden Eindruck hinterließ.
Nach dem Battle of New York (Avengers) machen sich Adrian Toomes und seine Leute daran, aufzuräumen. Doch ihr Vertrag wird kurzerhand von dem Department of Damage Control Null und nichtig erklärt, da Tony Stark einen Deal mit der US-Regierung abgeschlossen hatte. Wütend darüber, einfach so aus dem Geschäft verdrängt worden zu sein, beschließt Toomes, die bereits gefundenen Chitauri-Artefakte für sich zu behalten.
Die richtigen Gedanken gehabt
Jahre später hat Peter Parker als Spider-man Tony Stark geholfen. Immer noch von den Ereignissen berauscht hofft er, jetzt Teil der Avengers zu sein. Doch Tony meint zu ihm, dass er noch nicht bereit sei, ein Vollzeitmitglied zu sein. Um Iron Man zu beweisen, dass er es dennoch wert ist, stürzt sich der Junge ins Superheldendasein und reduziert dafür auch seine Schulaktivitäten. Bis er irgendwann auf Leute von Adrian Toomes stößt, die dem Waffenhändler Aaron Davis außerirdische Waffen verkaufen. Er verhindert die Transaktion, erregt damit jedoch die Aufmerksamkeit des Geiers, so das kostümierte Alter Ego von Adrian Toomes, der ihn kurzerhand in einem nahen See beinahe ertränkt. Spider-Man wird jedoch von Tony Stark gerettet, der ihm nochmal nahelegt, es ruhiger angehen zu lassen und sich nicht in diesen Fall einzumischen. Womit er allerdings das Gegenteil erreicht, von dem, was er eigentlich damit bezwecken wollte.
Der Gedanke von Kevin Feige, diesen Film nicht schon wieder zu einem Origin-Film zu machen, war genau der Richtige. Denn so muss nicht erst umständlich erklärt werden, wer Spider-Man ist und woher er seine Kräfte hat. Stattdessen kann er sich voll und ganz auf ein eigenständiges Abenteuer fokussieren.
Und hier zahlt sich auch eine zweite Entscheidung voll und ganz aus. Dadurch, dass die Story eher bodenständig bleibt, ja schon fast eine Street-Level-Erzählung ist, wie man sie sonst von den Netflix-Marvel-Serien her kennt, hat sie im MCU-Kontext etwas eigenständiges. Es geht hier nicht um irgendwelche Verschwörungen innerhalb von Regierungsorganisationen oder Götterdramen. Stattdessen hat man es hier mit vergleichsweise Kleinganoven zu tun, die jetzt eben nicht den nächsten Massenmord planen. Sondern „nur“ den nächsten Diebstahl von Sachen, die bei den Kämpfen gegen Außerirdische oder andere außergewöhnliche Wesen übrig geblieben sind.
Großartiger Humor
Was für Michael Keaton die Gelegenheit ist, zu glänzen. Zwar geschieht es im Laufe des Films, dass er jemanden tötet. Doch ist dies eher ein Versehen und geschah aus dem Effekt heraus. Ansonsten gibt er den intelligenten, zielstrebigen und ehrgeizigen Geier, der nichts mehr hasst, als wenn etwas nicht nach Plan läuft. Wobei der Film dann später auch seine private Seite zeigt, wodurch es zu einer überraschenden Verbindung zu Spider-Man kommt. Seine Art hat etwas trockenes an sich, was ihn wohltuend von anderen Schurken abhebt.
Es ist gerade dieses Trockene, was auch wunderbar in den Humor des Films passt. Denn es gibt immer wieder Pointen, wo man sich sehr gut amüsieren kann. Sei es, dass Ned, als er sieht, dass Peter Spider-Man ist, einen Lego Sternenzerstörer fallen lässt. Oder wenn man sieht, wie Michelle beim Sportunterricht statt Sit-ups einfach nur ein Buch, dass sie gerade liest, rauf und wieder runterhebt. Oder das Stan Lee-Cameo. Oder dass Peters Bemühungen, sich als Superheld zu etablieren, wiederholt von Rückschlägen gezeichnet sind, wie etwa, als er in einer abgesperrten Lagerhalle aufwacht. Oder, oder, oder…
Der Humor ist wirklich großartig. Und vor allem, er zielt nicht auf den nächsten Oneliner ab. Sondern ergibt sich aus der Situation, aus der Umgebung. Was ebenfalls dazu beiträgt, dass Spider-Man: Homecoming so grandios ist.
Ein Ensemble, dass man gerne hat
Wozu natürlich auch Tom Hollands Leistungen beitragen. Es tut gut, dass er für seine Darstellung der Figur einen anderen Ansatz wählt, als Tobey Maguire oder Alex Garfield. Sein Peter ist vom unbedingten Willen, Avenger zu werden, gekennzeichnet. Und schießt bei dem Vorhaben des öfteren übers Ziel hinaus. Oft genug verschlimmbessert er Sachen eher, anstatt den Tag zu retten. Er ist tollpatschig, obwohl er eigentlich eine großartige Körperbeherrschung hat.
Und hier zeigt sich eine weitere Entscheidung seitens Marvel Studios, die sich als positive herausstellt. Die Tatsache, dass Peter in diesem Film noch mitten in der Pubertät ist, ist eine im Nachhinein großartige. Einfach, weil man hier einen sich sehr unsicheren Peter sieht, der sich insgeheim emotionale Stabilität davon erhofft, wenn er bei den Avengers ist. Und für den Tony Stark eine Art Ersatzvater ist, zu dem er aufsieht. Und von dem er am Ende doch viele Male enttäuscht wird, genauso wie bei einem richtigen Vater.
Dabei besteht der Film eben nicht nur aus den bislang genannten Figuren und Darstellern. Es ist Jon Watts wirklich gelungen, ein Ensemble an Nebenfiguren aufzubauen, mit denen man mitfiebert. Die einem am Herzen liegen. Sei es, weil sie wie Ned, die besten Freunde des Heldens sind. Oder sei es, weil sie, wie Flash, Leute sind, die Peter triezen, wo sie nur können und so für ein Stück Normalität in der Geschichte sorgen. Oder sei es Liz, die Peter aus der Entfernung anhimmelt und wo die Enthüllung, wer ihr Vater ist, dafür sorgt, dass dann wieder Spider-Man wichtig wird.
Die Perfekte Mischung
Weshalb man am Ende wie gebannt vor dem Film sitzt. Da er die perfekte Mischung schafft, sowohl Peters soziales Leben wie auch Spider-Mans Heldenabenteuer gleichberechtigt darzustellen. Weil er einfach nur sehr spannend ist. Und dabei gleichzeitig ebenfalls äußerst humorvoll, ohne zu sehr zu einer Komödie zu werden.
Es ist wirklich ein grandioser Film. Einer, der von allen MCU-Filmen in vielerlei Hinsicht positiv hervorsticht. Die vielen Entscheidungen, die im Vorfeld getroffen wurden, lassen ihn eigenständig wirken, auch wenn er natürlich immer noch Teil des MCUs ist. Aber er braucht nicht den Vergleich zu den früheren Filmauftritten scheuen. Definitiv ein Must-See!
Info
Regie: Jon Watts
Drehbuch: Jonathan Goldstein, John Francis Daley, Jon Watts, Christopher Ford, Chris McKenna und Erik Sommers
Story: Jonathan Goldstein, John Francis Daley
Produktion: Kevin Feige, Amy Pascal
Musik: Michael Giacchino
Kamera: Salvatore Totino
Schnitt: Dan Lebental, Debbie Berman
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