Was könnte mit Das verlorene Paradies gemeint sein?

Eine schreckliche Wahrheit

Seitdem das Dominion das Energierelaissystem der Erde sabotiert hat, sind überall bewaffnete Sternenflottenoffiziere stationiert. Doch ein Angriff der gegnerischen Macht hat bislang noch nicht stattgefunden. Das beunruhigt Benjamin Sisko (Avery Brooks), der daraufhin beschließt, mehr über die Sabotage herauszufinden.

Schon bald stellt der Captain fest, dass eine Eliteeinheit von Sternenflottenkadetten, das sogenannte Red Squad, hinter dem Anschlag steckt. Des Weiteren sind wichtige Positionen innerhalb der Sternenflotte mit Leuten besetzt worden, die zu Admiral Leyton (Robert Foxworth) gehören. Beunruhigt wird ihm klar, dass sein Vorbild eine Verschwörung in einem unglaublichen Ausmaß geplant hat und vorhat, den Präsidenten der Föderation in irgendeiner Art und Weise abzusetzen und selber an die Macht zu kommen.

Benjamin Sisko will deshalb den Präsidenten dazu bringen, den Ausnahmezustand zu beenden. Doch als er Jaresh-Inyo (Herschel Sparber) die Beweise präsentieren will, die die Verschwörung untermauern können, kommt ihm Leyton zuvor. Durch einen gefälschten Bluttest, der beweist, dass der Captain ein Formwandler sein soll, wird dieser festgenommen.

Braucht es wirklich Stärke, um zu führen?

Doch der Stationskommandant hat vorgesorgt. Die Defiant ist unterwegs, mit einem weiteren Beweis, der die Verschwörung endgültig darlegen soll. Und dann ist da auch noch Odo (René Auberjonois), der seinem Vorgesetzten bei der Flucht hilft.

Benjamin Sisko konfrontiert daraufhin Leyton. Doch der gibt sich siegessicher. Er hat ein Schiff, die Lakota, losgeschickt, um die Defiant mitsamt dem Beweis zu vernichten. Sein Argument für den Vernichtungsbefehl ist, dass das Raumschiff angeblich komplett von Formwandlern übernommen worden sei. Gleichzeitig verteidigt der Admiral sich gegen die Vorwürfe des Captains. Er meint, dass die Erde eine starke Führung braucht und dass er irgendwann die Macht wieder abgeben würde. Doch wann genau, kann und will er nicht sagen.

Am Ende kann allerdings Benjamin Sisko siegen. Das Raumschiff mit den Leyton-Getreuen hat die Defiant nicht zerstört und Odo hat dem Präsidenten die Beweise vorgelegt, die den Admiral schwer belasten. Dem bleibt nichts mehr anderes übrig, als seine Niederlage einzugestehen und seinen Posten abzulegen.

Intensiv!

Später verabschieden sich Jake (Cirroc Lofton) und Benjamin von Joseph Sisko (Brock Peters), um sich wieder auf den Heimweg zu machen.

Wenn man Das Verlorene Paradies fertiggesehen hat, muss man erstmal durchatmen. Denn dies ist die vielleicht intensivste Episode, die Deep Space Nine bislang hatte. Wie gebannt wird man auf den Bildschirm starren, um zu beobachten, wie Benjamin Sisko einen schon fast verzweifelten Kampf um die Zukunft der Erde und der Demokratie führt.

Dabei muss man auch das Spiel von Avery Brooks und Robert Foxworth loben. Der Erstgenannte war ja schon immer ein großartiger Schauspieler. Doch in dieser Folge und vor allem im Zusammenspiel mit Foxworth hat man das Gefühl, dass er noch mehr als sonst eine unglaubliche Glanzleistung liefert. Allein die Szene, in der er wie angewidert auf die Leute guckt, die ihn gefangen halten, ist grandios. Doch am besten ist natürlich das Finale, wo er und Robert Foxworth sich ein großartig inszeniertes Argumentationsduell liefern, in dem es um nichts Geringeres als die Zukunft der Föderation geht.

Kein 08/15

Was Das Verlorene Paradies auch richtig macht, ist die Darstellung von Admiral Leyton. Er ist natürlich der Antagonist, der Gegenspieler, der diesen Zweiteiler überhaupt erst zum Funktionieren bringt. Aber die Macher von Star Trek verzichten darauf, ihn wie einen 08/15-Schurken darzustellen. Sie machen klar, dass er ein guter Offizier ist, der sich die Loyalität seiner Leute zu Recht verdient hat. Doch irgendwann, irgendwo muss sich seine Sorge um die Zukunft der Föderation gewandelt und radikalisiert haben.

Man muss die Langzeitplanung des Admirals bewundern. Es muss lange gedauert haben, die richtigen Offiziere an den entsprechenden Stellen zu platzieren. Und es würde nicht verwundern, wenn das Red Squad ebenfalls auf sein Bestreben hin gegründet worden ist. Es würde zu der vorausschauenden Planung von Leyton passen. Er ist ein sympathischer Gegenspieler, was natürlich für eine Serie oder einen Film so ziemlich das Beste ist, was geschehen kann.

Gleichzeitig kommen einem sein Gerede und seine Argumente mit dem starken Mann als Führung verdächtig bekannt vor. Da gab es in der Historie der Menschheit die eine oder andere Person, die ebenfalls auf diese Art geredet hat.

So viel Chaos durch so wenig Personen

Und man sieht ja an Joseph Siskos Verhalten, dass seine Argumente für die Dauerpräsenz von bewaffneten Sternenflottenoffizieren auf der Erde verfängt. Der Vater von Benjamin Sisko war ursprünglich gegen ständige Blutproben, ist allerdings jetzt auf einmal dafür, weil es eben der Sicherheit seiner Heimatwelt dient. Es ist nur eine kleine Szene, doch macht sie erschreckend klar, inwieweit die normale Bevölkerung gegenüber den Argumenten eines starken Mannes mit dem Versprechen von mehr Sicherheit empfänglich sein kann. Weshalb es auf solche Leute wie eben Benjamin Sisko ankommt, die für die Demokratie, für das Paradies einstehen.

Eine weitere interessante Szene ist die, in der ein Gestaltwandler in der Form von Miles O’Brien (Colm Meaney) den Stationskommandanten von Deep Space Nine aufsucht und ihm enthüllt, dass nur vier seiner Art, abgesehen von Odo natürlich, auf der Erde sind. Wenn er sich damit brüstet, dass sie dieses Chaos mit nur wenigen Leuten verursacht haben, ist das schon eine bedrückende Szene in Das Verlorene Paradies. Es zeigt einmal mehr, dass die Formwandler eine Macht sind, die man nicht unterschätzen darf.

Am Ende war dies eine Episode, in der es darum geht, zu zeigen, wie gefährdet eine Demokratie sein kann, wenn die Umstände stimmen. Dadurch gewinnt Das verlorene Paradies zusammen mit Die Front eine Zeitlosigkeit. Denn ebenso wird bewiesen, dass es am Ende auf ein paar Aufrechte ankommt, denen klar wird, dass das, was sie machen, etwas Unrechtes ist. Wie es auch die Besatzung der Lakota am Ende macht, als sie, nach einem kurzen Gefecht mit der Defiant, darauf verzichten, das Raumschiff zu zerstören.

Was wäre wenn … ?

Am Ende ist vieles aufgeklärt, aber eben nicht alles. Als Zuschauer weiß man jetzt, wieso sich das Wurmloch ständig öffnete und wieder schloss, sowie wie genau der Plan von Admiral Leyton funktionierte. Man empfindet Respekt vor dem Föderationspräsidenten Jaresh-Inyo, der die Anschuldigungen von Benjamin Sisko nicht einfach so ignorierte, sondern bewusst nach Beweisen fragte, die dessen Aussagen untermauerten. Und man stellt sich die Frage, wie es jetzt weitergehen wird? Wird es eine Säuberungsaktion in der Sternenflotte geben, um die Getreuen von Leyton zu entfernen? Was werden die Formwandler machen, die noch auf der Erde sind? Es bleiben noch einige Fragen offen, die dann hoffentlich in kommenden Folgen beantwortet werden.

Und es bleibt das ungute Gefühl, dass man nicht wissen möchte, was geschehen wäre, wenn Leyton seinen Umsturz in einem richtigen Krieg gemacht hätte. Denn die Auseinandersetzung zwischen der Föderation und dem Dominion ist trotz einiger Todesopfer immer noch verhältnismäßig kalt! Man hat zwar von Truppenbewegungen gehört, doch gesehen hat man das nicht. Nur mitgekriegt, wie die Romulaner und Cardassianer ausgeschaltet wurden und die Klingonen sich von ihren einstigen Bündnispartnern entfremdet haben. Doch ansonsten hat das Dominion bislang noch keinen sichtbaren Angriff direkt gegen die Föderation gestartet. Sprich, der Krieg war bisher nur ein Hintergrundgeräusch. Was aber trotzdem schon ausreichte, um Admiral Leyton in Das verlorene Paradies in Bewegung zu setzen.

Was ist überhaupt Das verlorene Paradies? Damit könnte die Freiheit der demokratischen Föderation gemeint sein. Dass diese durch den Krieg, durch das Bedürfnis der Sicherheit untergraben und zerstört werden. Übrigens heißt die Folge auf Englisch bedeutungsähnlich Paradise Lost.


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