Spotlight: Paul Gleason

Lesezeit circa: 6 Minuten

Paul Gleason spielte mit Bruce Boxleitner in Agentin mit Herz und Peter Jurasik in Polizeirevier Hill Street. Und er bekam seine eigene Rolle in Star Wars.

Gerade in einem von wahren Weltstars dominierten Franchise wie „Star Wars“ kommt oft den Nebendarstellern unter den Fans eine hohe Bedeutung zu. Nicht zuletzt auch deshalb, weil man die Darsteller diverser Sturmtruppler, Aliens und Ähnliches weit eher als Gaststars auf Conventions zu sehen bekommt als die Hauptdarstellerriege um Mark Hamill, Harrison Ford oder neuerdings Daisy Ridley, John Boyega und Oscar Isaac. Der Schauspieler, dem wir heute – leider erneut posthum – zu seinem 81. Geburtstag gratulieren möchten, gehört zumindest im Star-Wars-Franchise zu den absoluten Kleinst-Darstellern, zumal es sich bei ihm zusätzlich um eine Zweitbesetzung handelte.

Doch abgesehen von seinem Star-Wars-Cameo – mehr war das Ganze im Grund genommen nicht – gehörte Paul Gleason durchaus zu den bekannten Gesichtern im amerikanischen Film und Fernsehen, wenngleich er nur selten in Hauptrollen zu sehen war und stattdessen eher als Nebendarsteller auftrat.

Doch kommen wir zunächst zu Paul Gleasons Rolle im Star-Wars-Universum: Im 1985 entstandenen TV-Film „Ewoks – Kampf um Endor“ (ein alternativer Titel lautete auch „Star Wars: Ewoks – Kampf um Endor“) war er in der Anfangssequenz als Jeremitt Towani zu sehen, dem Vater der kleinen menschlichen Filmheldin Cindel (gespielt von Aubree Miller).

Leider dauerte sein Auftritt nur wenige Minuten, da Jeremitt und Cindels Bruder Mace (Eric Walker) sowie Familienmutter Catarine (im ersten „Ewok“-Film gespielt von Fionnula Flanagan, im zweiten Film bekam man sie selbst nicht mehr zu sehen) von den Horden des bösen Königs Terak (Carel Struycken, den Star-Trek-Fans als Lwaxana Trois (Majel Barrett-Roddenberry) schweigsamen Diener Mr. Homn kennen) vom Planeten Sanyassa (was in dem Film selbst keine Erwähnung findet) getötet werden.

Paul Gleason war, wie bereits erwähnt, schon der zweite Darsteller von Jeremitt Towani: Im ein Jahr vor „Kampf um Endor“ entstandenen ersten „Ewok“-Film „Karawane der Tapferen“ war der Familienvater von Schauspieler Guy Boyd dargestellt worden und hatte eine weit größere Rolle gehabt. Für die Fortsetzung hatte Boyd nicht mehr zur Verfügung gestanden, womit sie an das heutige posthume Geburtstagskind Paul Gleason ging.

Vom Footballspieler…

Anfangs hatte Paul Xavier Gleason, geboren am 4. Mai 1939 in Jersey City im US-Bundesstaat New Jersey, gar keine Schauspielkarriere angestrebt. Ab den späten 50er-Jahren erlangte Gleason USA-weite Bekanntheit als Footballspieler der Florida State University und seine Zukunft schien gesichert. Doch trotz seiner ausgesprochenen Liebe zu einer der beiden amerikanischen Nationalsportarten entschied sich der junge Paul Gleason dafür, Schauspieler zu werden und ging ab 1961 in den „Actors Studios“ des berühmten Schauspiellehrers Lee Strasberg in Ausbildung.

…zum Schauspieler

Eine seiner ersten Rollen spielte er noch zu Studentenzeiten: Im Atomkriegs-Drama „Panik im Jahre Null“ von 1962 war Gleason in einer kleinen Rolle als Tankwart zu sehen. Es dauerte noch mehr als zehn Jahre, ehe die Rollen größer und sein markantes Gesicht bekannter wurden. Nach Auftritten in TV-Serien wie „The Green Hornet“ (1967), „Kobra, übernehmen Sie!“ (1972) und „Ein Sheriff in New York“ (1974) war er 1975 neben dem früheren TV-„Tarzan“ Ron Ely in der Pulp-Roman-Verfilmung „Doc Savage – Der Mann aus Bronze“ in der zweiten Hauptrolle als Major Thomas J. „Long Tom“ Roberts zu sehen.

Danach erhielt er die wiederkehrende Gastrolle als Dr. Thornton in der hierzulande nicht gezeigten, in den USA jedoch höchst erfolgreichen und vor allem unglaublich langlebigen (41 Jahre lang von 1970 bis 2011!) Soap Opera „All My Children“, die er von 1976 bis 1978 verkörperte. Danach wirkte er in Kinofilmen wie „Arthur – Kein Kind von Traurigkeit“ (1981), „Comeback der Liebe“ (1983) oder „Die Glücksritter“ neben Dan Aykroyd und Eddie Murphy mit, während man ihn im Fernsehen in Serien wie „Remington Steele“, „Magnum“ (beide aus 1984) sowie „Das A-Team“ (1984 und 1986) sehen konnte.

Als er 1985 die Rolle des Jeremitt Towani in „Kampf um Endor“ erhielt, war er bereits ein bekanntes TV-Gesicht. Auch in späteren Jahren blieb er als prominenter Nebendarsteller stets präsent und wirkte in Kinofilmen wie „Breakfast Club – Der Frühstücksclub“ (1985), „Stirb langsam“ (1988) und „Boiling Point – Die Bombe tickt“ (1993) sowie Serien wie unter anderem „Dallas“ (1985), „Falcon Crest“ (1987) oder „Seinfeld“ (1994) mit.

Paul Gleason
Jeremitt Towani

Die Ewok-Filme

Bis heute sind die beiden „Ewok“-Filme von 1984 und 1985 bei Star-Wars-Fans umstritten. Da eine zeitliche Einordnung der beiden TV-Produktionen in die Chronologie der Saga quasi unmöglich ist (erste Angaben lauteten, die Filme spielten zwischen den Episoden V und VI; dies ist jedoch schlecht möglich, da Ewok Wicket dann bereits die menschliche Sprache beherrscht haben müsste, als die Rebellen auf Endor landeten…), werden sie mittlerweile zu den nicht-kanonischen „Legends“ gezählt, zu denen auch etliche der Star-Wars-Romane und -Comics gehören.

Auch erfährt man im Gegensatz zu anderen Star-Wars-Nebenfiguren (die trotz Auftritten lediglich im Bildhintergrund mitunter komplette Lebensläufe besitzen) so gut wie nichts über die 4-köpfige Familie Towani, die aufgrund eines Antriebsschadens an ihrem Familienraumschiff auf dem Waldmond Endor notlanden muss. Spekulationen lauten, es handele sich bei ihnen entweder um Siedler oder aber um Flüchtlinge vor dem Zugriff durch das sich ausbreitende Imperium.

Die letzten Jahre Paul Gleasons

Nach der Jahrtausendwende erkrankte Paul Gleason an einer Form von Lungenkrebs, welche durch den häufigen Kontakt mit der giftigen Substanz Asbest ausgelöst wird. Mit dieser war Paul in seiner Jugend während verschiedener Aushilfsjobs auf Baustellen oftmals in Berührung gekommen. Trotz seiner Erkrankung blieb Gleason bis kurz vor seinem Tod am 27. Mai 2006 (drei Wochen nach seinem 67. Geburtstag) als Schauspieler aktiv. Als seine letzte Arbeit gilt der erst 2011 veröffentlichte unabhängig produzierte Film „The Passing“.

Paul Gleason war seit 1995 in zweiter Ehe mit seiner Frau Susan verheiratet gewesen, die beiden hatten die gemeinsame Tochter Kaitlin, welche heute als Drehbuchautorin tätig ist. Aus Paul Gleasons erster Ehe mit seiner Schauspielkollegin Candy Moore von 1971 bis 1978 stammt seine erste Tochter Shannon Gleason, die so wie ihre Eltern ebenfalls Schauspielerin wurde.
Sei eins mit der Macht und die Macht sei mit dir, wünschen wir von Warp-Core.de.

„I went into acting because I had nothing more sensible to do. However, once I began acting classes with Lee Strasberg at the Actor’s Studio in New York, I found it stimulating and rewarding.“

Paul Gleason im Web

IMDb

warpSHOP

Lust, unser Team zu unterstützen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.

Thorsten Walch

Thorsten Walch

Thorsten ist Jahrgang 67 und Sci-Fi- und Horror-Experte. Er ist der Star Trek-Spartenredakteur des Corona Magazine und ferner der Autor des Buches Es lebe Star Wars, das im letzten November im Mülheimer iFuB-Verlag erschienen ist. Bei warp-core.de fungiert er als Star Wars-Fachmann.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: