[Perry Rhodan 3071] Xirashos Tiefen

Lesezeit circa: 9 Minuten

Atlan im System der verborgenen Welt – einer ungeheuren Verschwörung auf der Spur

Xirashos Tiefen
© Pabel-Moewig Verlag KG

Titel: Xirashos Tiefen
Autor: Michelle Stern
Titelbild: Dominic Beyerle
Erschienen: 26.06.2020

Zur Handlung

Jasmyne da Ariga kann dem, mit ihr wie eine Katze mit einer Maus spielenden, Tomopaten Ly entkommen. Mit einem Atmosphärentauchboot gelangt sie in eine Station der Cairaner.

Am jupiterartigen Gasriesen Xirasho nehmen Atlan, Pilotin Kaery Evans, Oxtorner Ondroski und Swoon Timberlan die Spur Guckys auf und dringen per Space-Jet in die Gashülle vor. Auf einer vorgeblichen Hyperkristall-Abbaustation treffen sie auf die Tomopaten. Diese stellen diverse Forderungen und Atlan vor die Wahl, ob sie ihm aus guten Willen entweder Jasmyne oder Gucky ausliefern sollen. Hinzu kommt die Enthüllung, dass die Cairaner dem Kosmos entfliehen und alle Zeugen ihrer Taten, also die gesamte Milchstraßenbevölkerung, auslöschen wollen. Atlan entscheidet sich für Jasmyne, die seine Enkelin und auch ein Klon der Cairaner ist.

Jasmyne wird in der nächsten Station gefunden und in Sicherheit gebracht. Danach geht das Einsatzteam dem Tun der Cairaner vor Ort nach. Sie erfahren, dass Gucky auf einer Ausweglosen Straße festgehalten wird. Neben den Bauplänen von Raumschiffen fast aller galaktischen Völker stoßen sie im Xirashos Tiefen auf ein weiteres Geheimnis: den wrackartigen Nachbau der RAS TSCHUBAI!

Die Drei Ultimaten Beobachtungen

1. Geklonte Lebewesen und nachgebaute Raumschiffe

Nun ist amtlich, wenn auch nur durch wenig vertrauenswürdige, psychopathische Tomopaten bestätigt, was ich der Prinzessin in Not trotz aller Physik des Friedens unterstellte: Jasmyne ist eine Gynoide, eine Geklonte aus den Außenhänden der Cairaner. Ein gezielt geworfener Spielball für die Cairaner – auch wenn ihre tatsächlichen Absichten nicht offenbar wurden. Dass die Tomopaten mit ihr so problemlos machen können, was sie wollen, inklusive der freimütigen Auslieferung, macht mich eher argwöhnisch. Es scheint ein verwinkelter Schachzug zu sein, sie in die offenen Arme ihres Befreiers, Retters und genetischen Großvaters zu treiben, um … ja, um was zu erreichen? Atlan besitzt ja sogar den Macairun, den er mit seinem Zellaktivatorchip aufladen kann, um so die Vitalenergie an Jasmyne per Kristallkuss weiterzugeben. Alle wissen um die künstliche Situation, haben sich aber dennoch in sie hineinbegeben. Und nun?

Was ebenso schon vor fünf Wochen inmitten von Tolotos‘ Drangwäsche gesichtet wurde, dann aber rund um die Androiden-Baureihen auf der Ägidenwelt in den Hintergrund trat: Im fernen Villanova flogen gleich flottenweise gekonnte Nachbauten gatasischer und terranischer Raumschiffe herum. Hier erreicht der Kraftakt detaillierter Raubkopie seinen Höhepunkt. Nicht nur lagern in den Positroniken in Xirashos Tiefen Baupläne nahezu aller galaktischen Völker von Rang und Namen, nein, es handelt sich bei den meisten nicht nur um die Standardmodelle, sondern Xirashos Kern ist die RAS TSCHUBAI! Wie nach einem heftigen Kampf zum Wrack geschossen, ist der Nachbau ein Abbild des über 500 Jahre verschollenen und – wie wir Leser wissen – längst auf der Rückreise von Ancaisin befindlichen Omniträgerschiffes.

Was, warum und wozu? Konnte die RAS TSCHUBAI unter den Augen des Atopischen Tribunals nur wegen ihrer abgeschossenen Attrappe in Ruhe zu Ende gebaut werden und befindet sich nun diese Attrappe in den Außenhänden der Cairaner? Atlan und Extrasinn spekulieren bereits über mögliche Gründe. Wozu etwas vortäuschen? Ist die zum Wrack geschossene RT ein Fanal für das Ende aller Hoffnung auf Rettung durch Perry Rhodan, damit der Friedensbund so tun kann, als ob er die Milchstraße vor den üblen Absichten dieses Rhodans bewahren konnte? Dient sie als Köder für eine dritte Partei, während über die tatsächliche Mission der echten RT weiterhin Ungewissheit herrscht? Oder ist man doch auf Umwegen informiert worden?

2. Das Trajekt – auch ein Massenmord?

Das sagenhafte Trajekt der Cairaner – es nimmt ungeahnte Konturen an. Man erinnere sich an das Supramentum, (einer) der Schlüssel dafür. Darüber hieß es, es sei „die Lösung für alles. Die Erlösung der Cairaner. Die Erlösung der Milchstraße!”. Das sagte Guckys suizidale Freundin Neseese in 3042 Gucky und der Sternenkonsul. Besteht die Erlösung der Milchstraße in einem massenhaften Exitus? Einem Weltenbrand, den die Atopen mal hätten verhindern sollen?

Das alles steht auf wackligen Beinen, nämlich auf den Aussagen zweier Tomopaten, deren Ehrenhaftigkeit allenfalls berüchtigt ist, nicht aber gewiss. Auch zweifle ich ihre Motivation an: Wozu geben sie gegenüber Atlan all das preis? Es bleibt auch die Frage, woher sie das eigentlich wissen – freizugängliche Handouts der Cairaner waren das sicherlich nicht. Und doch passt es irgendwie ins – verrückte – Bild des angeblichen Friedensbundes, der doch nur Gutes für die Milchstraße will.

Haben die Cairaner deshalb die Tomopaten angeheuert, weil diese im kleinen machen, was der galaxieumspannende Plan der Cairaner zum ureigenen Schutz und zur Flucht bereits vorsieht? Nämlich das Leben einer ganzen Galaxie auszulöschen, damit niemand berichten kann, dass, wie und wohin die Cairaner entflohen sind?

Ich bin angesichts des möglichen Ausmaßes des Trajektes sprachlos. Der Kandidatin Phatom und ihren Häschern den Phersunen entkommen – okay. Mangels Hilfe durch die Kosmokratin Mu Sargai und gleich allen Kosmokraten – okay. Aber aus Vernichtungspanik selbst derart vernichten, eine Spur der Klonexperimente und des Massenmords hinter sich herziehend?

3. Der Wert des Lebens und die Abwägung von Leben

Atlan wird von den Tomopaten vor eine – so schon vielfach erlebte – Qual der Wahl gestellt: Er muss Leben gegeneinander abwägen und auf gewisse Weise eine Triage-Situation auflösen. Nur unterscheidet sich die aktuelle von vergangenen Situationen dadurch, dass sich hier die Tomopaten als Parzen aufspielen, die die Lebensfäden Guckys und Jasmynes in den Händen halten und nur Atlans Wahl abwarten. Doch nach welchen Kriterien wiegt man Leben ab? Nach abgeleisteter Biografie?

Auf Guckys Waagschale liegt „eine Legende. Eine Wohlfühlfigur für Kinder.“ Sie ist einer der raren Relativunsterblichen. Welche Lebensgeschichte umfasst schon 42 Abschnitte? Welcher Vegetarier hat es im Kosmos je so weit gebracht, wenn auch mit wechselhafter militärischer Laufbahn? Noch nie hat es einen Sonderoffizier mit einer solchen Vielfalt an gelehrigen Zusatzausbildungen gegeben, der auch noch episch zu dichten und Standardlehrbücher zu verfassen vermag. Der Ilt ist dank der Kombination von Psigaben in wohl einmalig ausgeprägter Stärke als Überallzugleichtöter und Retter des Universums berühmt geworden und hat als Letzter seiner Art und kosmisches Unikat auch noch namhafte Freunde – nicht zuletzt einen recht umtriebigen Herrn Rhodan sowie den amtierenden Residenten der Liga freier Galaktiker, mit dem es sich der zweite Mann in den Sternenbaronien nicht verscherzen sollte.

Und Jasmyne? Sie ist vorgeblich Atlans Tochter mit einem genealogisch herleitbaren Anspruch auf den Thron der Sternenbaronien. Dann wird sie jedoch durch die erste Genprobe als Atlans Enkelin entlarvt, von der er noch nie gehört hat, die aber den Namen und die Identität seiner Tochter, ihrer Mutter, in sich trägt. Sie ist abhängig vom „Kristallkuss“ des Macairun, verabreicht durch einen Shenpadri der Vecuia. Das sind Erinnerungen wie aus einer Dokumentation, die – wäre sie denn echt – auch nur 100 Jahre zurückreichten. Nur als Tochter Jasmyne da Arigas und Gaumarol da Bostichs müsste sie mindestens 500 Jahre alt sein. Und nun ist sie, wie erwartet, als Klonschöpfung der Cairaner von den Tomopaten enttarnt worden. Ein Klonwesen – ist das kein „wahres Leben“?

Diese Gegenüberstellung ist ein wenig zugespitzt. So wenig man Leben abwiegen kann und sollte, so sehr wäre in zweckorientierter utilitaristischer Abwägung (im Stile der Vulkanier ein Universum weiter) Guckys Rettung und Überleben vorrangig, und er hätte meiner Ansicht nach eindeutig Atlans erste Wahl sein sollen. Doch der entscheidet sich für Jasmyne, aus familiär-emotionaler Rührseligkeit heraus und in der – selbst von der Autorin getragenen – Überzeugung, Gucky könne sich wegen all seiner Qualifikationen schon selber helfen.

WIE BITTE? Wenn er dauerbetäubt, völlig handlungsunfähig und mehrfach gesichert weggesperrt ist, kann man ihm natürlich zwecks Befreiung hastig hinterherjagen. Und bis dahin überlässt man ihn erst mal sich selbst? Das ist ein scheinheiliger Nichtgrund! Anhand welcher mickrigen Indizien kann man denn annehmen, dass er sich an den mörderischen Tomopaten vorbei schon selbst helfen wird?

Fazit zu Xirashos Tiefen

Mit Timberlan und Ondroski gibt es eine in Größenverhältnis und Nettigkeiten an Danger und Kasom gemahnende Kombination, die ein paar schöne Momente hat. Wie Timberlan klaustrophobisch in Xirashos Tiefen hyperventiliert – nun ja. In luftgefüllten Metallkästen durch den lebensfeindlichen Weltraum zu gondeln, sollte ähnlich panisch machen. Es ist rational nachvollziehbar, dass das dennoch emo- und irrational auftreten kann, was ich emotional aber nicht nachvollziehen konnte. Und Atlan wird vom Kummer über Gucky von Kaery Evans „übermannt“, um sich dann von ihr in die unruhige Atmosphäre Xirashos pilotieren zu lassen – Ablenkung aus der Schwäche heraus abwarten zu können.

Dass auf dem jupiterartigen Xirasho vordergründig von den Asaran nach Hyperkristallen geschürft wird, erinnerte mich an die früheren Faktoreien in der Jupiter-Atmosphäre. Doch mit ein wenig drogendealen hat das, was in Xirashos Tiefen angelaufen ist, absolut nichts zu tun.

Im Roman selbst geht es nicht so ruhig zu wie auf dem Titelbild. Atlan und seine Begleiter haben es mit gemeinen Gegnern zu tun, es gibt heftige Kämpfe. So kann man es grob zusammenfassen und unterschlägt dann die galaxissprengenden Enthüllungen, die einschlagen wie ein Galaxiszünder und lebensbedrohlicher sind als eine Negasphäre. Da kann man ja beruhigt sein, wenn man den Kontakt zu den Hohen Mächten reduziert hat – welch lebendiger Friede im Friedensbund.

Aber kann das sein? Ist das nicht ein paar Nummern zu groß, so sehr die Cairaner auch aus blanker Panik völlig fehlkonditioniert nur noch scheinrational, will heißen irrsinnig, handeln? Ich staune aufgrund der Tragweite all dessen und warte ab, was kommende Woche auf einer cairanischen Ausweglosen Straße geschehen wird – GUCKY STIRBT NICHT!


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Dominic Schnettler
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Dominic Schnettler

Dominic ist Jahrgang 1985 und unterstützt unser Perry Rhodan Team mit Rezensionen zur aktuellen Perry Rhodan-Erstauflage. Darüber hinaus sucht er die Antwort nach allem, dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest, grokt bisher aber nichts. Liest dafür aber stetig neuentdeckte SF-Klassiker und ist in den unendlichen Weiten ganz zufrieden

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