Die Geschichte von Avatar – Aufbruch nach Pandora wird in diesem Comic aus der Perspektive von Tsu’Tey nacherzählt.

Tsu’Teys PfadHandlungen

Tsu’Tey ist ein Krieger der Na’vi und mit der Tochter des Stammesführers Eytukan verlobt. Seine wahre Geliebte war allerdings Neytiris Schwester Sylwanin, die von den Himmelsmenschen umgebracht wurde, welche die Heimatwelt der Na’vi ihrer Ressourcen wegen plündern. Der künftige Olo’Eyktan ist daher wenig begeistert, als Neytiri einen der Fremden zum Heimatbaum des Omaticaya-Stammes bringt und sich dann auch noch in ihn verliebt.

In den folgenden Wochen muss Tsu’Tey mitansehen, wie Jake Sully die Gebräuche seines Stammes lernt und sämtliche Prüfungen besteht. Obendrein spannt der Himmelsmensch ihm auch noch seine Verlobte aus, während die anderen Eindringlinge den Heimatbaum zerstören. Zunächst möchte der Na’vi seinem Zorn freien Lauf lassen, doch der alte Olo’Eyktan Eytukan sowie dessen Frau und spirituelle Führerin Mo’at belehren ihn, auf die Zeichen Eywas zu achten und zuerst an den Stamm zu denken.

Nachdem Eytukan bei der Zerstörung des Heimatbaumes getötet wurde, steigt Tsu’Tey zum neuen Stammesführer auf, sieht diesen Anspruch jedoch durch Jake Sully bedroht, als dieser mit dem Flugdrachen Toruk aufkreuzt. Kurz darauf muss er jedoch erkennen, dass Jake die Seiten gewechselt hat, und die einzige Hoffnung im Kampf gegen die technisch überlegenen Himmelsmenschen ist. Er bietet ihm daher an, an seiner Seite in den Kampf zu fliegen.

Die Schlacht gegen die Himmelsmenschen endet zwar mit dem Sieg der Na’vi, fordert jedoch zahllose Opfer. Darunter auch Tsu‘Tey, der Jake Sully mit seinem letzten Atemzug zu seinem Nachfolger ernennt. Er kann ihm sogar verzeihen, dass der Himmelsmensch ihm Neytiri weggenommen hat, denn am Ende ist Tsu’Tey in Eywa wieder mit seiner geliebten Sylwanin vereint.

In der Bonusgeschichte Brüder wird noch einmal die Bändigung der Flugechse Toruk durch Jake Sully nacherzählt, die er aus der Ich-Erzählerperspektive mit den Geschichten vom ersten Pferd Alexanders des Großen sowie der Bändigung von Pegasus durch Bellerophon vergleicht.

Rezension von Avatar – Tsu’Teys Pfad

In vielen Kinos lief Anfang Oktober 2022 noch einmal der erste Teil von Avatar als Warm-up für die Fortsetzung, welche am 14. Dezember in die deutschen Lichtspielhäuser kommt. Wer diese Gelegenheit verpasst hat, kann genauso gut zu diesem Comic greifen, denn im Prinzip ist er eine Nacherzählung des Films. Allerdings ohne die Szenen auf dem Militärstützpunkt der irdischen Invasoren, denn alles wird aus der Perspektive von Tsu’Tey erzählt.

Das macht den Comic um einiges interessanter als es eine 1:1-Adaption gewesen wäre. Diesmal geht es um einen Einheimischen, der lernen muss, zwischen den Himmelsmenschen zu differenzieren, während der Film ausschließlich die Perspektive eines der Invasoren zeigt, der sich in die Kultur der Na’vi verliebt und schließlich die Seiten wechselt. Das umgekehrte Prinzip könnte man sagen.

Zudem gibt es hier gleich mehrere neue Szenen, in denen u. a. zu erfahren ist, dass Neytiri zwar Tsu’Teys Verlobte war, sein Herz aber ihrer verstorbenen Schwester Sylwanin gehörte. Seine anfängliche Abneigung gegen Jake Sully ist dennoch verständlich und ebenso seine Wut gegen die Himmelsmenschen, nachdem diese den Heimatbaum des Omaticaya-Stammes zerstört haben.

Das gute Zureden der beiden Stammesanführer sowie einer Vision von Sylwanin, die er am Seelenbaum hat, dämpfen seinen Zorn, und schlussendlich akzeptiert er Jake Sully als Bruder. Diese Wandlung macht ihn zu einem starken Charakter, der über seine blinde Wut hinauswächst und so zu einem weisen Stammesanführer heranreift. Leider hat er diese Rolle nur kurz inne, bis ihn in der finalen Schlacht ein tragischer Tod ereilt. Mit der letzten Szene, in der er wieder mit Sylwanin vereint ist, schafft es der Comic jedoch, selbst diesem Ende noch etwas Positives abzutrotzen.

Positiv ist auch die grafische Umsetzung hervorzuheben, wobei die Zeichnerin Jan Duursema den Lesern einiger Star Wars-Comics nicht unbekannt sein dürfte. Da diese zu den Highlights der alten Legends-Bände gehören, sollte es nicht verwundern, dass dieser Comic ebenso von ihrem Können profitiert. Der Detailgrad kann sich sehen lassen, wobei insbesondere die Na’vi absolut gelungen sind. Die Charaktere sind allesamt wiederzuerkennen und ihre Posen sowie Gesichtsausdrücke wirken sehr natürlich.

Probleme gibt es zuweilen nur, wenn die Charaktere in kleinerem Maßstab dargestellt werden. Dann fallen die Gesichtszüge deutlich grober aus und die ganz kleinen Na’vi-Darstellungen vor dem Heimatbaum sehen eher aus wie blaue Sternenflottenlogos statt wie humanoide Silhouetten. Des Weiteren sind die Ikran-Flugechsen nicht immer 100%ig gut getroffen, aber insgesamt ist das schon Jammern auf einem sehr hohen Niveau.

Dass es dennoch besser geht, zeigt die Bonusgeschichte Brüder, die einen deutlich höheren Detailgrad aufweist. Obwohl es hier noch weniger Neues zu erfahren gibt, da im Prinzip nur eine Filmszene ausgeweitet wird, lädt allein die Optik schon dazu ein, den Comic bis zum Ende zu lesen. Die Ikrans und der Toruk sehen hier deutlich detaillierter aus als in der Hauptgeschichte und auch die Hintergründe haben einen höheren Detailgrad.

Die Koloration erreicht derweil in beiden Geschichten ein absolutes Spitzenniveau. Das Spiel von Licht und Schatten ist perfekt und sorgt vor allem auf der blauen Haut der Na’vi für eine erhebliche Bildtiefe. Zusätzliche Tiefe erhalten die Bilder durch leicht unscharfe Hintergründe, wobei einige in der Hauptgeschichte fast wie Aquarelle wirken. Es mangelt auch nicht an Leucht- und Glanzeffekten, wobei hier die hellen Glitzerpunkte auf der Na’vi-Haut hervorzuheben sind.

Absolut genial sind die Covergemälde, die teils sogar ohne schwarze Linien auskommen. Die naturalistischen Bilder sind eine wahre Pracht, und vor allem der Ikran auf dem Cover zum Heft Nr. 3 ist ein echter Augenschmaus. Vielleicht wirken die Flugechsen in der Hauptgeschichte mitunter deswegen eher fad, weil sich hier eine weitaus bessere Vergleichsmöglichkeit bietet.

Fazit

Von dem vorliegenden Avatar-Comic sollte besser nicht erwartet werden, dass er die gewaltige Lücke zwischen dem ersten Film und der Fortsetzung füllt. Er ist vielmehr ein Warm-up, welches dazu geeignet ist, die Erinnerung an Aufbruch nach Pandora aufzufrischen. Die neue Perspektive ist dabei durchaus reizvoll und gewinnt der Filmhandlung ein paar neue Facetten ab. Der Hauptgrund, sich diesen Comic zu kaufen, ist jedoch die durchgehend hervorragende grafische Umsetzung. Damit ist er bestens dazu geeignet, sich in die Welt von Avatar hineinzuträumen. Obendrein kann der Softcoverband durch die hohe Verarbeitungsqualität punkten.

Info

Autorin: Sherri L. Smith
Zeichner: Jan Duursema & Doug Wheatley
Farben: Wes Dzioba
Verlag: Panini
Sonstige Informationen: Produktseite

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Warpskala

Warpskala
10 10 0 1
  • Story
    10/10
  • Zeichenstil
    9/10
  • Koloration
    10/10
  • Bonusgeschichte
    10/10
10/10
Total Score

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