Mit seinem nunmehr vierten eigenen Film zieht Spider-Man im MCU mit Thor gleich.
Wird es eine Fortsetzung geben?
Auf Spider-Man war immer Verlass. Auch wenn andere MCU-Filme schwächelten, die Filme mit dem Spinnerich waren Kassenschlager und konnten für Begeisterung sorgen. Doch die Trilogie, die Sony in Zusammenarbeit mit Disney produzierte, fand 2021 mit Spider-man: No Way Home sein Ende. Noch dazu war dies ein bittersüßes Finale, da Peter Parker sein bisheriges Leben opferte, um so die seinen zu schützen. Am Ende war er alleine unterwegs.
Natürlich schrie dies nach einer Fortsetzung. Und es gab bereits ab 2019 Pläne, eine solche zu drehen. Wobei man seitens der Studios daraufsetzte, dass nicht der bekannte Cast zurückkehren würde. Sondern ebenso der Regisseur der bald endenden Film-Trilogie, Jon Watts.
Es wurden viele Ideen durch den Raum geworfen. Tom Holland, der dieses Mal mehr in die Produktion involviert war, war sich eine Zeit lang unsicher, ob er überhaupt die Hauptrolle wieder aufnehmen sollte. Ob es nicht besser wäre, eine neue Generation heranzuführen, in dem man beispielsweise Miles Morales, einen anderen Spider-Man aus den Comics, einführen sollte. Doch war dies nur ein Gedanke von ihm.
Ein Streik zu rechten Zeit
Letzten Endes mussten sämtliche Produktionsarbeiten sowieso erst mal pausiert werden, als es 2023 zum Streik der Drehbuchautoren kam. Als dieser vorbei war, wurde die Produktion neu gestartet. Und es wirkte so, als ob diese Zwangspause Wunder bewirkte. Tom Holland war erneut daran interessiert, die Rolle wieder aufzunehmen und einen Spider-Man darzustellen, der deutlich älter war. Und so schlug er den Studios zwei Ideen vor. Eine war, dass Peters Kräfte eine Art Pubertät durchliefen, sich also extrem veränderten. Eine andere war, dass er eine Art Hund als Haustier erhalten würde. Letztere wurde dann allerdings schnell nicht mehr weiter verfolgt.
2024 war man seitens Marvels auf der Suche nach Drehbuchautoren und Regisseuren. Jon Watts Rückkehr stand in Frage, da sein Schedule sehr voll war, weshalb seine Absage am Ende kein Wunder war. Gleichzeitig wollte man seitens der Studios den Skriptautoren die nötige Zeit geben, damit sie nach dem Streik eine gute Arbeit abliefern würden. Außerdem stand im Raum, dass vielleicht Zendaya zu dem Zeitpunkt, wo die Dreharbeiten stattfinden würden, ihre Rolle als MJ nicht wieder wahrnehmen könnte.
Die Suche nach dem neuen Regisseurs sollte schon bald beendet sein, auch wenn der Nachfolger offiziell noch lange Zeit nicht unterschreiben sollte. Der Nachfolger sollte Destin Daniel Cretton sein, der für Marvel zuvor Shang-Chi drehte und in die Entwicklung von Wonder Man involviert war. Ebenso sollte er auch Avengers: The Kang Dynasty drehen, doch auf Grund der Verzögerungen bei dessen Produktion trat er von diesem Projekt zurück. Und nach einem Gespräch mit Kevin Feige erhielt er das Angebot, den neuen Spider-Man-Film zu drehen.
Christopher Nolan kann man keinen Gefallen abschlagen
Zu jener Zeit wurden Chris McKenna und Erik Sommers die Drehbuchautoren. Sie hatten schon die Skripte für die ersten drei „Spider-Man“-Filme geschrieben. Und im Prinzip stand damit alles soweit in den Startlöchern. Ehe Christopher Nolan und sein Filmprojekt Odyssey um die Ecke kamen und mit Tom Holland gleich mal den Hauptdarsteller des kommenden Spider-Man-Films in Beschlag nahm. Der fragte deshalb bei Sony nach, ob es möglich wäre, den Produktionsstart um sechs Monate zu verschieben. Was das Studio aus Respekt vor Christopher Nolan auch tat. Übrigens sollten auch Zendaya und John Bernthal Teil dieser Produktion sein.
Für den Film sollte sich dies als Segen erweisen. So konnte noch etwas mehr am Skript gefeilt werden, mit dem Tom Holland noch nicht völlig zufrieden war. Und er und Destin Daniel Cretton konnten schließlich kurz nach der Mitte des Jahres 2025 ihre jeweiligen Verträge unterschreiben. Ebenso stand jetzt auch hundertpro fest, dass Zendaya als MJ wieder zurückkehren würde.
Die Dreharbeiten sollten Mitte 2025 starten. Und im Vorfeld gab es die wildesten Gerüchte, wer Teil des Casts werden könnte. Aber weder Sascha Baron Cohen, noch Charlie Cox noch J. K. Simmons sollten ihre jeweiligen MCU-Rollen wieder aufnehmen.
Viele bekannte Gesichter
Stattdessen sollten neben Tom Holland und Zendaya auch Jacob Batalon zurückkehren und seine alte Rolle als Ned Leeds wieder aufnehmen. Aus Spider-Man: Homecoming sollte Michael Mando seine Rolle als Scorpion wieder wahrnehmen, ebenso, wie Zabryna Guevara ihre Rolle als die Bürgermeisterin von New York Sheila Rivera aus Daredevil: Born Again wieder übernehmen sollte. Überraschenderweise sollte auch Marisa Tomei aka May Parker zurückkehren, obwohl ihre Figur in No Way Home ums Leben kam. Deutlich prominenter war die Rückkehr von Jon Bernthal als Frank Castle, aka der Punisher. Für ihn und seine Rolle sollte dies die Feature-Film-Premiere sein. Ein MCU-Veteran war natürlich Mark Ruffalo als Bruce Banner, aka der Hulk. Auch Florence Pugh sollte als Yelena Belova einige Szenen kriegen. Neu zum Cast stießen Sadie Sink (Stranger Things), die für ihre Rolle nicht vorsprechen musste, sondern direkt gecastet wurde. Und Tramell Tillman (Severance) sollte als William „Bill“ Metzger, der Leiter von dem Department of Damage Control, den Maincast abrunden.
Vier Jahre sind vergangen, seitdem der Zauber von Stephen Strange die Welt vergessen ließ, dass Peter Parker Spider-Man ist. Seit jener Zeit hat dieser sich voll und ganz in sein Leben als Superheld gestürzt, wobei er das Leben seiner Geliebten und Freunde über Social Media verfolgt. Als Held wird er von der Stadt geehrt und gefeiert, auch wenn Detective DeWolfe sich um ihn sorgt.
Dann rast eines Tages ein Panzer durch die Straßen der Stadt, verfolgt von Frank Castle. Es gelingt Peter, zuerst den Punisher zu stoppen und anschließend den Panzer, als dieser in ein Gebäude von Damage Control kracht. Doch es stellt sich heraus, dass die Fahrerin übernommen worden ist und die eigentliche Person von Körper zu Körper springt, um so die Flucht von Marc Gagan zu ermöglichen. Peter stellt deswegen Nachforschungen an und muss schon bald feststellen, dass das Leben der seinen gefährdet ist. Ein ungünstiger Zeitpunkt, weil nämlich parallel dazu sich sein Körper anfängt, zu verändern und seine Kräfte sich weiterentwickeln.
Applaus, Applaus!
Als ich mir den Film im Kino angesehen hatte, geschah am Ende etwas, was ich noch nie zuvor mitgekriegt hatte. Die Zuschauer im gut gefüllten Kinosaal fingen an, als die Credits liefen, zu applaudieren. Anscheinend hatte Spider-Man: Brand New Day ihnen sehr gut gefallen.
Wobei ich selbst ursprünglich mit etwas Bauchschmerzen in den Film reinging. Denn ich hatte im Vorfeld mitgekriegt, dass gleich mehrere klassische Spider-Man-Schurken gecastet worden waren, darunter auch Tombstone, der im Kinofilm von Marvin Jones III dargestellt wurde. Ich befürchtete, dass hier derselbe Fehler wie in Spider-Man 3 oder The Amazing Spider-Man 2 gemacht werden würde: Das zu viele Antagonisten eingebaut werden würden, die sich und der Handlung gegenseitig die Luft zum Atmen wegnahmen.
Doch meine Befürchtung sollte sich schnell als umsonst herausstellen. Ja, es gibt viele Bösewichte im Film. Der Großteil von diesen sollte allerdings keine wirkliche Rolle spielen, sondern nur schmückendes Beiwerk sein. Was in diesem Fall nicht negativ gemeint ist.
Man wird aufs Glatteis geführt
Im Grunde genommen hatte der Film zwei Antagonisten, wobei er bezüglich der Identitäten dieser den Zuschauer aufs Glatteis führte. Und das nicht nur einmal, sondern derer gleich mehrere Male.
Dabei ist Spider-Man: Brand New Day ein vollkommen anderer Spider-Man-Film, als seine Vorgänger. Er ist zwar noch deutlich im MCU eingebettet. Aber er ist im Vergleich geerdeter, begrenzter. Tom Hollands Peter Parker ist dieses Mal jemand, der versucht, mit den Entscheidungen, die er früher getroffen hat, fertig zu werden. Der sich deshalb einerseits voll und ganz in seine Karriere als Superheld stürzt. Aber andererseits auch insgeheim seinen Freunden und vor allem seiner Geliebten nachtrauert und sie deshalb förmlich über Social Media stalkt. Der zwischen zwei Welten wankt: der von Peter Parker und der von Spider-Man. Was natürlich ein enormer Druck ist, der auf ihn lastet.
Dieser geerdete Spider-Man drückt sich übrigens ebenfalls bei seinem Kostüm aus. Es wirkt deutlich comicnäher als die früheren Outfits, die der MCU-Peter Parker getragen hat. Es erinnert, im positiven Sinne, sehr an die Tobey Maguire-Outfits.
Wenn mehr Lebensjahre sich positiv bemerkbar machen
Man merkt diesem Film an, dass Tom Holland älter geworden ist, Erwachsener. Denn so kann er seinen Peter Parker glaubwürdig darstellen. Man sieht ihm den seelischen Schmerz an, wenn er sieht, wie MJ und Ned Leeds am MIT studieren. Und dass er nicht bei ihnen sein kann. Weil er sie nur so schützen kann.
Weshalb dann ebenfalls das Auftauchen von Sadie Sinks Figur zum Anlass für Veränderungen wird. Denn ihre Figur bedroht seine Freunde und vor allem MJ. Weshalb Peter sie versucht, in Sicherheit zu bringen, auch wenn sie zwischendurch Mary Jane übernimmt und der Charakter von Sadie Sink dabei mit den Gefühlen von Peter Parker spielt. Noch nie hat man eine Figur so sehr dafür gehasst.
In jedem Fall merkt man, wie Peter in der Gegenwart von MJ etwas aufblüht, auch wenn er immer noch peinlichst darauf achtet, dass sie sein Gesicht nicht sieht. Wobei es es zu einer wundervollen Szene kommt, in der er im vollen Spider-Man-Outfit wieder in der Präsenz von Ned Leeds und MJ ist und man zum ersten Mal sieht, wie er sich entspannt. Wie er es genießt, erneut mit ihnen zu interagieren, auch wenn dies immer noch unter dem Schutz seiner Maske ist. Da merkt man, wie sehr er sein soziales Leben vernachlässigt hat.
Wenn das gefühlte Finale dann doch kein Finale ist
Dabei schafft es der Kinofilm, den Zuschauer gleich mehrere Male aufs Glatteis zu führen. Das betrifft sowohl Sadie Sinks Figur, wie auch, wie der Film aufgebaut worden ist. Es gibt einen großen Kampf, der wie ein Endfight inszeniert wird. Und der mit dem Sieg des Heldens endet. Man hat dann das Gefühl, dass es jetzt zu Ende geht. Dass es ein bittersüßes Finale wird, weil nicht alles endgültig aufgeklärt ist und Peter immer noch einsam ist. Das vermutlich die offenen Plots irgendwann in der Zukunft weitergeführt werden.
Ehe dann „Spider-Man: Brand New Day“ klar macht, dass es eben noch nicht zu Ende ist. Dass es doch noch weitergeht. Und dass das, was jetzt noch kommt, das eigentliche Finale ist.
Und das ist dann ebenfalls der Moment, wo sich alles verändert. Und an dieser Stelle muss ich eine Spoiler-Warnung aussprechen, auch wenn das Geheimnis um Sadie Sinks Charakter eines der am schlechtesten gehüteten war. Aber dennoch, SPOILER!
Spoiler-Warnung
Immer noch der Punisher
Worum ich mir im Vorfeld auch Gedanken gemacht habe, war, wie gut oder schlecht Frank Castle eingebaut werden würde. Denn alle Auftritte, die die Figur vorher hatte, waren vor allem eins: Brutal und mit einem hohen Bodycount „gesegnet“. Doch es war klar, dass sich dies nicht eins zu eins in einen Film wie Spider-Man: Brand New Day übertragen ließe, der ja vor allem Familien mit Kindern ansprechen sollte. Ob nicht durch diesen Auftritt der Charakter verwässert werden würde?
Doch merkt man hier, dass sich Gedanken gemacht wurde. Es mag sein, das Frank hier keine Leute umbringt oder sich blutige Kämpfe liefert. Er ist jedoch immer noch spürbar derselbe Punisher, wie man ihn aus den Serien her kennt. Er ist grob, traumatisiert und paranoid. Allerdings gleichzeitig ebenfalls einer, der das Herz am rechten Fleck hat. Der, trotz allem, die anderen Helden respektiert, auch wenn sie ihm stellenweise sehr auf die Nerven gehen. Und vor allem für das eigentliche Finale ist er unerlässlich. Die Charakterisierung stimmt hier also.
Eine tragische Figur
Bei Mark Ruffallo hingegen war klar, dass man sich da keine Gedanken machen muss. Seine Figur hat sich über all die Auftritte, die sie im MCU hatte, enorm gewandelt. Hier in diesem Film lernt man jemanden kennen, der dank eines Apparats wieder unter Menschen kann. Der es genießt, mit Studenten zu interagieren, auch wenn ihre Fragen mit seinem Lehrfach nichts zu tun haben. Und der im gesamten Film die tragischste Figur ist. Weil im Prinzip das geschieht, vor dem er sich am meisten fürchtet. Er verliert die Kontrolle und zwar so sehr, dass nach langer Zeit wieder der Savage Hulk auftritt. Es tut einem in der Seele weh, wenn man dies mitkriegt, vor allem auch deshalb, weil sein letzter Auftritt einen Bruce Banner zeigt, dessen Psyche vollkommen am Boden ist.
Das sind alles Figuren, die mit der Heldenseite, mit Spider-Man zu tun haben. Doch wie sieht es mit der privaten Seite aus?
Ned Leeds spielt in diesem Film keine große Rolle, außer, der mega Spider-Man-Fanboy zu sein und ansonsten Comedy Relief zu sein. Erst in der letzten Szene gewinnt er an enormer Bedeutung.
Wer ist Peter Parker?
Anders MJ. Sie ist es, nach der sich Peter am meisten sehnt. Man merkt, dass er sie immer noch liebt und deshalb alles tut, um sie zu schützen. Weshalb auch der Moment, wo sie von Sadis Charakter übernommen wird, so ein Stich ins Herz ist. Weil man sich erhoffte, dass die beiden wieder zusammen kommen. Doch dem ist in diesem Augenblick dann doch nicht so.
Und doch ist Mary Jane mehr als nur das Objekt von Peters Begierde. Sie wird als klug und selbstbewusst dargestellt. Die ihrem ehemaligen Geliebten immer wieder entscheidende Impulse gibt, womit er wichtige Entdeckungen oder Entscheidungen macht. Und ihr Selbstbewusstsein zeigt sich dann auch später, als sie den Liebesbrief von Peter entdeckt und ihn damit konfrontiert. Um ihn zu sagen, dass sie ihn nicht liebt. Aber sie sind wohl gute Freunde. Wobei ihr letzter Auftritt andeutet, dass das ggf. nicht stimmen könnte. Sie wird grandios dargestellt.
Das große Thema des Films ist also, wer ist Peter Parker? Ist er Spider-man oder ist er er selbst? Dass sich seine Kräfte so weiterentwickeln kann man als unbewussten Wunsch interpretieren, nur noch als Held aktiv zu sein, wofür er sie dann ja auch besonders braucht. Doch bewusst arbeitet er ja dagegen an. Er sieht es eher als Hindernis, denn als Hilfe. Schließlich sind seine ersten Gehversuche mit seinen erweiterten Fähigkeiten alles andere als motivierend. Am Ende trifft er allerdings eine Entscheidung, die zu der Figur passt und auch großartig ist.
Geerdet
Spider-Man: Brand New Day ist großartig ins MCU eingebettet. Das zeigt vor allem der Auftritt von Florence Pugh, die man immer nur in ihrem „Büro“, einer Art russischen Sauna sieht. Aber das gilt auch für die Auftritte von Frank Castle und Bruce Banner. Doch anders, als in den früheren Filmen ist dies nur Schmuck, aber nicht, wie der Auftritt von Tony Stark in Spider-Man: Homecoming, ein bestimmendes Element.
Stattdessen steht der Film für sich selbst. Er ist geerdeter, bodenständiger. Und das tut ihm verdammt gut. Ebenso, wie die ganzen Anspielungen auf die Comics, wo sogar ikonische Cover nachgestellt werden. Das freut das Herz eines Comicfans.
Unterm Strich: Ein grandioser, ein fantastischer und ein wunderbarer Film! Nicht nur einer der besten, den das MCU in der letzten Zeit fabriziert hat. Sondern auch allgemein und innerhalb der Spider-Man-Filme an sich. Weshalb man es kaum erwarten kann, bis Peter Parker erneut auftreten wird. Das wird in Avengers: Doomsday sein, wobei es nicht verwundern würde, wenn der nächste Spider-Man-Film ebenfalls bald kommen wird.
Übrigens ist mit diesem Film Spider-Man mit Thor gleichgezogen. Er hat jetzt genauso viele Solofilme, wie der Donnergott.
Info
Regie: Destin Daniel Cretton
Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers
Produktion: Kevin Feige, Amy Pascal, Avi Arad, Rachel O’Connor
Musik: Michael Giacchino
Kamera: Brett Pawlak
Schnitt: Nat Sanders, Gina Sansom, Harry Yoon
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