Dieser Film sollte den Beginn des Abschlusses einer großen Storyarc darstellen, die vor Jahren anfing.
Nötige Änderungen
Als Iron Man 2008 herauskam, hätte sich vermutlich niemand träumen lassen, was aus diesem Film entstehen würde. Es sollte die Basis für ein einzigartiges Filmuniversum sein, das im Laufe von zehn Jahren und 18 Filmen langsam aber sicher eine große Geschichte erzählte. Die im 19. Film, der passend zum zehnjährigen Jubiläum von Marvel Studios herauskommen sollte, einen ersten Höhepunkt erreichen sollte. Der Name dieses Kinofilms war Avengers: Infinity War.
Wobei der Titel ursprünglich anders heißen sollte. Der Name des Films hieß nämlich, als er im Oktober 2014 angekündigt wurde, Avengers: Infinity War Part 1, wobei Part 2 für ein Jahr später, also für den 3. Mai 2019, geplant war. Als Regisseure wurden Anthony und Joe Russo vorgestellt, die zuvor mit The First Avenger: Civil War bewiesen hatten, dass sie in der Lage waren, Kinofilme mit einem großen Cast zu drehen. Für das Drehbuch wurden Christopher Markus und Stephen McFeely angeheuert, die zuvor unter anderem die Skripte für alle drei Captain America-Filme aber auch Thor: Tag der Entscheidung verfasst hatten.
Es sollte dann noch 2016 eine Namensänderung durchgeführt werden. Denn Kevin Feige meinte, dass die Filme zwei verschiedene Projekte seien, die eben „nur“ gewisse Elemente miteinander teilen würden. Weshalb sich die Russo Brüder dazu entschlossen, sie umzubenennen. Aus Avengers: Infinity War Part 1 wurde Avengers: Infinity War, derweil Avengers: Infinity War Part 2 in Avengers: Endgame umgetauft wurde.
Ein langwieriger Weg zum Skript
Christopher Markus und Stephen McFeely begannen während Captain America: Civil War mit den Vorbereitungen für ihr Drehbuch. Sie lasen viele verschiedene Comics und schrieben erstmal verschiedene Ideen auf, die sie dann mit Marvel Studios diskutierten. Danach erschufen sie diverse Szenen, die sie mit im Film haben wollten, wie etwa, der Moment, wo Thanos alle Infinity Steine das erste Mal nutzte. Und als dies alles fertig war, fingen sie im Januar 2016 damit an, das eigentliche Drehbuch zu schreiben.
Wobei sie nicht sofort mit dem eigentlichen Schreibprozess starteten. Stattdessen nahmen sie zahlreiche Szenen ihres ursprünglichen Konzepts, arrangierten sie neu und dann schrieb jeder für sich ein paar von denen. Das Ergebnis kombinierten sie anschließend jeweils am Ende der Woche miteinander. Sie bezeichneten diesen Vorgang als lang und repetitiv, betonten allerdings ebenfalls, dass er aber auch etwas Gold innehatte. Außerdem arbeiteten sie immer nur an einem Filmskript an einem Tag. Letzten Endes sollten sie bis Ende 2016 sechs verschiedene Entwürfe eingereicht haben, zu denen sie Anmerkungen erhielten, die sie dann im jeweils nächsten einbauten.
Dabei sollten auch die Regisseure der Filme der dritten MCU-Phase Feedback geben. Vor allem James Gunn legte sehr viel Wert darauf, dass die Guardians of the Galaxy richtig dargestellt wurden. Doch am meisten Arbeit sollte die Charakterisierung von Thor sein. Ursprünglich wurde er ernst dargestellt, allerdings war Chris Hemsworth durch die Dreharbeiten von Thor: Tag der Entscheidung auf den Geschmack gekommen und wollte eine eher komödiantische Darstellung haben. Was dann in Avengers: Endgame umgesetzt werden sollte.
Aus dem Vollen
Das Skript zu Infinity War war konstanten Änderungen unterworfen, da, als die Dreharbeiten losgingen, jeder Input geben konnte. Das geschah vor allem deshalb, damit Nachdrehs dann geschehen konnten, wenn die entsprechenden Schauspieler vorhanden waren. Hatte allerdings auch zur Konsequenz, dass das Skript zu Avengers: Endgame als die Drehzuarbeiten zu Infinity War fertig waren, noch nicht fertiggeschrieben war.
Und es sollte noch umfangreiche Nachdrehs passieren. Diese geschahen im Juli 2017. Disney selbst verlegte kurz darauf noch das Erscheinungsdatum des Films von März auf den 27. April 2017, damit der Film weltweit zeitgleich in die Kinos kommen sollte.
Die Drehbuchautoren konnten, was die Wahl der Figuren anging, im Prinzip aus dem vollen schöpfen. Im Laufe der Jahre wurden um die 67 Charaktere erschaffen, von denen am Ende „nur“ 23 auftreten sollten. Die dann noch dazu in verschiedene Gruppen aufgeteilt wurden.
Auf der Jagd nach den Infinity-Steinen
Ihre Rollen wiederaufnehm, sollten vor allem folgende Schauspieler: Robert Downey Jr, Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Chris Evans, Scarlett Johansson, Benedict Cumberbatch, Don Cheadle, Tom Holland, Chadwick Boseman, Paul Bettany, Elizabeth Olsen, Anthony Mackie, Sebastian Stan, Tom Hiddleston, Idris Elba, Benedict Wong, Pom Klementieff, Karen Gillan, Dave Bautista, Zoe Saldana, Vin Diesel, Bradley Cooper, Gwyneth Paltrow, Benecio Del Toro, Josh Brolin und Chris Pratt. Neu zum Maincast sollte Peter Dinklage hinzukommen, der den Zwerg und Waffenschmied Eitri darstellen sollte. Außerdem müssen noch die Kinder von Thanos erwähnt werden. Terry Notary stellte Cull Obsidian dar, Tom Vaughan-Lawlor Ebony Maw, Carrie Coon Proxima Midnight und Michael James Shaw Corvus Glaive. Alle vier sollten das MoCap und die Stimmen der Charaktere machen, wobei Carrie Coon zum Zeitpunkt der Dreharbeiten schwanger war. Weshalb sie nur für das Gesicht und die Stimme verantwortlich war. Der Körper wurde durch die Stuntfrau Monique Ganderton dargestellt.
Nachdem Thanos den Machtstein von Xandar geholft hat, greift die überlebenden Asgardier an. Er und seine Leute wischen jeglichen Widerstand beiseite, ehe der Titan aus dem Tesserakt den Space Stone holt. Dabei überwältigt er Thor, tötet Loki, wischt mit dem angreifenden Hulk den Boden auf und verletzt Heimdall schwer. Der kann Bruce Banner mit letzter Kraft zur Erde schicken, um diese zu warnen.
Doktor Banner kracht ins Sanctum Sanctorum und informiert Dr. Strange und Wong über Thanos. Diese rekrutieren Tony Stark und erzählen im alles. Und gerade, als er überlegt Steve Rogers über dessen Handy anzurufen, greifen Ebony Maw und Cull Obsidian New York an, um an den Zeitstein zu kommen, der im Besitz von Dr. Strange ist. Sie entführen ihn, doch unbemerkt von ihnen können auch Tony und Peter Parker sich an Bord ihres Schiffes schleichen.
Vorfreudige Anspannung
Die anderen Kinder von Thanos machen sich derweil auf die Jagd nach den anderen Infinity-Steinen. Einer von denen, der Gedankenstein, befindet sich in der Stirn von Vision, der gemeinsam mit Wanda in Edinburgh unterkommen ist. Und gerade, als sie kurz davor sind, diesen Stein an sich zu reißen, greift Steve Rogers ein. Womit der Konflikt jedoch nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben ist.
Als Avengers: Infinity War damals, 2018 in die Kinos kam, war die Vorfreude und Anspannung groß. Schließlich sollte dies der Anfang des Abschlusses von zehn Jahren Marvel Cinematic Universe sein. Ob und wie sollte es diesem Film gelingen, die doch stellenweise sehr verschiedenen, vorherigen Filmabenteuer und ihre jeweiligen Figuren unter einem Hut zu bringen? Wie sollte er dem Humor der Guardians of the Galaxy gerecht werden oder dem Afrofuturismus von Black Panther? Wie sollen 23 unterschiedliche Figuren unter einem Hut gebracht werden?
Am Ende lautete das Fazit, dass der Film es hinkriegt. Diese mühsame und kleinteilige Arbeit, die sich die Drehbuchautoren machten, zahlte sich aus. Ebenso, dass sie ebenfalls wiederholt Input der anderen Regisseure mit ins Skript einfließen ließen. So wirkte das Endergebnis wie aus einem Guss, auch wenn die Einzelteile zunächst nicht passend erschienen.
Jeder kriegt seine Szene
Zu verdanken ist dies auch der Tatsache, dass Avengers: Infinity War sich nicht von der Masse an Figuren einschüchtern ließ. Sondern jedem Charakter mindestens eine Szene gab, die ihm persönlich gehörte und wo er glänzen konnte. Natürlich waren einige Figuren wichtiger, als die anderen. Aber es entstand nie das Gefühl, dass Figuren nur bloße Staffage waren. Genauso, wie er auch dem teils sehr unterschiedlichen Humorstil berücksichtigt. Was man unter anderem an Szenen sieht, wie, als Rocket versucht, den mechanischen Arm von Bucky Barnes zu ergattern.
Und von Anfang an machte der Film klar, was auf dem Spiel stand. Es wurde gezeigt, wie stark und gefährlich Thanos und seine Leute waren, als sie mit den Asgardianern und dem Hulk den Boden aufwischten, ohne, dass diese eine Chance hatten, sich zu wehren. Auch der Tod von Loki und Heimdall sollte dies unterstreichen, da hier Figuren ums Leben kamen, die sich zuvor als Überlebenskünstler erweisen sollten.
Der Film ist dabei von Thanos Jagd auf die Infinity-Steine geprägt. Ein ums andere Mal zeigt sich, wie gnadenlos er hierbei vorgeht. Und mehr als ein Mal macht der Film Hoffnung, dass den Helden es doch irgendwie gelingt, dem Titanen eins auszuwischen. Nur um anschließend festzustellen, dass er ihnen mindestens einen Schritt im Vorraus war. Besonders dramatisch zeigt sich das, als er den Realitätsstein von dem Collector holt und die Guardians ihn scheinbar besiegen. Nur um dann festzustellen, dass dies eine Illusion war, die er mit Hilfe des Steins erschaffen hat.
Im Hintertreffen
Von Anfang an sind die Helden im Hintertreffen. Ihre stärksten Waffen und Mittel, darunter auch der Hulk, sind nutzlos. Und Gefühle spornen Thanos eher an, was man daran sieht, als er Gamora, eine seiner Ziehtöchter, die ja eine besondere Verbindung zu ihm hat, quasi unter Tränen opfert, um an den Seelenstein zu kommen.
Sie können nur auf Thanos reagieren, statt zu agieren. Und je länger der Film dauert, desto verzweifelter wirken ihre Aktionen. Was auch daran liegt, dass die Helden versprengt sind. Sie bilden kleine Grüppchen, können sich aber nicht vereinen, weil sie stellenweise sehr weit verteilt worden sind. Sie wirken hilflos in ihren Anstrengungen, irgendwie einen Weg zu finden, doch noch siegreich zu sein. Und sind dafür bereit, auch stellenweise große Opfer einzugehen.
Das sieht man besonders bei Wanda Maximoff. Der Film baut ihr Versprechen an Vision ein, ihm im Zweifelsfalle den Seelenstein zu entfernen, auch, wenn ihn dies töten würde. Es wird eine falsche Hoffnung aufgebaut, als sie in Wakanda sind und T’Challas Schwester Shuri meint, dass es eine Möglichkeit geben würde, an den Stein zu kommen, ohne Vision zu töten. Die sich dann aber am Ende als trügerisch erweist, als Thanos angreift.
Ein Ende wie ein Schlag
Diese Schlacht ist der Actionhöhepunkt des Films. Zu sehen, wie die diversen Helden und Schurken aufeinanderprallen, ist ein Highlight. Wo dann einer der Höhepunkte ist, als Thor mit einer neuen Waffe und Groot auftaucht, um auf der Seite der Helden einzugreifen und so das Blatt scheinbar zu wenden.
Doch dann kommt das Ende. Und das ist ein Schlag in die Magengrube. Man kriegt mit wie Dr. strange Thanos freiwillig den Zeitstein gibt, weil er nur eine einzige Möglichkeit auf den Sieg sieht. Wie anschließend die diversen Helden um Tony Stark versuchen, ihm den Handschuh zu entreißen. Und die scheitern, weil im entscheidenden Moment Star Lord die Gefühle durchgehen. Mit der Konsequenz, das Thanos schnippsen kann. Und man überall auf der Welt sieht, wie Leute sich in Staub verwandeln und verschwinden. Um dann in einer der letzten Einstellungen zu sehen, wie ein Schwerverletzter, aber zufriedener Thanos sich auf einer fernen Welt auf eine Farm begibt.
Hier zeigt sich der Mut der Filmemacher. Weil sie zum ersten Mal im bisherigen MCU den Schurken erfolgreich sein und die Helden unterlegen lassen. Am Ende ist Thanos als eine Art Naturgewalt zu verstehen, die sich durch nichts und niemanden stoppen lässt. Vor allem nicht von irgendwelchen Heroen.
Wie wird es weitergehen?
Und am Ende steht die Frage, wie es weitergehen soll. Dass es weitergehen wird, zeigt die Postcreditszene mit Nick Fury und Mariah Hill. In der Fury einen Beeper aktiviert, anscheinend um ein bislang unbekanntes Ass im Ärmel herbeizurufen. Wer das sein wird, zeigt dann der nächste Film in der dritten MCU-Phase.
Eigentlich ist dies ein gelungener Film. Er macht Spaß, ist unterhaltsam und sehr spannend. Allerdings gibt es einige Stellen, wo die CGI-Effekte sehr schwach aussehen. Wie etwas, als Bruce Banner, dessen Hulk sich aus Angst vor Thanos nicht zeigen will, die Hulkbuster-Rüstung nutzt. Das ist dann ein kleiner Minuspunkt in einem ansonsten sehr guten Film.
Info
Regie: Anthony Russo, Joe Russo
Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely
Produktion: Kevin Feige
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Trent Opaloch
Schnitt: Jeffrey Ford, Matthew Schmidt
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