Dark Fate versucht, den Fluch des Terminator-Franchises zu brechen.

Ein neuer Anlauf

Es scheint so, als ob über der Terminator-Filmreihe ein Fluch liegt. Alle Versuche, an den Erfolg von Terminator 2 – Tag der Abrechnung anzuknüpfen waren mehr oder weniger gescheitert. Terminator 3 – Rebellion der Maschinen konnte zwar qualitativ überzeugen, enttäuschte allerdings an den Kinokassen. Versuche, das Franchise mit Terminator – Die Erlösung und Terminator – Genisys neu zu starten, waren hingegen auch qualitativ ein Flop. Und dabei war geplant, dass die beiden letztgenannten Filme jeweils der Beginn einer neuen Filmtrilogie sein sollten.

Mit Terminator – Dark Fate sollte ein neuer Versuch unternommen werden. Und dieses Mal wollten die Verantwortlichen von Anfang alles richtig machen. Das fing schon mit der Wahl des Regisseurs an. Tim Miller hatte zuvor mit seinem Regiedebut Deadpool für Aufsehen gesorgt. Und eigentlich sollte er auch bei der Fortsetzung Regie führen, verließ auf Grund kreativer Differenzen mit dem Hauptdarsteller Ryan Reynolds das Projekt. Stattdessen beschloss er, sich des Terminator-Franchises anzunehmen.

Eine seiner Bedingungen für das Projekt war, dass Schöpfer James Cameron mit in die Produktion involviert sei, was auch geschah. Jener arbeitete vor allem in der Vorproduktion und der Erstellung des Drehbuchs mit und setzte sich dafür ein, dass Arnold Schwarzenegger seine Rückkehr feiern würde, weil er mit dem Schauspieler befreundet war. Und das, obwohl andere Filmemacher Tim Miller sagten, dass er das Projekt ohne den ursprünglichen Terminator-Darsteller machen sollte. Am Ende setzte sich Cameron durch.

Der Wunschzettel wird abgearbeitet

Was außerdem feststand, war, dass die Story von Terminator – Dark Fate die Geschichte der letzten drei Filme ignorieren würde. Hierzu meinte James Cameron, dass man vorgeben würde, dass diese Kinofilme ein schlechter Traum seien oder eine alternative Zeitlinie, was in ihrem Multiversum durchaus zulässig sei. Dabei sollte der Film der Start einer Trilogie sein, in der Schwarzenegger den Staffelstab an andere weitergeben würde.

James Cameron sollte übrigens auch in die Schöpfung des Drehbuchs stark integriert sein. Wobei Regisseur Tim Miller die Grundlage legte: Er fragte vorab eine Gruppe von Buchautoren, wie man das Franchise neu starten könne. Und Joe Abercrombie schlug die Erschaffung einer weiblichen Figur vor, die halb Mensch, halb Maschine ist.

Das erste Skript von Terminator – Dark Fate verfasste hingegen David S. Goyer (Blade Trinity). Als er sich anderen Projekten widmen musste, überarbeitete Billy Ray die Arbeit und schrieb einen Großteil des Drehbuchs neu. Auch Tim Miller selbst war mit in die Arbeit involviert, bei der er sich vor allem um die Actionszenen kümmerte. Denn James Cameron hatte eine Liste von Action-Szenen, die er schon immer mal drehen wollte, und von denen einige anschließend ins Skript integriert wurden.

Streitigkeiten gehören zum kreativen Prozess dazu

Als der Drehbeginn näherrückte, hatte der Produzent außerdem das Gefühl, dass das Skript verbesserungsbedürftig war, und führte diese entsprechenden Veränderungen selbst durch. Dabei hatte er außerdem noch einige Differenzen mit dem Regisseur, die er jedoch als Teil des kreativen Prozesses abtat. So waren sie sich uneinig, wie die Zukunft aussehen sollte, aus der die Terminatoren kommen sollten.

Für Terminator – Dark Fate kehrten Linda Hamilton und Arnold Schwarzenegger in ihre Rollen zurück. Die Rolle von Grace, einem Supersoldaten aus der Zukunft, übernahm Mackenzie Davis (The F Word). Die Kolumbianerin Natalia Reyes erhielt den Zuschlag für Dani Ramos, die von der Killermachine aus der Zukunft gejagt wird. Diese wiederum wurde von Gabriel Luna zum Leben erweckt. Seine Rolle Rev-9 hatte die Fähigkeit, sich in zwei seperate, autonom handelnde Einheiten aufzuteilen.

Die Story

1998, drei Jahre, nachdem es Sarah und John Connor gelungen war, Cyberdyne Systems zu vernichten, leben sie zurückgezogen in Guatemala. Doch dann taucht ein T-800 auf und tötet John Connor und hinterlässt eine verzweifelte Sarah.

Im Jahr 2020 kommt ein Terminator, ein Rev-9, aus der Zukunft an. Seine Mission ist es, die Arbeiterin Dani Ramos zu töten. Etwas, was Grace verhindern soll. Sie ist ein Mensch, der kybernetisch verbessert wurde. Doch lässt sich ihr Gegenspieler nicht besiegen, weshalb sie im Prinzip mit Dani ständig am Fliehen ist. Bis ihnen Sarah Connor zur Hilfe kommt, die wusste, dass jemand oder etwas aus der Zukunft kommt, und es sich zur Mission gemacht hat, diese Zeitreisenden zu stoppen.

Ein unerklärlicher Flop

Es ist schon fast ein Running Gag bei den Terminator-Filmen, die nach Tag der Abrechnung herauskamen. Sie sollten der Anfang einer neuen Filmtrilogie sein, doch scheiterten sie alle bereits beim Auftakt. Was man, wenn man sich die Filme ansieht, auch stellenweise verstehen konnte. Denn aus dem einen oder anderen Grund konnten sie nicht wirklich restlos begeistern.

Doch bei Terminator – Dark Fate ist es anders. Auch der Film floppte an den Kinokassen. Jedoch lässt sich dieses Scheitern nicht nachvollziehen. Denn der Kinofilm ist jetzt nicht schlecht. Ja er ist sogar nach Rebellion der Maschinen eines der besten Sequels von Tag der Abrechnung.

Man merkt dem Film an, dass die Verantwortlichen ihre Hausaufgaben gemacht hatten. Sie verzichten auf das Zeitreiseelement, was ja mit dafür sorgte, dass Genisys nicht überzeugen konnte. Sie bauen eine Story, die von den Charakterisierungen her glänzen kann, und bereichern den Film mit charismatischen Schauspielern. Woran also lag es, dass der nunmehr sechste Teil scheiterte?

Es gab nicht wenige Stimmen, die meinten, dass es unter anderem daran lag, dass Linda Hamilton und Arnold Schwarzenegger zum Zeitpunkt des Drehs von Terminator – Dark Fate bereits deutlich sichtlich gealtert waren. Etwas, was auch Schwarzenegger selbst mit als Grund für das Scheitern später angab. Doch ist diese Kritik meiner Meinung nach irreführend, weil der Film selbst ja anerkennt, dass die beiden Darsteller gealtert sind. Und er sie dennoch spektakulär in Szene zu setzen weiß, ohne dass es unnatürlich oder widersprüchlich wirkt.

Linda Hamilton als Sarah Connor ist eine zynisch gewordene Kämpferin, die nach dem Tod ihres Sohnes, den sie nicht verhindern konnte, von Rachedurst angetrieben wird. Die Tatsache, dass man über weite Teile des Films sie sieht und nicht Arnold Schwarzenegger, sorgt dafür, dass man sie auch entsprechend näher kennenlernt. Die Jahre der Wut und der Trauer haben sich ihr förmlich ins Gesicht geschrieben, und sie ist eine zynische alte Frau geworden. Es ist, wenn man sich vergegenwärtigt, wie ihre Figur sich von Terminator 1 zu Terminator 2 geändert hat, eine glaubhafte Weiterentwicklung.

Immer noch ein Mensch

Grace ist hingegen in Terminator – Dark Fate mehr als nur ein T-800-Ersatz. Sie ist eine Fanatikerin, die ihr ganzes Leben, ja sogar ihr ganzes Dasein dem Zweck verschrieben hat, Dani zu retten. Dafür ist sie zu einem Cyborg geworden, dafür ist sie auch bereit, ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Mackenzie Davis stellt die Figur dabei einfühlsam dar. Sie ist nicht so rabiat und brutal, wie es Arnold Schwarzenegger in T2 war. Sie ist einfühlsam, aber ebenso zielstrebig.

Natürlich kann man sich wundern, wieso der Film es für nötig hielt, ihre Stärken, ihr Dasein als Cyborg, auch im selben Momenten zu ihrer größten Schwäche zu machen. Denn jedes Mal, wenn sie sie über längere Zeit einsetzt, bricht ihr Körper zusammen und sie muss sich abkühlen und Medikamente zu sich nehmen. Doch ist dies eine clevere Idee der Macher, da sie so verdeutlichen, dass sie, trotz all ihrer Upgrades, immer noch ein Mensch ist und sie so nicht zu übermächtig wirkt. Sie hat trotzdem immer noch jede Menge spektakulärer Szenen, in denen sie glänzen kann, sodass sie nicht Gefahr läuft, von Arnold Schwarzenegger überschattet zu werden.

Und auch hier merkt man, dass die Macher sich Gedanken gemacht haben. Sie lassen ihn erst in der zweiten Hälfte von Terminator – Dark Fate auftreten. Und sie machen klar, dass er zwar ein T-800 ist. Aber nicht jener aus Terminator 2, sondern ein anderer. Einer, der durch die Veränderung der Zeit seine Herkunft verlor, sich ein neues Ziel erschuf und dabei sogar ein Selbstbewusstsein und Gefühle entwickelte. Was eine wunderbare Anspielung auf Tag der Abrechnung ist, wo dem damaligen Terminator dies ebenfalls gelang, wenn auch überwiegend nur deshalb, weil sein Chip entfernt wurde.

Charme ist vorhanden

Es sind solche kleinen Unterschiede, die den Charme des Films ausmachen. Denn einerseits bekennen sie sich klar zu den ersten Terminator-Filmen, nur um andererseits auch ihr eigenes Ding zu machen und gewisse Elemente auf eigene Weise zu interpretieren. Ihr Terminator hat eine überraschende Verbindung zu Linda Hamilton, die ihr Verhältnis zueinander auf den Kopf stellt. Gleichzeitig ist er ein erfolgreicher Geschäftsmann und Familienmensch.

Doch am meisten zeigt sich dies bei Dani. Man lernt sie als einen sehr sozialen Mensch kennen, die sich für die Ihren enorm einsetzt. Es ist schön zu sehen, wie sie im Laufe von Terminator – Dark Fate förmlich gezwungen wird, zu lernen, sich zu verteidigen. Und man meint die ganze Zeit, dass sie deshalb verfolgt wird, weil sie die Mutter des künftigen Rebellenanführers ist, ehe sich die Macher des Films eine Wendung einfallen lassen, mit der man so nicht gerechnet hat.

Denn sie präsentieren eine Zukunft, wo es zwar zu einem Krieg zwischen Mensch und Maschinen kommt, doch dieses Mal haben sich die Dinge geändert. Der Feind ist nicht mehr Skynet, sondern eine Künstliche Intelligenz mit dem Namen Legion. Der Film hält sich nicht damit auf, ihre Herkunft detailliert darzustellen, das wurde vermutlich für eine Fortsetzung geplant. Doch exakt das war eine gute Entscheidung. Weil so mehr als genug Platz bleibt, um das Beziehungsgeflecht Grace, Dani, Sarah und „Carl“ – wie die zivile Identität des Terminators lautet – aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Es fehlt das nötige Quentchen Charisma

Der Gegenspieler ist auch kein normaler Terminator, auch wenn er so aussieht. Er wird Rev genannt und ist eine weitere, logische Weiterentwicklung der bisherigen Terminators. Und, wenn man so will, ist er die Schwachstelle von Terminator – Dark Fate.

Nichts gegen Gabriel Luna, er macht als Rev-9 eine großartige Arbeit. Aber man merkt, dass er sich bei der Darstellung sehr an der Glanzleistung von Robert Patrick aus Terminator 2 orientierte. Er übernimmt viele Eigenheiten des Schauspielers, versäumt es aber, die Rolle als etwas Eigenes zu definieren. Und es fehlt ihm das nötige Quentchen Charisma, um wirklich unvergesslich zu bleiben.

Terminator – Dark Fate gefällt auch deshalb, weil er sich ebenso die Mühe macht, augenscheinliche Plotholes zu erklären. Zum Beispiel, woher Sarah Connor wusste, wo sie hinmusste. Oder wieso „Clarks“ Ehefrau und sein Sohn nicht wissen, was er in Wirklichkeit ist.

Gescheitert an der Erwartungshaltung des Zuschauers

Und natürlich hat der Film einiges an Humor. Etwa wenn Clark schildert, wie er einen Kunden beraten hat. Oder wie er meint, dass sie in Texas sind, weshalb die vielen Waffen, die er gehortet hat, nicht auffallen. Doch wie in den früheren Filmen dient der Humor nur zur Erheiterung und ist nicht essentieller Bestandteil der Handlung.

Das Finale des Films ist eins, das einerseits einen deutlichen Schlussstrich zieht, aber gleichzeitig auch eines, das noch einiges für die Zukunft offen hält. Wobei man sich am Ende fragt, wie es jetzt für einige Figuren weiter gehen soll. Leider sollte es nie zu einer Fortsetzung kommen, da der Film, wie bereits seine Vorgänger, an den Kinokassen floppte.

Am Ende ist Terminator – Dark Fate vermutlich an der Erwartungshaltung der Zuschauer gescheitert. Angesichts der Flops der früheren Filme gingen die meisten Kinogänger davon aus, dass auch dieser scheitern würden, und blieben zu Hause. Was schade ist, da sie damit einen nach langer Zeit wieder exzellenten Terminator-Film verpassten.

 

Drehbuch: David S. Goyer, Justin Rhodes, Billy Ray
Hauptdarsteller:
Linda Hamilton, Arnold Schwarzenegger, Mackenzie Davis, Natalia Reyes, Gabriel Luna, Diego Boneta
Produzent: James Cameron, David Ellison
Regie: Tim Miller

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Götz Piesbergen
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