Zasha Zahn kehrt nach LV-695 zurück, um Dayton zu retten.
Handlung
13 Jahre sind vergangen, seit Zasha Zahn von dem Eismond LV-695 geflohen ist. Die inzwischen erwachsene Frau hat sich unter dem Namen Cole unter die Besatzung des Weyland-Yutani-Raumschiffs Descendant gemischt, welches zu dieser Welt zurückkehrt, um das Wrack der USCSS Boreas zu bergen. Kaum auf dem versunkenen Schiff angekommen, werden die ersten Teammitglieder von einem Xenomorphen angegriffen, doch kann Zasha sie im letzten Moment retten. Zumindest vorerst.
Jan Yutani lässt sie an die Oberfläche des zugefrorenen Sees zurückbeordern, doch bevor er selbst mit seiner Yacht eintrifft, fliegt sie unter einem Vorwand davon. Sie will zur Ruine der Forschungsbasis, die einst ihr Zuhause war, um dort den Androiden Dayton zu bergen. Den will auch Jan Yutani, um seinen Speicher auszuwerten. Als er merkt, wohin Zahn unterwegs ist, weiß er, dass er den Synth nicht im Wrack der Boreas finden wird, und heftet sich der Flüchtigen an die Fersen.
Das Team auf der Boreas wird unterdessen von Xenomorphen überwältigt und endet als Brutkästen für deren Nachwuchs. Das eilig errichtete Camp an der Oberfläche wird ebenfalls von Xenomorphen überrannt, doch schaffen es zwei Teammitglieder noch rechtzeitig, mit einem Schleppschiff zu fliehen. Die beiden schließen sich den anderen Schleppern an, welche die Boreas in den Orbit befördern wollen. Noch ahnen sie nicht, dass an Bord des Wracks längst alle tot sind. Ein Schicksal, welches kurz darauf auch allen anderen blüht, da Albino-Xenomorphe über das Wrack der Boreas die Schleppschiffe herfallen. Die gesamte Flotte regnet in Trümmern herab.
In der verlassenen Basis muss Zasha zuerst Aliens abwehren, wobei ihr der halbierte Dayton hilft. Kurz darauf trifft Jan Yutani mit seiner synthetischen Leibwächterin ein und fordert die Herausgabe von Dayton. Er kennt den Androiden von der Minenkolonie Cloughleigh, wo er 2168 noch unter der Bezeichnung 227-N als Arzt arbeitete. Die anderen Arbeitersynths hatten in den Minen ein Alienei gefunden, wobei ihr menschlicher Vorarbeiter von einem Facehugger befruchtet wurde. Mit dem Alien sympathisierte 227-N zunächst, bis er feststellen musste, dass die Kreatur eine Bestie ist, welche ihm sogleich den linken Arm abgenommen hat.
Jan Yutani wollte das Wesen, obwohl es sich bereits befreien konnte, wieder in Gewahrsam nehmen, woraufhin Dayton es flambiert hat. Nun will Yutani wenigstens die Daten aus Daytons Speicher, doch der hilft erst Zasha, die Leibwächterin auszuschalten, und feuert dann per Funkübertragung eine Rakete von der Descendant auf die Basis ab. Diese soll nicht nur Jan Yutani erledigen, sondern ebenso ein gigantisches Spinnenwesen, welches aus dem kalten See hervorbricht. Zasha könnte entkommen, entschließt sich jedoch, bei ihrem Ersatzvater zu bleiben.
Rezension von Alien – Descendant
Das erste Kapitel springt ins Jahr 2156 zurück und zeigt, wie ein Raumschiffwrack voller Xenomorphe auf den Eismond LV-695 abstürzt. Dort treffen die Aliens auf eine einheimische Spezies von weißen Riesenspinnen, mit denen sie in Konflikt geraten. Trotz deren Größe gelingt es einigen Facehuggern, eines der einheimischen Wesen zu befruchten, woraus sogleich eine fremdartige Albinokönigin entsteht. Diese produziert einen konkurrierenden Alien-Stamm, der sich mit den ursprünglichen Xenomorphen bekriegt.
Mit dieser Einleitung sollen die Albino-Aliens aus dem ersten Band erklärt werden, was aber nicht so ganz funktioniert. Denn in Tauwetter ist mindestens eine der zwei Albino-Drohnen aus einem Menschen geschlüpft, der von einem Facehugger aus dem Nest der ursprünglichen Xenomorphe befruchtet wurde. Das war schon in Band 1 nicht nachvollziehbar und wird auch durch diese nachträgliche Erklärung nicht plausibler. Und wenn es einen ganzen Albino-Stamm gab, warum tauchten dann in Tauwetter nur zwei Exemplare auf, während das Team der Descendant nun förmlich von dieser Gattung überrannt wird?
Ebenso fragt sich, wie eine ganze Horde ursprünglicher Xenomorphe an Bord der Boreas geraten ist? Das erste Exemplar wird noch durch ein einst infiziertes Besatzungsmitglied erklärt. An Bord befanden sich damals aber nur zwei Menschen, von denen einer von Dayton getötet wurde. Dessen Leiche findet das Team auch und stellt fest, dass aus ihm nichts geschlüpft ist. Woher kommen also die anderen Aliens? Die hätten nur gewaltsam in das Wrack eindringen können, was zu dessen Überflutung geführt hätte. Ebenso schleierhaft ist, woher die Eier stammen, da im ganzen Comic keine Königin auftaucht und selbige wohl auch schon vor über einem halben Jahrhundert von der Albino-Königin erledigt worden ist.
Was es dann noch mit dem riesigen Spinnenwesen auf sich hat, welches im unterirdischen See schlummert, wird schlussendlich ebenso wenig aufgeklärt. Im Prolog sieht man einen Königinnenembryo am Bauch des Wesens leuchten. Doch ist es nun infiziert oder selbst eine Königin? Offenkundig ist es nur dazu da, um zum Ende noch einen Kaiju-Angriff einzubauen, der jedoch wirkungslos verpufft, da der Einschlag der Rakete, die Dayton per Fernzündung losschickt, nicht einmal gezeigt wird.
Die Crewmitglieder der Descendant bleiben ebenfalls alle oberflächlich und dienen nur als Schlachtvieh. Obendrein sind einige unfassbar dumm. So fällt Monique und Frank, die als Erste das Wrack der Boreas betreten, nichts Besseres ein, als erst einmal miteinander rumzumachen, statt das Schiff zu sichern. Wäre nicht Cole alias Zasha rechtzeitig aufgetaucht, wären sie mittendrin von einem Xenomorph getötet worden, den sie nicht einmal bemerkt haben. Zahn hätte sich die Rettung der beiden allerdings sparen können, da sie zusammen mit einem dritten Teammitglied kurz darauf weiteren Aliens zum Opfer fallen und deren Brut austragen dürfen.
Zasha scheinen ihre Kameraden derweil herzlich egal zu sein. Sie verabschiedet sich kurzerhand von der Mission und macht sich auf zur alten Forschungsbasis, um Dayton zu suchen. Es ist zwar verständlich, dass der Androide, der eine Art Ersatzvater für sie war und ihr das Leben gerettet hat, ihr viel bedeutet. Die völlige Empathielosigkeit gegenüber ihren Kollegen passt jedoch überhaupt nicht zu ihr, auch wenn diese für Weyland-Yutani arbeiten. Sie sind dennoch Menschen, die sowohl vom Konzern als auch von Zahn nur als Mittel zum Zweck ausgenutzt werden.
Jan Yutani entkommt dabei gerade noch rechtzeitig einem Alienangriff auf das provisorische Camp. Den überleben die dort verbliebenen Miguel und Lechert zwar, doch ähnlich wie bei den drei Teammitgliedern auf der Boreas ist ihr Tod nur aufgeschoben. Damit bleiben nur noch die Charaktere in der alten Forschungsbasis. Jan Yutani deckt dort die Vergangenheit von Dayton auf, welche der Leserschaft bereits parallel zur Haupthandlung in Rückblenden präsentiert bekommen hat. Das ist tatsächlich noch das Interessanteste an diesem Comic, da zumindest 227-N damit etwas mehr Profil erhält. Obendrein erfährt man endlich, wo sein linker Arm abgeblieben ist.
Jan Yutani wird derweil durch die Rückblenden schnell als Synth enttarnt, da er in 40 Jahren keinen Tag gealtert ist und immer noch wie ein Jugendlicher aussieht. Was die genaue Vorgeschichte des synthetischen Ersatzes ist, wird nicht offenbart. Am Ende wird lediglich angedeutet, dass der echte Jan Yutani als alter Mann auf der Erde lebt und die Akte LV-695 schließt. Damit ist dieser Handlungsbogen bereits abgeschlossen und es gibt auch nichts mehr zu erzählen, da die Hauptprotagonistin Zasha Zahn am Ende einen sinnlosen Freitod wählt. Die Heftserie füllt diesmal nur zwei Bände statt der üblichen drei.
Drei Stile
Insgesamt drei Zeichner sind an diesem Band beteiligt gewesen, was insbesondere der Einleitung abträglich ist. Danny Earls Stil ist recht grob, wobei die fremden Kreaturen von LV-695 sowie die Albino-Xenomorphe dennoch interessant aussehen. Die bekannten Xenomorphe sind ebenfalls okay, können aber nicht mit denen aus der Haupthandlung mithalten. Besonders enttäuschend sind die Umgebungen, die absolut unnatürlich und stark verfremdet wirken.
Für den Hauptteil zeichnet sich erneut Andrea Broccardo verantwortlich, an dessen Arbeit es kaum etwas auszusetzen gibt. Die Charaktere gehen etwas ins Mangahafte und haben daher zuweilen etwas detailarme Gesichter, was vor allem bei Jan Yutani auffällt, wohingegen Zasha mit ihren Sommersprossen etwas mehr Tiefe besitzt. Die Xenomorphe, Raumschiffe sowie Innenarchitektur sehen derweil hervorragend aus. Letztere ist stark an den ersten Alien-Film (1979) angelehnt, wohingegen die Schlepper entfernt an die Crab-Suits aus Avatar: The Way of Water (2022) erinnern, zumal sie ebenfalls tauchen können. Allerdings sind sie stromlinienförmiger und weiß.
Die Rückblenden in die Vergangenheit von 227-N alias Dayton sind schlussendlich vom Autor Declan Shalvey gezeichnet worden, dessen Stil wiederum etwas schlichter ausfällt. Dayton ist kaum wiederzuerkennen und abgesehen von den Close-ups haben die Figuren Punkte als Augen. Der Xenomorph ist zwar durchaus detailliert, aber deutlich kantiger, was vor allem beim Kopf unangenehm auffällt. In den Rückblenden sind zudem die Farben sehr hell und entsättigt, was wohl ein Kunstkniff ist, um sie optisch von der Gegenwart abzuheben. Dadurch mangelt es jedoch am Naturalismus, der den restlichen Comic auszeichnet. Es gibt keine nennenswerten Leucht- oder Glanzeffekte.
In der Haupthandlung sind die Farben dagegen kräftig und obwohl nicht immer mit Verläufen gearbeitet worden ist, scheint der Lichteinfall überwiegend stimmig und es gibt Glanzeffekte, die vor allem bei den Xenomorphen einen feuchten Eindruck erzeugen. Sämtliche Weyland-Yutani-Logos und andere Aufschriften sind sichtbar in der Nachbearbeitung eingefügt worden.
Die Covergestaltungen, mit denen die Kapitel voneinander abgegrenzt sind, fallen diesmal recht schlicht aus und können den Blick nicht wirklich fesseln. Eine Galerie mit besseren Variantcovern gibt es diesmal nicht.
Fazit: Ende tot, alles tot
Im Gegensatz zu den meisten Handlungsbögen, die sich über drei Bände erstrecken, hat dieser schon nach zwei Bänden ein totes Ende erreicht. Und zwar nicht nur sprichwörtlich! Einfach alle Charaktere gehen drauf und das teils völlig sinnlos. Zasha Zahn hätte besser nicht nach LV-695 zurückkehren sollen. Grafisch ist der zweite Part zudem sehr durchwachsen. Im Prinzip wäre es besser gewesen, schon nach dem ersten Band ein Ende zu setzen, was wenigstens einen Hoffnungsschimmer für die Charaktere gelassen hätte.
Info
Autor: Declan Shalvey
Zeichner: Danny Earls, Andrea Broccardo & Declan Shalvey
Farben: Ruth Redmond & Declan Shalvey
Verlag: Panini
Sonstige Informationen: Produktseite
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Warpskala
Warpskala-
Story4/10
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Zeichenstil7/10
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Kolorierung9/10
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