[Prometheus Band 1] Atlantis

Lesezeit circa: 4 Minuten

„Prometheus Band 1 Atlantis“ ist der Auftakt einer Comicreihe aus der Feder des französischen Künstlers Christophe Bec, in der es um die drohende Vernichtung der Menschheit durch Außerirdische geht.

Prometheus Band 1 AtlantisHandelt es sich also nur um eine 08/15-Geschichte mit einer Thematik, die wir schon 1.000 Mal gesehen und gelesen haben? Oder hat „Prometheus Band 1“ vielleicht mehr zu bieten als die üblichen Klischees?

Unerklärliche Ereignisse um 13:13 Uhr

Auf der Erde ereignen sich eine Reihe ungewöhnlicher Ereignisse, die jeden Tag um genau 13:13 Uhr (UTC = koordinierte Weltzeit) in Erscheinung treten. Alles beginnt am 21.09.2019, als das Space Shuttle Atlantis zu seiner letzten Reise aufbricht und um 13:13 Uhr plötzlich mitsamt seiner vier Astronauten von den Kontrollschirmen verschwindet. Einen Tag später bleiben um 13:13 Uhr weltweit sämtliche Uhren für drei Stunden stehen. Zeitgleich beginnt sich der antike Mechanismus von Antikythera zu bewegen. Als die anderen Uhren um 16:13 Uhr wieder funktionieren, bleibt der Mechanismus, der wohl aus dem Jahr 80 v. Chr. stammt und vermutlich astronomischen Berechnungen diente, wieder stehen.

Am 23.09. taucht auch die Atlantis wieder auf und landet auf der Erde. Doch bietet sich innerhalb des Space Shuttles ein schreckliches Bild. Denn an Bord befindet sich nur ein Überlebender zwischen den im Shuttle verteilten Überresten seiner drei Kollegen. Der Überlebende sieht plötzlich alles spiegelverkehrt und ist sich sicher, im Shuttle ein fremdes Wesen gesehen zu haben, als er in den Spiegel schaute.

Sonderbares erlebt einen Tag später auch die Besatzung eines U-Bootes, als sie um 13:13 Uhr plötzlich ein deutsches U-Boot aus dem 2. Weltkrieg beim Auftauchen beobachtet. Als die Besatzung das deutsche Boot betritt, findet sie zwar eine Tasse dampfenden Tee, jedoch keine Spur von der Besatzung. Noch erstaunter ist die Besatzung eines anderen Schiffes, als sie auf offener See auf die unversehrte Titanic trifft. Doch damit nicht genug, tauchen nun mehrere Hundert weitere vermisste Schiffe wieder auf.

Einen Tag später stürzen um 13:13 Uhr Hunderte Flugzeuge gleichzeitig ab und sorgen für unzählige Tote …

Historische Rückblicke

Wie so oft in seinen Comics arbeitet Christophe Bec auch bei „Prometheus Band 1“ viel mit historischen Rückblicken. So beginnt „Atlantis“ mit einer Gruppe spanischer Konquistadoren, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Dschungel Panamas auf das Wrack eines gewaltigen Raumschiffs stoßen. Hierbei handelt es sich gleich zu Beginn um den ersten Hinweis, dass Außerirdische in die Geschichte verwickelt sind. Und da es bereits im 16. Jahrhundert Wracks außerirdischer Raumschiffe gibt, müssen die fremden Besucher die Erde wohl schon seit längerer Zeit aufsuchen.

Ein besonderer Clou: Prometheus und das Chaos, das am Anfang war

Ein besonderer Clou der Erzählung ist, dass sie uns teilweise vom Titanen Prometheus erzählt wird. Richtig! Wir sprechen hier von dem Prometheus, der die Menschen geschaffen und ihnen das Feuer geschenkt hat. Der Prometheus, der von Göttervater Zeus an den Kaukasus gekettet wurde, wo jeden Tag ein Adler von seiner immer wieder nachwachsenden Leber frisst, wodurch sich seine Qualen in alle Ewigkeit hinziehen. Zusätzlich zu seiner eigenen Geschichte erzählt Prometheus auch von der Weltschöpfung wie sie in der griechischen Mythologie dargestellt wird.

Es ist noch zu früh, um sich ganz sicher zu sein, doch scheint Christophe Bec hier ganz ernsthaft unsere heutige Welt – oder eine alternative Version davon – mit dem griechischen Schöpfungsmythos verbinden zu wollen, was eine äußerst spannende Idee darstellt, die bisher ziemlich gut funktioniert.

Mein Eindruck von Prometheus Band 1

Der erste Band von Christophe Becs „Prometheus“-Reihe hat mich mit seiner Mischung aus unserer heutigen Welt, Mythologie, historischer Rückblicke, Science-Fiction, Mystery, Prä-Astronautik und Verschwörungstheorien vollends überzeugen können. Die Bilder sind von Becs Kollegen – Bec selbst ist in der Regel für die Story zuständig – großartig gezeichnet und erzeugen eine atmosphärische Stimmung. Auch gefällt mir das relativ langsame Erzählttempo, das sich Zeit für die Vorstellung der Charaktere und den Aufbau der Handlung nimmt.

Dass der Menschheit die Vernichtung durch Außerirdische droht, ist ein ziemlich alter Hut. Was Bec hier auf dieser Basis kreiert, ist jedoch äußerst stimmig und atmosphärisch. Ich habe definitiv Lust auf mehr und bin gespannt auf die weiteren Bände.

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Michael Kleu

Michael ist Jahrgang 1978 und Althistoriker. Er schreibt einen eigenen Blog über die Antikenrezeption in fantastischen Medien.
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