Dieser Film bietet eine stark gesellschaftskritische Botschaft mit antikapitalistischen Elementen.
Inhalt
Der junge Forscher Will Rodman (James Franco) arbeitet an der Entwicklung eines neuen Medikaments gegen die Alzheimer Krankheit, welches er an verschiedenen Affenarten erprobt. Schnell stellt er zu seinem eigenen Erstaunen fest, dass seine Versuchstiere durch dessen Verabreichung erheblich intelligenter werden. Er nimmt den jungen Schimpansen Cesar (Andy Serkis) zu sich nach Hause, zu seinem alzheimerkranken Vater, bei dem das Medikament ebenfalls rasch anschlägt. Doch je mehr Zeit Cesar bei den Menschen verbringt, umso mehr fühlt dieser sich von ihnen ausgenutzt. Nachdem ein Nachbar von Will bei einem Zwischenfall von Cesar beinahe getötet wird, steckt man ihn in eine Auffangstation für Affen. Als er mit den anderen, von den Menschen schlecht behandelten Artgenossen in Kontakt kommt schwingt er sich zum Anführer eines Aufstandes gegen diese auf…
Rezension
Franklin J. Schaffners Planet der Affen aus den Jahr 1968 gehört zu den ganz großen Klassikern der Filmgeschichte. Der lose auf den gleichnamigen Roman von Pierre Boulle beruhende Streifen, mit dem damaligen Superstar Charlton Heston in der Hauptrolle, erzählt die Geschichte einer Affenzivilisation, welche auf der Erde entstanden ist, nachdem die Menschheit sich durch einen Atomkrieg selbst ausgerottet hat. In mehreren Fortsetzungen, deren Qualität von Film zu Film leider immer weiter nachließ, wurde erzählt, wie es soweit kommen konnte.
Rupert Wyatts Reboot des Franchises, der 2011 in die Kinos kam, ging jedoch inhaltlich ganz neue Wege. Die Idee der menschlichen Selbstvernichtung durch einen Krieg wurde fallengelassen und durch eine, aus damaliger Sicht, zeitgemäßere Variante ersetzt. Die Alzheimer Krankheit gehört bis heute sicherlich zu den größten Geißeln der Menschheit, weswegen es nur nachvollziehbar ist, dass Will Rodman nichts unversucht lässt ein Heilmittel zu finden. Vor allem natürlich, weil er an seinem eigenen Vater mit ansehen muss, wie grausam diese Krankheit ist. John Litghow spielt diesen zunächst geistig verfallenen und dann zwischenzeitlich wieder zu genesen scheinenden Charakter mit schmerzhafter Intensität. Aber der wahre Star des Films ist zweifellos Andy Serkis, der mit Hilfe der Motion Performance Technik dem Schimpansen Cesar Profil verleiht.
Es ist die große Kunst des Drehbuchs, dass es den Zuschauer zunächst auf die falsche Fährte lockt: Erst nach und nach wird nämlich klar, dass hier nicht die Menschen, sondern – anders als im Erstlingsfilm von 1968 – die Affen die eigentlichen Identifikationsfiguren sind. Der Film entwickelt sich von einer mehr oder weniger offenen Kritik gegen Tierversuche, hin zu einem Drama über den Freiheitskampf einer Gruppe von Individuen, die gegen ihren Willen zu Werkzeugen des Menschen geworden sind. Wie wir in den späteren Fortsetzungen erfahren, führt eben dieser Kampf schließlich zum Untergang der Menschheit und zum Aufstieg der Affen zur dominierenden Spezies auf der Erde.
Ähnlich wie Schaffners Film vermittelt auch Prevolution somit eine stark gesellschaftskritische Botschaft. Der Mensch ist aufgrund seiner eigenen Kurzsichtigkeit untergegangen. Hier ist es vor allem die Profitgier, verkörpert durch den Chef des Forschungslabors Steven Jacobs, für den Rodman arbeitet, die dafür verantwortlich ist, dass er sämtliche Vorsichtsmaßnahmen ignoriert und dadurch ungewollt den Boden für die Affenrevolution bereitet. Da Wyatts Film in unserer Gegenwart verortet ist, kann er seiner Handlung somit auch eine gewisse antikapitalistische Botschaft beimischen. Jacobs ist das Leid der Alzheimerpatienten in Wahrheit völlig egal, ihm geht es vor allem um den schnellen Profit. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass Rodman ein moralisch völlig fehlerfreier Charakter wäre. Denn auch ihm muss man einen gewissen Egoismus in Zusammenhang mit seinen Versuchstieren unterstellen. Zwar liegt ihm das Wohlergehen von Cesar von Anfang an am Herzen. Aber man kann sich bis kurz vor Schluss nicht den Verdacht erwehren, dass sein Hauptinteresse auch eher den kranken Menschen und weniger den Affen gilt. Dies ist sicherlich absolut verständlich. Doch zeigt der Film hier eben auch die ethische Ambivalenz der medizinischen Forschung auf, wenn es um Tierversuche geht. Rechtfertigen Rodmans Bemühungen ein Heilmittel gegen Alzheimer zu finden wirklich alle von ihm angewandten Mittel? Da sein Medikament die Krankheit bei seinem Vater nicht stoppen und seinen Tod nicht verhindern kann, ist diese Frage nicht so leicht zu beantworten.
So ist ironischerweise Cesar die „humanste“ Figur im ganzen Film. Auch er schreckt nicht vor Gewalt zurück, wenn es darum geht seine Affenbrüder aus der Gefangenschaft zu befreien. Doch geht er dabei nicht soweit alle Menschen wahllos als seine Feinde zu betrachten, die es um jeden Preis auszurotten gilt. Er unterscheidet zwischen Freund und Feind und verschont unschuldige Menschenleben so weit es geht. Insofern ist er den Menschen moralisch klar überlegen, da es ihm wirklich nur darum geht seine Artgenossen in die verdiente Freiheit zu führen, ohne dass es dabei ein weiteres, vermeintlich übergeordnetes Motiv für seine Handlungen gibt. Der Wunsch nach Freiheit selbst ist für ihn alles, was zählt. Und der Film lässt keinen Zweifel daran, dass dieses archaische Bedürfnis in jeder intelligenten Kreatur steckt und durch nichts und niemanden unterdrückt werden kann. Als am Ende die Staatsmacht in Form der Polizei versucht, den Aufstand der Affen gewaltsam niederzuschlagen, muss man so auch an all die Volksaufstände denken, von denen die Weltgeschichte durchzogen ist, und die vom Staat oft brutal erstickt wurden. Der Film ist somit die perfekte Analogie auf die Furcht der Mächtigen vor der Wut der unterdrückten Masse. Die Menschen glauben in ihrer Arroganz das Recht dazu zu haben, die in der Evolution vermeintlich unter ihnen stehenden Affen auszubeuten. Doch durch die Umkehrung der Verhältnisse wird dieser Glaube nicht nur erschüttert, sondern buchstäblich zerstört. Ohne es zu wollen, haben die Menschen ihren eigenen Untergang verursacht, während die Affen ihre neue Heimat in den Wäldern gefunden haben. So kehren die Vorfahren unserer Spezies an den Ort ihres Ursprunges zurück und sehen aus der Ferne zu, wie das von den Menschen erschaffene Virus sie nach und nach dezimiert, bis die Erde zu einem Planeten der Affen wurde.
Rupert Wyatts Film ist visuell nicht ganz so eindrucksvoll wie Schaffners Version, und mancher Zuschauer wird es bestimmt schade finden, dass ihm ein so überraschend-unvergessliches Ende fehlt, wie mit der berühmten Schlussszene mit der Freiheitsstatue. Doch trotzdem besitzt der Streifen mehr Intelligenz als man es von einer Science-Fiction Großproduktion aus Hollywood gewöhnt ist. Anders als Tim Burtons eher misslungene „Planet der Affen“ Neuinterpretation von 2001, schafft es „Prevolution“ den Geist der 1968er Vorlage zu erhalten und gleichzeitig etwas völlig neues zu erschaffen, was seine ganz eigene Daseinsberechtigung hat und den Zuschauer zum Nachdenken über die Stellung des Menschen in der Evolution anregt. Daher ist der Film allen zu empfehlen, die wirklich kluges Sci-Fi Kino zu schätzen wissen, das mehr zu bieten hat als ein stumpfes Effektgewitter ohne Mehrwert.
Info
Regie: Rupert Wyatt
Drehbuch: Rick Jaffa & Amanda Silver
Produktion: Peter Chernin, Dylan Clark, Rick Jaffa, Amanda Silver
Musik: Patrick Doyle
Kamera: Andrew Lesnie
Schnitt: Conrad Buff, Mark Goldblatt
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