Blade Runner 2019
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Review: Blade Runner 2019 – Off-World

Lesezeit circa: 4 Minuten

Sieben Jahre sind seit den Ereignissen in Los Angeles und Mexiko vergangen. Ashina konnte damals mit Cleo von der Erde fliehen. Doch was ist aus den beiden geworden?

Blade Runner 2019Handlung

Ashina ist mit Cleo auf einer Minenkolonie untergetaucht. Kein geeigneter Ort für ein Kind und erst recht kein Vergleich zur Kolonie Arcadia, welche das ursprüngliche Ziel der beiden war. Um nicht aufzufallen, hat sich die inzwischen elfjährige Cleo als Junge getarnt, ihre Haare abrasiert und wird von allen nur Rabbit genannt. Da ihre Pflegemutter nicht das große Geld verdient, dealt die Kleine mit schwer zu beschaffenden Waren. Es ist ein raues Leben auf einer rauen Welt.

Alles ändert sich jedoch mit einem Schlag, als die Kolonie von einer Gruppe Replikanten überfallen wird, die ihresgleichen befreien und dabei alle Menschen töten. Cleo überlebt nur, weil sie noch ein Kind ist und ein Bergbaureplikant namens Padraic sich für sie einsetzt. Da sie durch ihre Geschäfte einen Zugangscode für die Ramanuja-Station hat, nehmen die Replikanten sie mit. Am Ziel angekommen bleibt nur der Beschützer Padraic bei ihr. Gemeinsam versuchen sie, nach Arcadia zu kommen.

Ashina hat derweil ebenfalls überlebt, da sie unter einer Leiche begraben war. Sie wird von der Blade Runner Hythe entdeckt, welche ihre wahre Identität aufgedeckt hat. Da Tyrell inzwischen tot ist, drohe angeblich keine Gefahr mehr und so bietet Hythe ihr an, bei der Suche nach Cleo zu helfen. Im Gegenzug wird Ashinas Wirbelsäulenkorsett repariert, damit sie nicht mehr auf ihren Rollstuhl angewiesen ist.

Auf Ramanuja verfolgen die beiden Blade Runner die Spur der Replikanten, wobei Hythe ziemlich rabiat bei der Zeugenbefragung vorgeht. Noch bevor sie die Kleine finden, offenbart sich ihre Auftraggeberin als weitere Replikantenkopie von Cleos Mutter Isobel. Einmal mehr stellt sich die Frage, wer hier eigentlich welche Interessen vertritt und am Raumhafen kommt es schließlich zum Showdown.

Rezension von Blade Runner 2019 – Off-World

Das Jahr 2019 im Titel ist etwas irreführend, da der zweite Band keineswegs da ansetzt, wo der erste aufgehört hat. Die Handlung spielt 2026 und auch die Rückblenden befassen sich mit anderen Zeiträumen. Zumindest der Untertitel ist aber korrekt. Diesmal spielt die Handlung nicht in Los Angeles, sondern jenseits der Erde.

In Off-World wartet nicht etwa das versprochene Paradies, sondern im Gegenteil eine noch dystopischere Welt als die heruntergewirtschaftete Erde. Die Bergbaukolonie ist mehr als trostlos und wird auch ohne Replikantenangriff zum Massengrab für die Arbeiter. Ramanuja unterscheidet sich derweil nicht sonderlich von Los Angeles, nur mit dem Unterschied, dass es sich um eine gigantische Stadt im Weltraum handelt.

Erzählerisch knüpft der zweite Teil der Comicreihe an den ersten Band an. Die Replikanten sind einmal mehr nicht das Hauptziel der Blade Runner, tragen aber dennoch ihren Part zum Geschehen bei. Die Handlung bleibt spannend, allerdings sind die Plot Twists nicht mehr ganz so überraschend wie im vorangegangenen Band, da sich das Grundmuster wiederholt.

Optisch hat die Fortsetzung leider spürbar nachgelassen. Die Zeichnungen stammen zwar aus derselben Feder, aber diese scheint nicht mit Tusche gefüllt gewesen zu sein. Teilweise wirken die Linien so unsauber, als wäre direkt die Bleistiftzeichnung koloriert worden. Der unfertige Eindruck wird durch die Koloration selbst noch verstärkt. Die Farben sind komplett entsättigt, was bei der Minenkolonie ja noch irgendwie passt, aber nicht für die glitzernde Ramanuja-Station oder die Weltraumszenen. Dadurch geht die für Blade Runner typische Cyberpunk-Atmosphäre verloren.

Wenn man den Titel Off-World liest, erwartet man eigentlich atemberaubende Weltraumbilder und faszinierende fremde Welten. Stattdessen ist alles mehr oder weniger in Grau- und Brauntönen gehalten. Die Polarlichter auf der Minenkolonie sind ebenso matt wie die Reklametafeln auf Ramanuja. Die Raumschiffdesigns stechen ebenfalls nicht wirklich hervor und der Detailgrad leidet unter dem groben Bleistiftstil. Das alles liegt gar nicht mal am Zeichner, sondern an der Nachbearbeitung, die in Teil 1 definitiv erheblich besser war.

Als Bonus gibt es wieder eine Cover-Galerie sowie ein paar Arbeitsschritte, diesmal vom Skript bis zur fertig kolorierten Zeichnung. Außerdem enthält der Infoteil einen doppelseitigen Nachruf auf Syd Mead, den 2019 verstorbenen Produktionsdesigner von Ridley Scotts Blade Runner. Mead war das kreative Genie hinter der Optik des Films und arbeitete zuvor schon als Illustrator an Star Trek – Der Film.

Fazit

Erzählerisch geht es auf hohem Niveau weiter, wobei der zweite Band den Charakteren aus Teil 1 treu bleibt. Optisch enttäuschen dagegen der Mangel an klaren Konturen sowie die blassen Farben. Statt futuristischem Cyberpunk gibt es diesmal düstere Bilder, die eher aus Alien 3 stammen könnten. Cleos abrasierte Haare erinnern dabei sogar etwas an Ripley.

Bewertung: 10/15

Autor: Michael Green & Mike Johnson
Zeichner: Andrés Guinaldo
Farben: Marco Lesko
Verlag: Panini
Sonstige Informationen:

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