Spotlight: Sylvester McCoy

Lesezeit circa: 7 Minuten

Sylvester McCoy ist vor allem bekannt als der Siebte Doktor aus Dr Who und Radagast der Braune aus der Hobbit Trilogie.

Kindheit und Jugend

Der am 20. August 1943 im schottischen Dunoon geborene Sylvester McCoy wuchs als Halbwaise auf. Sylvester McCoy ist sein Künstlername, sein eigentlicher Name lautet Percy James Patrick Kent-Smith. Seinen Vater,  Percy James Kent-Smith, hat er nie kennengelernt. Dieser gehörte der Royal Navy an und diente als Offizier auf einem U-Boot. Er kam nur wenige Monate vor der Geburt seines Sohnes im Zweiten Weltkrieg ums Leben. So wuchs der junge Percy bei seiner Mutter Molly Sheridan sowie seiner Großmutter Mary Sheridan und seinen Tanten auf. Er besuchte die Muns Primary School in Dunoon. Das Besondere an dieser Schule war die Leiterin Rosie O’Grady. Diese war sehr darauf bedacht, dass ihre Schützlinge nach dem Schulabschluss anständige Berufe ergriffen. Aus diesem Grund organisierte sie regelmäßig Gespräche mit Menschen aus den verschiedensten Berufen. Auf diese Weise entdeckte Sylvester McCoy sein Interesse am Priesteramt.

Er verließ mit zwölf Jahren die Muns Primary School und ging zum Blairs College in Aberdeen, um sich dort zum Priester ausbilden zu lassen. Während seiner Zeit dort begann er sich zunehmend auch für Geschichte und klassische Musik zu interessieren. Mit sechzehn entschied er, Mönch zu werden, und bat bei einem Dominikanerorden um seine Aufnahme. Der Orden lehnte jedoch ab, weil er zu jung war. Stattdessen ging McCoy schließlich zur Dunoon Grammar School, wo er auch seinen Schulabschluss machte.

Nach London

Nach der Schule zog es ihn die englische Hauptstadt. Zunächst verbrachte er nur einen Urlaub dort, in dessen Anschluss beschloss er allerdings zu bleiben. Er fand über ein Jugendarbeitszentrum eine Stelle in einer Versicherungsgesellschaft, für die er fünf Jahre lang arbeitete. Zufrieden war er mit seinem Job nicht. Er wechselte ins Londoner Roundhouse Theatre, wo er als Ticketverkäufer und Buchhalter arbeitete. Der britische Schauspieler und Theaterregisseur Ken Campbell warb ihn schließlich für seine Roadshow an. Eine seiner Rollen war die des fiktiven Stuntman Sylvester McCoy. Aus Jux wurde dieser Name auch in der Programmzeitung angegeben, woraufhin ein Kritiker die Ironie nicht erkannte und Sylvester McCoy für eine reale Person hielt. Der Schauspieler McCoy fand dies so witzig, dass er den Namen prompt als Künstlernamen annahm. Über ein Engagement der Ken Campbell Roadshow gelangte Sylvester McCoy zum richtigen Theater und spielte in einer Reihe von Stücken und Musicals mit.

Später folgten kleinere Auftritte im Fernsehen. 1977 trat er das erste Mal in einer Serie auf und spielte in fünf Folgen in For the Love of Albert mit. 1979 erhielt er seiner erste Filmrolle, wenngleich auch eine kleine: Als Walter war er in Dracula zu sehen.

Sylvester McCoy

Dr Who?

Während seiner Zeit am National Theatre spielte er gerade in dem Stück The Pied Piper mit, als er erfuhr, dass die BBC einen Nachfolger für Colin Baker in seiner Rolle des Doktors suchte. McCoy sprach vor und erhielt 1987 die Rolle des Siebten Doktors. Die Kritiken waren nicht berauschend, da Bakers Stil der vergangenen Staffel noch kurz beibehalten wurde. Darüber hinaus musste McCoy einen mit Fragezeichen übersäten Pullover tragen, den er selbst auch schauerlich fand. Zwar änderte sich der Siebte Doktor dank der Drehbucheditionen von Andrew Cartmel noch und die Serie wurde etwas düsterer und das Outfit des Doktors etwas gediegener, aber der Pulli musste bleiben. Wirklich besser wurden die Kritiken nicht, auch wenn die Story besser und die Serie mit Co-Star Sophie Aldred aufgefrischt wurde. 1989 war Schluss mit Dr Who. Und doch wurde McCoy 1990 von den Lesern des Dr Who Magazine zum besten Doktor gewählt. Der Titel gehörte bis dahin Tom Baker, welcher die Rolle des Vierten Doktors gespielt hatte.

McCoy übernahm 1993 erneut die Rolle des Siebten Doktors für die Jubiläumsfolge Dimensions in Time. 1996 kehrte er noch einmal als Dr Who zurück. In dem Fernsehfilm Dr Who ist er in den ersten Szenen zu sehen, in denen er schließlich stirbt, regeneriert und den Staffelstab somit an Paul McGann weitergibt. Allerdings ist er seit 1998 in den Dr Who-Hörspielen von Big Finish Productions zu hören.

Zurück zum Theater

Nach seiner Zeit als Siebter Doktor zog es Sylvester McCoy zurück zum Theater. Er trat unter anderem In H. G. Welles‘ The Invisible Man auf, sowie in Zorro: The Musical und der Musical-Variante von Robin Hood. Er spielte im Ensemble der Royal Shakespeare Company mit, trat dabei unter anderem in Der König von Narnia und König Lear auf und ging mit der Company auf eine Tour nach Australien und Neuseeland.

Dafür war Sylvester McCoy eher selten im Fernsehen zu sehen, obwohl ihm in den 90ern eine Rolle für den geplanten Film Fluch der Karibik angeboten wurde. Da sich der Drehstart immens verzögerte, wurde aus der Rolle jedoch nichts. Stattdessen konnte McCoy später mit einer ganz anderen Rolle ins Kino springen: Radagast der Braune in der Verfilmung des berühmten Der Hobbit von Tolkien.

1996 war McCoy maßgeblich an einem besonderen Film beteiligt. I was a Doctor Who Monster ist ein semiprofessioneller Dokumentarfilm, der sich den Monsterdarsteller:innen widmet. Hier erinnern sich die jeweiligen Schauspieler:innen an ihre Zeit am Dr Who-Set und geben Einblicke in die Entstehung der Folgen und die verschiedenen Kreaturen, denen der Doktor begegnet ist. Gleichzeitig ist der Film einer der wenigen Primärquellen zum Thema der Dr Who-Monster bzw. deren Darsteller:innen.

Ulkige Fakten

Über Sylvester McCoy sind einige spannende Dinge bekannt. Er kann Xylophon und Löffel spielen, beherrscht die Kunst des Jonglierens und hat sich vor Jahren den Ruf erworben, sich ein lebendiges Frettchen in die Hose zu stopfen.

1986 stand Sylvester McCoy gemeinsam mit Timothy Dalton auf der Bühne. Beide stellten fest, dass es schwer war, an längerfristige Jobs zu kommen. Beide übernahmen im darauffolgenden Jahr ihre wohl größte Rolle: Der eine als Siebter Doktor, der andere als James Bond (Der Hauch des Todes). Ironischerweise erwies sich ihr beider Amtszeit relativ kurz: Beide mussten ihre Rolle aufgeben, da sowohl Dr Who als auch James Bond 1989 vorerst eingestellt wurden.

Übrigens war Sylvester McCoy auch der erste nicht-englische, wenngleich trotzdem britische Dr Who-Schauspieler, der diese Rolle bekam, und auch der erste, der in seiner Rolle mit einem anderen Akzent sprach. Dies ist allerdings nur im Original zu hören. McCoy sprach mit einem schottischen Akzent und rollte das R sehr stark. Später sprach beispielsweise Christopher Ecclestone seinen Neunten Doktor mit einem nördlichen Akzent. David Tennant (Zehnter Doktor) und Peter Capaldi (Zwölfter Doktor) sind ebenfalls Schotten, was im Original auch deutlich zu hören ist.

Ebenso ist McCoy der einzige, der zwei Regenerationsszenen gespielt hat. Als Colin Baker als Sechster Doktor entlassen wurde, verweigerte er die Regenerationszene. McCoy zog sich daher Bakers Kostüm an, stülpte sich eine blonde Perücke auf und sprang als Sechster Doktor ein. Aus diesem Grund ist das Gesicht des Doktors bei der Regeneration verdeckt, da man sonst ganz klar McCoy erkannt hätte.

Über Dr Who sagte McCoy: »You never had any time to think about the overall story. You learned the lines and tried not to bump into the monsters.«

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Kirsten P.
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