Die Tops und Flops der Redaktion: Star Trek – The Original Series

Lesezeit circa: 5 Minuten

In dieser Artikelreihe stellt die Redaktion ihre persönlichen Favoriten vor.

Ihr kennt unsere Reviews, ihr wisst was wir gut finden und was wir kritisieren. Aber welche Folge halten wir für die schlechteste und welche für die beste?
In dieser Reihe stellen wir sie euch vor – fern ab von Kritiken, Wertungen oder Logiklöchern. Den Anfang macht natürlich: The Original Series.

Die Tops und Flops von Kirsten

Top: „Das Loch im Weltraum“
Es fiel mir nicht leicht, eine Top-Folge auszuwählen. TOS bietet viele tolle Episoden. Meine Wahl fiel schließlich auf diese hier.

Was fasziniert mich hier?

Der Umstand, dass etwas, was wir Menschen bereits kennen, plötzlich ganz fremd ist. Natürlich sind uns Amöben bekannt. Diese winzigen Tierchen leben seit Äonen auf der Erde. Wir wissen, wie sie aussehen, welches ihr natürliches Habitat ist, wovon sie sich ernähren.

Und dann erscheint auf einmal diese riesenhafte, poppig bunte Weltraumamöbe, welche problemlos im Vakuum existieren kann. Sie gleicht ihren Verwandten auf der Erde und erscheint doch völlig andersartig. Zum einen umgibt sie diese dunkle Zone aus negativer Energie, welche der Besatzung ihre Lebenskraft entzieht. Zum anderen frisst sie Raumschiffe samt Inhalt.

Dennoch reagiert sie, wie die irdischen Vertreter, was zu einem Ausweg aus der Misere führt, denn auch die Enterprise läuft Gefahr als Amöbenfutter zu enden.

Mir fehlt an dieser Geschichte nichts. Es ist schöne Science-Fiction, gut und spannend erzählt.

Flop: „Seit es Menschen gibt“
Man merkt, dass zum Ende der Serie teilweise die Luft raus ist. Zwar beinhaltet auch die dritte Staffel zum Teil recht gute Episoden, aber „Seit es Menschen gibt“ gehört für mich nicht dazu.

Was stört mich dabei?

Die Geschichte, im Ansatz, gar nicht so schlecht, driftet ins Oberflächliche ab. Gleichzeitig wirkt sie steif, holprig und leer. Eine außerirdische Lebensform möchte den Unterschied zwischen „gut“ und „böse“ wissen. Daraus hätte eine schöne, philosophisch angehauchte Episode werden können.
Stattdessen lässt das Wesen einige historisch bekannte Persönlichkeiten erscheinen und fordert sie auf, sich bis zum Tod zu bekämpfen, um in den angewandten Methoden die Lösung zu finden. Kirk und Spock haben keine Wahl, als den Irrsinn mitzumachen.

Statt Star Trek Feeling gab es bei mir nur Enttäuschung über eine Folge, welche mir lustlos dahingeschrieben worden zu sein scheint.

Die Tops und Flops von Götz

Top »Horta rettet ihre Kinder«
Vorab: Der deutsche Episodentitel ist schwachsinnig. Er nimmt den eigentlichen Clou der Handlung vorweg. So etwas wäre heutzutage zum Glück nicht mehr möglich.

Doch abgesehen davon ist »Devil in the Dark«, wie die Episode im Original heißt, das Paradebeispiel für das, was »Star Trek« für mich ausmacht. Zunächst scheint alles eindeutig zu sein: Dort das Böse Alien, hier die Unschuldigen Menschen. Die Rollenverteilung wirkt klar, ganz so, wie es häufig leider Standard im SciFi-Genre war und ist.

Doch dann kam der Twist: Das außerirdische Wesen ist nicht böse, es ist eine Mutter. Und vor allem eine, die ihren Nachwuchs schützt, der durch das Unwissen der Menschen in Gefahr geraten war. Was anschließend geschah, gab für mich den Ausschlag, wieso ich »Star Trek«-Fan wurde. Anstatt einem Endkampf mit Toten folgt Verständigung, Verstehen und Kommunikation. Das war damals ungewöhnlich und setzte den Ton für das, was »Star Trek« für mich persönlich auf Jahre hinaus definierte.

Die Geschichte von Gene L. Coon war also fantastisch. Doch was ist mein Flop?

Flop: »Spocks Gehirn«
Die vermutlich berühmteste aller schlechten »Star Trek«-Episoden. Die Story, die so hanebüchen ist, dass selbst ein Blinder mit dem Krückstock die Logiklöcher erkennt.

Sie setzt voraus, dass man glaubt, dass Spock noch weiterlebt, nachdem sein Gehirn gestohlen wurde. Dass sein Körper anhand eines Geräts wie ein Roboter gesteuert werden kann. Und dass er in dem Moment, wo sein Gehirn wieder in seinen Körper eingesetzt wird, sich so weit selbst bewusst ist, dass er Dr. McCoy Anweisungen bei der Operation geben kann. Es fehlt eindeutig an Logik, an Klarheit.

Der »Gag«. Die Story stammt von demselben Autor, der auch meine Top-Episode schrieb. Lee Cronin ist nämlich ein Pseudonym von Gene L. Coon!

Zum Glück waren und sind solche Folgen die Ausnahme der Regel.

Die Tops und Flops von Marco

Top: „Bele jagt Lokai“
Ihr habt gesehen – Staffel 3 ist hier gleich zweimal als Flop vertreten, aber auch diese Staffel hat einige gute Folgen. „Let That Be Your Last Battlefield“ wurde von Gene L. Coon unter seinem schon erwähnten Pseudonym Lee Cronin geschrieben. Von allen Stories in den drei Staffeln halte ich diese für bis heute am relevantesten.

Der Planet Cheron wird von einer humanoiden Spezies bevölkert, die bis auf ein äußerliches Merkmal identisch ist. Bei dem einen Teil ist die linke Gesichtshälfte weiß und die rechte schwarz, beim anderen Teil ist es andersrum. Dies ist Grund genug für einen Hass, der zur kompletten Auslöschung der Bevölkerung führt. Bele und Lokai sind die letzten Vertreter ihrer Spezies, können ihren Hass aber nicht ablegen.

Diese Folge zeigt mit recht simplen Mitteln wie unsinnig Rassismus ist und wohin Hass führen kann.

Flop: „Schablonen der Gewalt“
Die Folge, die in Deutschland lange Jahre nicht gezeigt wurde (sie wurde erst 2011 in Deuschland gesendet), ist von der Thematik her gar nicht so schlecht. Während die Flops meiner Kollegen wenigstens noch einen „Klamaukfaktor“ haben, ist diese Episode einfach nur peinlich.

Ein Geschichtsprofessor zieht aus dem Zweiten Weltkrieg den Schluss, dass das Nazi-System die effektivste Staatsform überhaupt ist, da es ein besiegtes Deutschland fast zum Herrscher der Welt gemacht hat. Das ist nicht nur historisch falsch, sondern auch eine viel zu vereinfachte Darstellung der Thematik. Es war sicherlich mutig, sich für eine Nazi-Folge zu entscheiden, die eben nicht nur Nazis als Bösewichter hat sondern auch das System dahinter ein wenig beleuchtet – aber das muss in 45 Minuten einfach in die Hose gehen. Prinzipiell finde ich die Idee, dass Star Trek auch solche Themen anfasst sehr gut, aber das muss mit mehr Sorgfalt geschehen.

 

Redaktion

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