Mit diesem Film gelang den Marvel Studios ein außergewöhnliches Werk, der enormen gesellschaftlichen Einfluss hatte.
Eine Rolle, geprägt von einem Schauspieler
Heutzutage ist der Name Black Panther untrennbar mit dem tragischen Tod seines Darstellers Chadwick Boseman verbunden. Denn als dieser die Rolle übernahm und sie lange Zeit auch im Marvel Cinematic Universe darstellen sollte, war er bereits an Darmkrebs erkrankt. Das heißt, er spielte diese Figur, derweil er gleichzeitig heimlich die Krankheit bekämpfte. Einen Kampf, den er am 28. August 2020 verlieren sollte.
Dabei hat der Film eine lange Vorgeschichte, in der er vor allem mit einem Namen verbunden war: Wesley Snipes. Der Schauspieler, der 1998 mit Blade die Serie an erfolgreichen Superheldencomicadaptionen auslösen sollte, war seit dem Jahr 1992 daran interessiert, die Figur darzustellen. Und arbeitete, abseits seiner Filmkarriere, immer wieder daran, diese Idee in die Realität umzusetzen.
Doch aus dem einen oder anderen Grund schaffte es dieses Vorhaben, nie wirklich in eine Produktionsphase zu kommen. Stets kam etwas dazwischen. Mal war Wesley Snipes mit den Drehbuchautoren unzufrieden, weil diese dachten, dass der Film über die amerikanische Black Panther Party gehen würde. Oder Jahre später, als er Ärger mit der amerikanischen Steuerbehörde hatte, für den er vor Gericht landete.
Die richtigen Wahlen getroffen
Wobei die Verzögerung nicht nur immer etwas mit Wesley Snipes zu tun hatte. Auch seitens Marvel gab es Personen, die eine Produktion verhinderten. Genauer gesagt arbeitete Ron Perelman, dem einst Marvel gehörte und der das Unternehmen in den 1990er Jahren in den Bankrott führte, hinter den Kulissen gegen einen „Black Panther“-Film. Ebenso, wie er allgemein gegen den offeneren, diversen Kurs war, den Kevin Feige einschlug. Wofür Disney schließlich dem Multimillionär 2015 die Kontrolle über Marvel nahm.
Zu dieser Zeit war Black Panther bereits in der Vorproduktionsphase. Und Chadwick Boseman war in der Titelrolle gecastet worden, ohne dafür überhaupt vorzusprechen. Es reichte, dass er mit Marvel über die Ideen sprach, die er mit dem Charakter hatte.
Weshalb dann auch die Suche nach einem Regisseur losgehen konnte. 2015 wurde die Wahl auf drei Filmemacher eingegrenzt. Ava DuVernay (Selma) war am weitesten im Gespräch, lehnte dann allerdings das Angebot ab, weil sie mit der Story von Marvel nicht einverstanden war und bezüglich ihrer Vision keinen Kompromiss eingehen wollte. Die beiden anderen waren F. Gary Gray und Ryan Coogler, doch auch da führten die Gespräche zu nichts. F. Gary Gray führte stattdessen bei The Fate of the Furios Regie, derweil Ryan Coogler Creed drehte.
Ein Film, nahezu ausschließlich mit farbigen Darstellern besetzt
Doch ausgerechnet letzterer Film sollte dafür sorgen, dass der Filmemacher dann am Ende dennoch Black Panther drehen sollte. Was unter anderem auch daran lag, dass Kevin Feige monatelang um ihn geworben hatte und ihm sein Wunsch erfüllt wurde, dass er für die Produktion viele der Leute mitbringen konnte, mit denen er schon früher Filme gedreht hatte. Darunter beispielsweise Rachel Morrison (Fruitvale Station) als Kamerafrau und der Schwede Ludwig Göransson (Creed) als Komponist. Ebenso sollte auch Michael B. Jordan, der ebenfalls bereits mit dem Regisseur zusammengearbeitet hatte, als der Antagonist Killmonger im Film auftreten. Außerdem war dies allgemein ein Herzensprojekt des Filmemachers.
Das Drehbuch sollte am Ende von Ryan Coogler und Joe Robert Cole stammen. Die sich von diversen „Black Panther“-Comics beeinflussen ließen, darunter auch den Runs von Christopher Priest, Jonathan Hickman und Ta-Nehisi Coates.
Der Cast selbst sollte fast ausschließlich aus farbigen Darstellern bestehen. Lupita Nyong’o (12 Years a Slave) wurde als Nakia, der ehemaligen Geliebten T’Challas, gecastet. Danai Gurira (The Walking Dead) übernahm die Rolle von Okoye, der Anführerin der Leibwache von T’Challa, während Martin Freeman (Sherlock) als Everett K. Ross einer der wenigen weißen Schauspieler im Maincast war. Seine Rolle wurde bewusst nicht als Comedy Relief inszeniert, sondern als ernst zu nehmender Agent. Daniel Kaluuya (Kick-Ass 2) wurde zu Okoyes Ehemann und Vertrauten von T’Challa W’Kabi. Letitia Wright (Doctor Who) erhielt den Part von T’Challas Schwester Shuri. Als M’Baku, Anführer der Jabari, des Bergstammes, wurde Winston Duke (Person of Interest) gecastet. Seine Rolle hatte in den Comics den Namen Man-Ape was so nicht übernommen wurde, da dies problematisch war. Sterling K. Brown (This is Us) konnte man als Killmongers Vater N’Jobu bewundern. Mit Angela Bassett (Green Lantern) und Forest Whitaker (Ghost Dog: Way of the Samurai) wurden zwei ikonische Darsteller jeweils als T’Challas Mutter Ramona und als der Hüter des herzförmigen Krauts und einflussreiche spirituelle Figur Zuri angeheuert. Abgerundet wurde der Cast durch Andy Serkis (Der Herr der Ringe), der seine Rolle als Ulyssey Klaue aus Avengers: Age of Ultron wieder aufnahm.
Ein gefährlicher Usurpator
Vor tausenden von Jahren ging ein Meteorit mit einem wertvollen Metall namens Vibranium über Afrika nieder. Fünf Stämme bekämpften sich deswegen gegenseitig, bis eines Tages ein Krieger ein herzförmiges Kraut fand und zu sich nahm und so zum ersten Black Panther wurde. Der die Stämme miteinander versöhnte und sie so zum Königreich Wakanda vereinte. Dass sich wegen seines Rohstoffreichtums schließlich vor der ganzen Welt als armes Land tarnte.
In der Gegenwart steht T’Challa, Sohn von T’Chaka, kurz davor, die Nachfolge seines ermordeten Vaters (In The First Avenger: Civil War geschehen) anzutreten. Zu diesem Zweck übersteht einen rituellen Kampf und nimmt anschließend die Pflanze zu sich. Gleichzeitig muss er allerdings auch die verschiedenen Interessen seiner Heimat ausgleichen. Denn es gibt solche, die mehr Einfluss auf die Welt nehmen wollen, derweil andere einen eher traditionellen Rückzug hinter die eigenen Grenzen bevorzugen.
Doch dann taucht Ulysses Killmonger auf. Er ist der Sohn des Bruders von T’Chaka, den dieser vor Jahren in Notwehr tötete. Killmonger entpuppt sich als gerissener und skrupelloser Soldat, der zum Erreichen seiner Ziele bereit ist, alles zu tun. Inklusive T’Challa erneut zu einem rituellen Kampf herauszufordern und ihn dabei scheinbar tötet. Womit für das Königreich eine schreckliche Zeit heranbricht.
Ein Film mit enormen Einfluss
Als Black Panther damals in die Kinos kam, schlug der Kinofilm ein wie eine Bombe. Es war nicht nur die Tatsache, dass er ein weiterer MCU-Film war. Sondern, dass er ein Filmabenteuer mit einem fast ausschließlich farbigen Cast war, der über eine Milliarde US Dollar einspielen sollte. Etwas, was nicht gerade wenige Leute für unmöglich hielten.
Doch es war nicht nur das. Auch auf die afroamerikanische Kultur sollte der Film enormen Einfluss haben. Zeit seines Lebens wurde Chadwick Boseman teilweise fast wie ein Heiliger verehrt. Und im Namen des Kinofilms richtete Disney sogar ein Stipendium ein.
Der Film hatte den Erfolg vollkommen zu Recht verdient. Ryan Cooglers Ideen, die Tatsache, dass er ihn bewusst nicht wie einen typischen MCU-Film inszenierte sowie ebenso das Werk seiner ganzen Kollegen sorgte dafür, dass der Kinofilm bis heute unverwechselbar ist. Wozu auch die Musik gehört. Doch der Reihe nach.
Zwei Charismatiker auf gegenseitigen Seiten
Getragen wird der Film von zwei außergewöhnlichen Charismatikern. Chadwick Bosemans T’Challa hat diese stille Würde eines Monarchen, der weiß, dass auf ihn ein großer Druck lastet. Der versucht, die verschiedenen Interessen der fünf Stämme seines Königreichs auszubalancieren, während er gleichzeitig auch seine eigenen versucht nicht zu vernachlässigen. Er ist ein intelligenter König, einer, der sich mit seiner Schwester kabbelt, derweil er seiner Mutter gegenüber den nötigen Respekt erweist. Und einer, der für seine Krönungszeremonie sogar seine ehemalige Geliebte zurückholt.
Ganz anders ist da Michael B. Jordan. Er ist ein skrupelloser Mensch, der zum Erreichen seiner Ziele über Leichen geht. Der hilft, einen wakandischen Erzfeind zu befreien, nur um diesen dann später eiskalt umzubringen, damit er ein Argument für seine Reise in die Heimat seines Vaters hat. Der dafür sogar seine eigenen Leute umbringt, weil sie im Weg sind.
Dabei ist der Antrieb von Killmonger ein enormer Hass. Ein Hass auf diejenigen, die in seinen Augen seine eigenen Leute (All jene mit einer farbigen Hautfarbe) unterdrücken. Ein Hass auf diejenigen, die in seinen Augen nichts gegen diese Unterdrückung tun. Und ein Hass auf diejenigen, die er für den Tod seines Vaters verantwortlich macht. Und für diese vielen Hassgefühle ist er bereit, alles zu tun, um seine eigenen Ziele, seine eigenen Ideale umzusetzen. Dazu gehört auch die bewusste Zerstörung der spirituellen Grundlage von Wakanda und die Zukunft des Black Panthers, als er zum einen Zuri tötet und zum anderen die Vernichtung des herzförmigen Krauts anordnet. Nachdem er das letzte zu sich genommen hat.
Der große Konflikt
Und er findet für seine Pläne Unterstützer in Wakanda. Repräsentiert werden die durch W’Kabi, der Killmonger unterstützt, weil dieser etwas geschafft hat, was T’Challa nicht geschafft hatte. Nämlich Ulysses Klaw zu töten. Diese Unterstützung geht sogar so weit, dass er im Namen seines neuen Königs bereit ist, Wakanda in einen Bürgerkrieg zu stürzen.
Doch hier wird ebenfalls mit einem Gegensatz gearbeitet. M’Baku ist dieser Gegensatz. Dieser ist ein Traditionalist mit eigenen Kopf. Der allerdings, anders als W’Kabi, bereit ist, seine eigenen Ideale zu Gunsten des Landes zurückzustellen, auch wenn er zunächst immer wieder behauptet, das nicht zu tun. Er ist jemand, der bewusst andere vor den Kopf stößt und so dafür sorgt, dass sie sich auf sich selbst besinnen.
Und so ist der große Konflikt, der Black Panther vorantreibt, vor allem die Frage, wie das Land sich verhalten soll. Soll es sich, seinen Reichtum und seinen technologischen Fortschritt weiterhin verstecken und darauf achten, dass seine Geheimnisse nicht nach außen dringen? Oder soll es sich der ganzen Welt zeigen, auch wenn dies bedeuten mag, dass es sich neuen Gefahren ausgesetzt sieht. Am Ende wird eine eindeutige Antwort gegeben, wenn auch vielleicht nicht die, die sich so mancher Beteiligter gewünscht hätte.
Der Kleine Konflikt
Der Kleine, der persönliche Konflikt ist der zwischen T’Challa und Killmonger. Beide stehen im Schatten ihrer Väter, beide bemühen sich, ihnen gerecht zu werden. Doch wo T’Challa einsehen muss, dass sein Vater kein Heiliger ist, sondern Fehler gemacht hat, ist Killmongers Papa für ihn der primäre Grund, wieso er so handelt, wie er handelt. Denn für ihn ist er unfehlbar, auch wenn der Zuschauer natürlich weiß, dass er das nicht war.
Dabei zeigt sich auch der Einfluss der Umgebung auf. T’Challa ist in einer liebevollen Umgebung aufgewachsen. Er hat eine intelligente Schwester, eine liebevolle Mutter und mit den Dora Milaje eine Leibwache hat, die zwar auf ihn aufpassen. Ihm aber auch Möglichkeiten lassen, sich selber zu entfalten. Und das fehlte Killmonger. Weshalb er zum US Militär gegangen ist, sich zum Navy SEAL ausbilden ließ und vielleicht auch deshalb zu diesem absolut skrupellosen Killer wurde, der er ist.
Das Schöne an Black Panther ist, dass der Fokus zwar auf die Titelfigur und Killmonger liegt. Aber dafür die anderen Figuren nicht zu kurz kommen. Sie alle erhalten viele Momente, wo sie glänzen können und etwas zur Handlung beitragen können. Dazu gehören auch die weißen Darsteller. Martin Freemans Everett K. Ross wird zum unfreiwilligen Verbündeten T’Challas, der am Ende sogar sein eigenes Leben aufs Spiel setzt, um den Helden zu helfen. Derweil Ulysses Klaw einen enormen Hass auf Wakanda hegt, weshalb er stets alles, was die machen verhöhnt. Dass er dann überraschend stirbt, ermordet durch Killmonger, mag auf den ersten Blick wie eine Vergeudung von Potenzial wirken. Ergibt aber auf den zweiten durchaus Sinn, weil so dieser ein Grund hat, nach Wakanda zu gehen und sein Erbe einzufordern.
Starke Frauen
Gleichzeitig sind die Frauen in diesem Film ebenfalls starke Charaktere. Angela Bassets Ramona ist die stille Basis, auf der T’Challa aufbauen kann. Sie ist überwiegend im Hintergrund aktiv, bleibt aber nicht unsichtbar oder unscheinend. Im Gegenteil: Ihre Präsenz stärkt den Protagonisten den Rücken.
Nakia und Shuri bilden das Paar, dass T’Challa am aktivsten unterstützt. Die ihn auch auf ihre jeweils eigene Art und Weise lieben. Shuri unterstützt ihren Bruder mit ihrem Witz und ihrem Einfallsreichtum. Mehr als nur einmal retten ihre Erfindungen den Tag. Nakia ist hingegen das stille Gewissen des Königs. Sie ist ihm zwar noch zugeneigt, erinnert ihn aber vor allem bei ihrem ersten Auftritt daran, dass da draußen noch eine Welt ist, die die Annehmlichkeiten Wakandas nicht besitzt. Sie ist dabei auch ein Kontrast zu Killmonger, der versucht, das Land mit Gewalt zu öffnen. Sie setzt dabei auf Worte und stille Taten.
Und dann ist da auch noch Okoye. Danai Gurira dient oft als eine Art Comedy Relief, weil sie ständig in Situationen gebracht wird, die sie nicht mag. Doch gleichzeitig wird sie als eine starke Persönlichkeit dargestellt, deren absolute Loyalität jedem gilt, der auf dem Thron sitzt. Sie ist, wie so viele Leute in diesem Film auch, eine gefährliche Kämpferin, die man nicht unterschätzen darf.
Ein unglaublicher Score
Womit nur noch Forest Whitakers Zuri überbleibt. Auch hier war das Casting goldrichtig. Weil er diese stille Würde ausstrahlt, die seine Rolle verlangt. Genau wie Angela Bassets Ramon ist er ebenfalls eine Basis, auf der die Protagonisten aufbauen können. Weshalb sein Ableben durch die Hand von Killmonger sich auch so tragisch anfühlt.
Dieser Film ist großartig. Und zwar nicht nur wegen der Story und ihren Darstellern. Sondern ebenso wegen den Designs. Hier wird ein Afrofuturismus visuell grandios umgesetzt. Und dann die Musik erst!
Wenn man den Score des Films hört, mag man nicht glauben, dass der von einem schwedischen Komponisten stammt. Es wirkt so, als ob hier ein Afrikanischer am Werk war. Tatsächlich hat Ludwig Göransson sich bei seiner Arbeit sehr von afrikanischen Einflüssen inspirieren lassen. So reiste er durch den Kontinent und arbeitete mit dortigen Musikern zusammen.
Ein Meisterwerk!
Doch auch der afroamerikanische Künstler Kendrik Lamar nahm Einfluss auf den Soundtrack. Und sorgte so dafür, dass dieser so unverwechselbar wirkte, in dem er viele markante Lieder beisteuerte.
Am Ende ist dies einfach ein Meisterwerk!
Info
Regie: Ryan Coogler
Drehbuch: Ryan Coogler, Joe Robert Cole
Produktion: Kevin Feige
Musik: Ludwig Göransson
Kamera: Rachel Morrison
Schnitt: Michael P. Shawver, Debbie Berman
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