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Mit Godzilla – Final Wars endet einmal mehr eine Ära.

Zum Abschluss eine Feier

Es war mal wieder so weit: Nachdem einst Die Brut des Teufels das Ende der Showa-Ära bedeutete und Godzilla gegen Destoroyah das der Heisei-Ära, ist Godzilla – Final Wars jetzt das Finale der sogenannten Millennium-Ära. Der Grund dafür war dieses Mal, dass Toho die Filmmarke ruhen lassen wollten, damit wieder mehr Interesse an ihr entstehen sollte. Vermutlich waren die Einspielergebnisse der letzten Jahre nicht so gut, wie es sich das Filmstudio erhofft hatte.

Doch ehe Godzilla die Bühne verließ, sollte er es krachen lassen. Denn das Jahr 2004, wo sein vorerst letztes Filmabenteuer in die Kinos kam, war auch gleichzeitig der 50. Geburtstag des allerersten Godzilla-Films. Dementsprechend stand fest, dass der vorerst finale Auftritt der Riesenechse eben diese Zeit zelebrieren sollte.

Für die Regie von Godzilla – Final Wars wurde dieses Mal jemand ausgewählt, der zuvor noch nie in irgendeiner Art mit dem Franchise zu tun hatte. Mit 35 Jahren war Ryuhei Kitamura sogar einer der bislang jüngsten Filmemacher, die das Studio für die Stelle des Regisseurs selektiert hatte. Und er machte von vorneherein klar, wohin die Reise gehen würde.

Ein überraschendes Casting

Denn er selbst war ein Fan der Godzilla-Filme der 1970er Jahre, da diese, wie er selber sagte, nicht einfach nur Monster-Filme waren, sondern auch Botschaften und Themen behandelten, die die Zeit und die Welt, in der sie liefen, reflektierten und das mit purem Entertainment kombinierten. Seiner Meinung nach hatten die Werke der 1980er und 1990er Jahre dies vergessen oder gar komplett verloren.

Mit dieser doch sehr gewagten These machte er sich ans Werk. Und was er dabei ebenfalls immer wieder betonte, waren die praktischen Effekte, die Godzilla – Final Wars nutzte. Er meinte dazu, dass sie diese seit 50 Jahren nutzten und Hollywood eben nicht.

Beim Cast setzte er auf eine Mischung aus bekannten und unbekannten Namen. Das überraschendste Casting des gesamten Films war sicherlich das des MMA-Kämpfers und professionellen Wrestlers Don Frye als Captain Douglas Gordon. Regisseur und Drehbuchautor von Godzilla – Final Wars, Ryhuei Kitamura meinte dazu nur, dass er die Figur mit dem Kämpfer im Kopf geschrieben hatte. Für Frye war es die allererste Filmrolle überhaupt.

Wenn Legenden wieder mitwirken

An bekannten Godzilla-Schauspiellegenden kehrte Kumi Mizuno in der Rolle als Kommandantin der E.D.F., Akiko Namikawa, zurück. Auch Kenji Sharada, der bereits seit dem allerersten Godzilla-Film ein wiederkehrender Schauspieler der Reihe war, war als Hachiro Jinguji zu sehen. Ihre Rolle als Shobijin aus Godzilla: Tokyo SOS nahmen Masami Nagasawa und Chihiro Otsuka wieder auf. Und Veteran Akira Takarada machte ebenfalls erneut seine Aufwartung, dieses Mal in der Rolle des Natarō Daigo.

Von den Neulingen sind vor allem Masahiro Matsuoka als der Mutant Shinichi Ozaki, Rei Kikukawa als die Biologin Miyuki Otonashi und Maki Mizuno als die Fernsehmoderatorin Anna Otonashi zu nennen. Kazuki Kitamura spielte den Xilien Controller, derweil Kane Kosugi zum Rivalen von Shinichi Ozaki, Kazama, wurde.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die Erde wiederholt von Ungeheuern heimgesucht, die auf Grund von Umweltkatastrophen entstanden. Eines davon ist Godzilla, dass eines Tages in der Antarktis im Kampf mit dem Spezialschiff Gotengo eingefroren werden kann. Doch noch immer tauchen riesige Monstren auf und terrorisieren die Erde. Bei einem massiven Überfall überall auf dem Planeten scheint das Schicksal der Menschheit besiegelt zu sein, bis die mysteriösen Xiliens auftauchen und diese „beseitigen“. Sie behaupten, dies als eine Geste des guten Willens getan zu haben und warnen die Menschheit vor der Bedrohung eines herannahenden Planeten.

Was für ein Ritt!

Doch einige wollen dem Friedensangebot der Außerirdischen nicht so recht trauen. Und schon bald finden sie heraus, dass diese in Wahrheit nichts Gutes vorhaben. Weshalb sich am Ende eine kleine, aber mutige Gruppe von Leuten aufmacht, um die einzige Kreatur zu befreien, die ihnen noch helfen könnte: Godzilla!

Godzilla – Final Wars ist ein wilder Ritt. Von der ersten bis zur letzten Minute erlebt man als „Zuschauer“ einen Godzilla-Film, der mit allen Angewohnheiten der vergangenen Jahre, ja sogar der gesamten damaligen Seriengeschichte bricht. Und der sich trotzdem unverkennbar zur Serienvergangenheit bekennt.

Das fängt schon mit der Titelsequenz an, in der auf alle vorherigen Godzilla-Auftritte Bezug genommen wird und geht mit dem Auftauchen vieler ehemaliger Godzilla-Antagonisten weiter. So erlebt man hier eine Wiederkehr von Rodan (bekannt unter anderem aus Frankensteins Monster im Kampf gegen Gidorah), Anguirus (kennt man aus Godzilla kehrt zurück), Zilla, dem Godzilla aus dem gleichnamigen amerikanischen Film, King Caesar aus King Kong gegen Godzilla, Kamacuras und Kumonga aus Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn sowie Ebirah aus Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer, Gigan aus Frankensteins Höllenbrut und Hedorah aus Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster. Sogar der 1970er humanoide Minilla taucht in diesem Film auf.

Der menschliche Faktor steht im Mittelpunkt der Handlung

Man sieht, es ist ein Who’s Who der Godzilla-Geschichte, von der im Prinzip eigentlich nur noch Mothra und King Gidorah fehlen. Erstere taucht im Film auf, zu Letzterem gibt es in Godzilla – Final Wars eine Überraschung. Mehr sei an dieser Stelle jedoch nicht verraten.

Der Film selbst hat eine für Godzilla-Verhältnisse überdurchschnittliche Laufzeit von knapp über 2 h. Doch sogar bei einer solchen Länge ist es schier unmöglich, dass man allen Monstren gerecht wird, weil es einfach zu viele sind. Wie also vorgehen?

Hier beschreitet Godzilla – Final Wars völlig neue Wege. Denn über weite Strecken des Films fokussiert er sich auf die menschlichen Protagonisten. Die Kaijus sind dabei nur Plotelemente, um die eigentlichen Antagonisten, die Xiliens hervorzuheben. Schließlich sind sie es, die diese Ungeheuer kontrollieren, die sie mit ihren Schiffen teleportieren und fernsteuern können. Das letzte Mal, als ansatzweise so etwas geschehen war, war in den 1970er Jahren in „King Kong gegen Godzilla“ und „Die Brut des Teufels“. Doch selbst damals drehte sich der Plot um die Titelkreatur, nicht so wie hier, wo sich die Handlung um den Kampf der Menschen gegen die Xiliens dreht.

Interessante Vorbilder

Dabei bedient sich der Film freimütig dem, was in den letzten Jahren auf dem Filmmarkt beliebt und erfolgreich war. Der Lederlook und die spezialeffektlastigen Kampfszenen sowie die unterkühlte Optik lassen einen an Matrix denken. Derweil der Einsatz von Mutanten offensichtlich von den X-Men entlehnt wurde. Gleichzeitig fühlt man sich bei der Inszenierung auch deutlich an diverse Super Sentai-Serien erinnert, bei denen der Einsatz von Maschinen im Kampf gegen übergroße Ungeheuer wichtig ist.

Letzteres muss auch Kazuki Kitamura klar geworden sein. Denn ab dem Moment, wo enthüllt wird, dass er die Kontrolle über die Xiliens und damit ebenso über die Kaiju hat, dreht er vollkommen auf und spielt seine Figur in Godzilla – Final Wars völlig übertrieben. Ein solches Overacting erinnert dabei an Jeremy Irons aus dem allerersten Dungeons and Dragons-Film.

Großes Lob muss man Don Frye aussprechen. Anders als andere Prominente Non-Schauspieler in ihrer ersten Schauspielrolle macht er eine gute Arbeit. Klar, er ist ein stereotyper Kämpfer mit rauer Schale, aber weichem Kern. Diese Rolle spielt er verdammt gut und unterhaltsam. Seine Figur eckt an und ist trotzdem deutlich darauf fokussiert, die Xiliens und die Kaijus zu bekämpfen. Er ist der wahre Sympathierträger dieses Filmabenteuers.

Der Film hat Fehler, na und?

Gleichzeitig entwickelt sich seine Figur von allen Protagonisten am meisten weiter. Denn bei den meisten Charakteren wird in Godzilla – Final Wars nur das Allernötigste getan. Man erfährt etwas über ihren Anfangszustand und dann entwickelt sich ihre Persönlichkeit nur minimalst weiter, bis es zu überraschenden Szenen kommt, die so nicht passen. Wie etwa, dass aus der anfänglichen antagonistischen Beziehung zwischen Shinichi Ozaki und Miyuki Otonashi am Ende des Films das Gegenteil geworden ist, ohne dass man mitbekommen hat, wie das geschehen konnte.

Doch am Ende ist das nur Meckern auf hohem Niveau. Der Film mag seine Fehler haben. Die flotte Inszenierung, der ungewöhnliche fetzige Soundtrack sowie die für Godzilla-Verhältnisse außergewöhnliche Story machen alles dies wieder wett. Man langweilt sich zu keiner Minute, selbst bei den ungewöhnlich kurzen Kämpfen zwischen Godzilla und den anderen Ungeheuern nicht.

Bei diesen sorgt der Fakt für beste Unterhaltung, dass man ständig das Gefühl hat, dass Godzilla angepisst ist und die anderen einfach nur Mittel zum Zweck für ihn zum Wutabbau sind. Das macht sich besonders schön bei der Auseinandersetzung gegen Zilla bemerkbar, die übrigens grandios aufgebaut wird. Epische Musik und Kameraführung und dann ist die Sache mit zwei Aktionen Godzillas eindeutig gegessen. Deutlicher hätte Ryuhei Kitamura seine Meinung über den amerikanischen Film nicht ausdrücken können. Einfach nur köstlich!

Ein Auftritt, der funktioniert

Doch auch das Finale, mit dem Auftauchen von Mothra und der Gidorah-Überraschung, ist famos geworden. Einfach, weil hier an mehreren Fronten gleichzeitig gekämpft wird. Einerseits die Menschen gegen die Xiliens, andererseits Godzilla gegen … ein anderes Monster, welches garantiert nicht King Gidorah ist! Beide Auseinandersetzungen unterhalten bestens.

Das Erstaunliche an Godzilla – Final Wars ist, dass auch der Auftritt von Minilla, der immer wieder im Film eingestreut wird, funktioniert. War der Charakter in den 70ern noch eine äußerst nervtötende Figur, kann er dieses Mal überzeugen, eben weil seine Szenen nicht von denen seines Vaters ablenken. Woher er allerdings zu Beginn des Films kommt, wird nicht erklärt.

Man kann an dem Film vieles bemängeln. Vor allem die CGI-Effekte sehen nicht sonderlich gut aus und der Plot ist manchmal so dünn, dass man bequem eine Zeitung durchlesen kann. Doch in diesem Fall stören die Fehler nicht. Die flotte Inszenierung und eben die Tatsache, dass in diesem Fall neue Wege gegangen worden ist, sorgen dafür, dass man diese negativen Aspekte gerne mal vergisst.

Denn unterm Strich ist Godzilla – Final Wars ein würdiger Schlussstrich unter 50 Jahren Godzilla. Der nächste Auftritt sollte erst zehn Jahre später erfolgen, dieses Mal erneut aus Amerika …

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Götz Piesbergen
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