Rückblick: Star Trek – Lower Decks Staffel 1 (&Podcast)

Lesezeit circa: 7 Minuten

Lower Decks ist die neuste Star Trek-Serie, an der sich die Gemüter spalten.

Kein Kinderkram

Star Trek und Zeichentrickserien: Das war lange Zeit eine Kombination, die gemischte Gefühle hervorrief. Die The Animated Series ist zwar vielen Fans noch in guter Erinnerung, doch scheiterte sie letzten Endes daran, dass sie für Kinder zu erwachsen war und für Erwachsene zu kindisch. Hauptproblem war einfach, dass solche Trickserien damals wie auch heute immer noch gerne als „Kinderkram“ abgetan werden. Und das, obwohl mittlerweile Serien wie Simpsons oder Avatar: die Legende von Aang (um ein paar komplett unterschiedliche Beispiele zu nennen) das Gegenteil beweisen. Immerhin hat spätestens mit Reihen wie Rick & Morty eine Gegenbewegung stattgefunden, die beweist, dass es möglich ist, Zeichentrickserien zu erschaffen, die auch eher erwachsene Zuschauer ansprechen.

Rick & Morty ist ein gutes Stichwort. Denn diese Reihe sollte die Quelle für die Verantwortlichen der neusten Zeichentrickserie im Star Trek-Universum sein. Mike McMahan, so der Name, ist einer der Mitschöpfer dieser Kultserie. Und das merkt man an dem Aussehen, das sich deutlich an der Vorlage orientiert.

Als Lower Decks schließlich letztes Jahr in den USA anlief, erhielt sie eine gemischte Reaktion, wie es bei allen aktuellen Star Trek-Serien der Fall ist. Die einen fanden sie zu klamaukig, die anderen feierten sie hingegen für die unzähligen Hommagen an das klassische Star Trek, allen voran The Original Series und The Next Generation.

Ein Schiff aus der zweiten Reihe

Zentraler Handlungsort ist die U.S.S. Cerritos. Kein Schiff der ersten Reihe, sondern eher der zweiten. Das, wie man in der ersten Episode sieht, den zweiten Kontakt macht, um die Beziehungen mit neu entdeckten Völkern auszubauen.

Außerdem stehen im Zentrum des Geschehens nicht die höherrangigen Offiziere sondern die Ensigns, die titelgebenden Lower Decks, die sich in der Hackordnung der Mannschaft ganz unten befinden. Vier dieser Kadetten stehen im Zentrum der Serie. Beckett Mariner, die von Tawny Newsome gesprochen wird, ist eine Rebellin, die ständig und überall aneckt. Brad Boimler hingegen ist jemand, der versucht, so schnell wie möglich aufzusteigen und ein richtiger Arschkriecher ist. Sam Rutherford ist ein Mensch, der ein vulkanisches Cyberimplantat trägt, das nicht immer so funktioniert, wie es eigentlich sollte. Und die Orionerin D’Vana Tendi, die alles mit offenen Augen erstaunt ansieht und ständig versucht, das Positive an den Ereignissen zu finden, rundet das Ensemble ab.

Zu den Senioroffizieren zählen Captain Carol Freeman, der unternehmungslustige Commander Jack Ransom, der bajoranische Sicherheitsoffizier Lieutenant Shax sowie die k’tanische Ärztin Dr. Tana.

Jede Menge Details

Die erste Season umfasst zehn Folgen, wobei Deutschlandpremiere am 22. Januar auf Amazon Prime war. Und dort konnte man direkt gleich alle Episoden auf ein Mal gucken.

Und nach dem Ende der ersten Season lässt sich sagen, dass die Serie die Erwartungen mehr als erfüllt. Das Niveau aller Folgen ist erstklassig, mit nur wenigen Ausreißern nach unten. Der Humor der Zeichentrickserie ist zwar laut, was vermutlich viele abschreckt, aber nie sinkt er auf Fäkalniveau. Und gleichzeitig schreckt die Serie nicht davor zurück, drastische Gewalt zu zeigen, wie zum Beispiel in Der Aufstieg von Vindicta, die zu recht eine Freigabe ab 16 Jahren erhielt. Dabei handelt es sich übrigens um die beste Folge der ersten Season.

Ein Merkmal von Lower Decks ist, wie gesagt, die wiederholte Verbeugung vor dem klassischen Star Trek. Das reicht von vielen kleinen Details wie beispielsweise einigen Aliens im Hintergrund, bis hin zu besonderen Gastauftritten wie zum Beispiel Q oder die U.S.S. Titan unter dem Kommando von William Riker. Stets ist es dabei so, dass diese Verbeugungen ein nettes Bonbon für Fans sind, jedoch nie zu sehr die Handlung dominieren. Die einzige Folge, wo dies ansatzweise der Fall ist, ist Der Aufstieg von Vindicta, in der viel mit Elementen der TOS-Kinofilme gespielt wird.

Man wird nicht allen gerecht

Das Erstaunliche an der Serie ist, dass sie es schafft, jede Menge Handlung und Charakterentwicklung in 25 Minuten unterzukriegen. Episoden wie Gesandte sind dafür das perfekte Beispiel. Dort wird beispielsweise gezeigt, wie fragil das Ego von Boimler ist und dass die raue und ruppige Mariner auch positive Seiten hat.

Allgemein haben die Macher von Lower Decks versucht, allen handlungstragenden Figuren gerecht zu werden, was jedoch nur in Abstufungen funktioniert. Becket Mariner und Brad Boimler sind diejenigen, die am meisten von der Serie profitieren. Auf ihnen beziehungsweise ihren Erlebnissen basiert ein Großteil der Handlung. Sam Rutherford hat auch einige gute Folgen erhalten, dient allerdings durch sein Implantat bedingt, das immer mal wieder Aussetzer hat, regelmäßig als Comedyrelief. Wobei er in Episoden wie Diplomatischer Schrott eine andere, eine ernste Seite präsentieren durfte. Der große Verlierer des Quartetts ist D’Vana Tendi. Die Orionerin wird viel zu oft als naiv und freundlich dargestellt. Nur in Der Aufstieg von Vindicta wird gezeigt, dass sie ebenfalls andere Seiten besitzt. Doch war dies ein Einzelfall.

Auch die Brückencrew wird im Laufe der Season charakterisiert. Allen voran Captain Carol Freeman profitiert davon. Die Mutter von Becket Mariner wirkt häufig von den Taten ihrer Ensigns genervt und bemüht sich parallel dazu das Schiff zu kommandieren. Jack Ransom ist der geradezu archetypische Action-Offizier, der Prügeleien genießt und in jedem Hafen eine Braut zu haben scheint. Schade, dass die durchaus vorhandene Anziehungskraft zwischen ihm und Mariner nach Der Zeitpuffer nicht mehr thematisiert wurde. Lieutenant Shaxs war lange Zeit so etwas wie der Comedyrelief, da er den schießwütigen Sicherheitschef gab. Trotzdem geht einem sein Ableben in Keine kleinen Rollen zu Herzen. Und die Ärztin Dr. T’Ana rundet das Ensemble als genervter Doktor ab, die sich mit ihrer Kratzbürstigkeit vor einem Pille nicht zu verstecken braucht.

Old School!

Überwiegend besitzt Lower Decks ein hohes Qualitätsniveau. Nahezu jede Folge kann restlos überzeugen. Nur bei zwei Episoden ist dem nicht der Fall. Sowohl in Viel Lärm um Boimler als auch bei Veritas ist es so, dass die Macher lieber auf einen Abschlussgag setzten, anstatt auf ein logisches Ende, welches besser zum vorigen Handlungsverlauf passen würde. Doch unterm Strich ist dies Meckern auf hohem Niveau.

Von allen Trek-Serien der letzten Jahre ist Lower Decks die vielleicht old-school-trekigste überhaupt. Sei es das Intro, das, wenn auch mit einem Augenzwinkern, an die Intros von TNG oder Voyager erinnert. Oder das Fehlen des einen großen folgenübergreifenden Plots! Stattdessen gibt es jede Woche ein neues Abenteuer und die Figuren können sich entwickeln, ohne dass es teilweise übers Knie gebrochen wirkt.

Man merkt, dass die Macher große Fans des Universums sind. Gleichzeitig sehen sie aber auch die Schwächen dessen, auf die sie mit manchen Gags und Plots anspielen. Auf jeden Fall ist diese Reihe fantastisch und man freut sich auf die zweite Staffel. Bei der die Macher schon angekündigt haben, dass Boimler fürs Erste Lieutenant Commander auf der Titan bleiben wird. Und dass mit Sonya Gomez eine bekannte Nebenfigur aus The Next Generation auftauchen wird. Wie das am Ende aussehen wird, wird sich zeigen müssen. Aber wenn die zweite Season das Niveau der ersten hält, dann hat man es hier mit einem Klassiker zu tun!


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Götz Piesbergen
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