[PCD 008] Bruchstücke

Lesezeit circa: 9 Minuten

Raffi setzt die Bruchstücke der Verschwörung zusammen. Aber die Romulaner haben immer noch einen Vorsprung.

Staffel 1- Folge 8
„Bruchstücke“ – „Broken Pieces“

Rückblende: Wir erforschen einige der Szenen, die bei der Gedankenverschmelzung von Dr. Jurati und Commodore Oh (Tamlyn Tomita) zu sehen waren. Wir sehen auch, dass die xB Ramdha (Rebecca Wisocky) und Narissa Rizzo anwesend sind. Nur diese drei haben das „Die Mahnung“ genannte Ritual überlebt, der Rest wurde wahnsinnig und nahm sich selbst das Leben.

Star Trek Picard Bruchstücke Die Mahnung
Die Mahnung

Auf dem Kubus

Rizzo (Peyton List) ist bei ihrer Tante Ramdha am Krankenbett. Sie hat Narek (Harry Treadaway) und Narissa nach dem Tod ihrer Eltern aufgenommen. Offenbar wurde der Kubus außer Gefecht gesetzt, weil Ramdha ihren Wahnsinn ins Kollektiv übertragen hat. Klingt nach einer guten Waffe gegen die Borg – den Verrückten opfern, um Tausende zu retten. Da fragt man sich aber auch gleich, ob das Kollektiv vorher noch nie einen Wahnsinnigen assimiliert hat. Was die Romulaner von den Borg wollen, ist aber immer noch ein Rätsel.

Elnor (Evan Evagora) wurde inzwischen lokalisiert und muss sich gegen Romulaner zur Wehr setzen, die ihn aber überwältigen können. Gerade rechtzeitig taucht Seven (Jeri Ryan) auf und gemeinsam schaffen sie es, die Angreifer zu besiegen. Sie fliehen in die Kammer der Königin. Dort startet Seven den Regenerationsprozess. Die Romulaner machen sich bereit, den Kubus zu zerstören, was Seven zu einer riskanten Aktion bringt. Obwohl sie vorerst schwere Bedenken hat, verbindet sie sich mit dem Kubus und reaktiviert die noch nicht befreiten Drohnen. Leider zu spät, denn die Romulaner öffnen die Luftschleusen und Hunderte Drohnen werden ins All gesogen. Trotzdem können die Drohnen den Kubus wieder übernehmen, Rizzo entkommt nur knapp. Mit vielen kleinen Schiffen machen sich die Romulaner auf den Weg zur Heimatwelt von Soji (Isa Briones).

Das bringt mich zu einem interessanten Punkt. Was genau macht ein Borgkubus mit Luftschleusen? Und dann auch noch so riesige? Hätte man hier nicht einfach die Schilde nutzen können?

Das Design des Kubus ist zwar gelungen, bricht aber mit dem, was wir bisher gesehen haben. Rizzo wird zwar langsam interessanter, da sie endlich etwas Background hat, aber das kommt eigentlich auch schon zu spät. Die Verwandtschaft mit Ramdha ist obendrein unnötig.

Star Trek Picard Bruchstücke Seven of Nine als Borgqueen
Seven of Nine als Borgqueen

Rios trifft auf Soji

Als Rios zum ersten Mal Soji sieht, löst es etwas bei ihm aus. Er aktiviert alle Hologramme und zieht sich in sein Quartier zurück. Raffi unterhält sich mit den Hologrammen und kommt so langsam dahinter, was mit Rios gerade nicht stimmt. Er hat einen Androiden des Typs Soji schon einmal gesehen – und auch ihren Tod. Sein ehemaliger Captain an Bord der USS Ibn Majid hatte zwei Reisende aufgenommen, die er dann kaltblütig erschossen hatte. Es waren Androiden und er handelte auf Befehl der Sternenflottensicherheit. Rios hielt ihm eine Standpauke und daraufhin nahm sich Captain Vandermaar das Leben.

Absolut nachvollziehbar, dass Rios deswegen beim Anblick von Soji nicht in Freudentränen ausbricht und es bringt Rios einen gehörigen Schub an Backstory. Schade, dass dafür der Großteil der Folge drauf geht, denn die Gespräche mit den Hologrammen nehmen eine Menge Zeit in Anspruch. Beeindruckend: Santiago Cabrera schafft es hier, sechs Rollen zu spielen, die allesamt eine unterschiedliche Persönlichkeit und sogar Akzente haben. Der Ingenieur hat natürlich einen schottischen.

Die spaßigste Szene ist die „Konferenz“ von Raffi (Michelle Hurd) und den Hologrammen. Es ist toll, dass man ein wenig Witz in die Folge eingebaut hat und vor allem die Dosierung richtig gewählt hat.

Star Trek Picard Bruchstücke Raffi redet mit den Hologrammen
Raffi redet mit den Hologrammen

Emotionale Intelligenz

Der Besuch auf Nepenthe ist noch nicht lange her, die Lektion von Deanna Troi (Marina Sirtis) ist aber wohl schon vergessen, denn Picard (Patrick Stewart) poltert schon wieder über alle anderen hinweg. Immerhin  stellt er fest, dass Data und er das gleiche Problem mit dem Zeigen von Emotionen hatten. Es ist verständlich, dass er auf Dr. Jurati (Alison Pill) nicht sonderlich gut zu sprechen ist. Trotzdem hat sie einige Informationen für ihn, die von Soji am Ende vervollständigt werden. Sie ist die Zerstörerin. Agnes ist natürlich sehr neugierig auf Soji und löchert sie mit Fragen wie „Trinken sie?“

Auf die Frage von Soji, ob Agnes eine Person in ihr sehe, gibt sie aber keine Antwort.

Die Verschwörung entfaltet sich

Während Raffi nach einer Antwort auf Rios‘ seltsames Verhalten hofft, kommt sie auch an anderer Stelle weiter. Sie findet heraus, dass „Konklave der Acht“ keine Personen bezeichnet, sondern ein künstliches Sternensystem mit acht Sonnen. Dort hinterließ vor einigen Hundert Jahrtausenden eine fremde Rasse eine Warnung vor künstlicher Intelligenz.

Als laut Raffi vor 30 bis 40 Jahren Dr. Soong es geschafft hat, synthetisches Leben zu perfektionieren, hat sich Commodore Oh in die Sternenflotte eingeschleust und sich zum Chef der Sternenflottensicherheit hochgearbeitet. Sie ist eine halb romulanische, halb vulkanische Spionin.

Die Zeitangabe von Raffi ist natürlich Quatsch, denn Data wird 2338 reaktiviert – wie lange er vorher schon existierte, ist nicht bekannt. Spätestens nach Abschluss der Sternenflottenakademie 2345 wäre man auf ihn aufmerksam geworden. Nun kennt Raffi Data wahrscheinlich gar nicht und ist über Details garantiert nicht im Bilde, aber Picard sehr wohl. Er lässt dies aber unkommentiert stehen. Ja, ist eine Kleinigkeit, hat mich aber schon ein wenig gestört.

Jedenfalls kommt man dahinter, dass die Romulaner hinter dem Angriff auf den Mars stecken. Und Rios Begegnung mit den beiden Androiden vor neun Jahren hat ihnen die Information geliefert, dass es noch mehr Androiden geben muss und sie sogar eine Heimatwelt haben. Auch hier greift Picard nicht ein und korrigiert: Nicht die Romulaner, sondern die Zhat Vash stecken hinter dem Angriff. Da nun die gesamten Romulaner mit reinzuziehen empfinde ich als Sippenhaft. So, als würde man die gesamte Föderation für Taten der Sektion 31 verdammen.

Soji ändert eigenmächtig den Kurs zu ihrer Heimatwelt, deren Koordinaten ja aus der Vorgängerfolge schon bekannt sind. Wobei, sie ändert den Kurs eher zu einem Transwarptunnel der Borg. Als sie eintreten, enttarnt sich ein Schiff und fliegt hinterher.

Der Pilot, vermutlich Narek, hat hier wohl extremes Glück, denn die La Sirena hat ein paar Mal den Kurs gewechselt.

Star Trek Picard Bruchstücke Die La Sirena tritt in den Transwarptunnel ein
Die La Sirena tritt in den Transwarptunnel ein

So … you’re going to assimilate me now?
-Elnor

Fun Facts

  • Picard war Ensign auf der USS Reliant – dies ist nicht die NCC-1864, sondern ein Schiff, das nur im Drehbuch zu „Wem gehört Data?“ erwähnt wird. Er diente dort mit Admiral Nakamura, der damals noch Lieutenant war.
  • Picard erwähnt Marta Batanides – das war eine seiner Sternenflottenkameradinnen, die bei der Schlägerei in „Willkommen im Leben nach dem Tode“ dabei war.

Der Titel

Bei dieser Folge ist der Titel recht einfach. „Bruchstücke“ bezeichnet zum einen die verschiedenen Puzzlesteine, die bei Rios und der Verschwörung zusammengesetzt werden, aber ebenso auch die „gebrochenen Stücke“ (OT: Broken Pieces), aus denen die Crew besteht. Rios, Raffi, Soji, Jurati, Picard und auch Seven.

Fazit zu „Bruchstücke“

Erinnert sich wer daran, wie alt die Borg laut Guinan sein sollen? „Hundreds of Centuries“ sagt sie im Original in der Episode „Zeitsprung mit Q“ – das Gleiche sagt Jurati über diese alte Rasse, die diese Mahnung hinterlassen hat. Genauso alt sind auch die Iconianer. Zwar gibt es nur einen Hinweis in Star Trek Online, also Non-Canon, dass die Romulaner mit ihnen zusammenarbeiten, aber wer weiß, was man sich da so alles rausgezogen hat. Man hat ja auch die Hauptstory offenbar aus Mass Effect geborgt. Kennt ihr nicht? Kurzfassung: „Mächtige alte Rasse vernichtet alles Leben in der Galaxie, sobald eine Schwelle in der technologischen Entwicklung überschritten wird.“ Diese Schwelle ist das Erschaffen von synthetischem Leben.

Klingt schon sehr dicht dran, oder? Dass ich mit meiner Meinung nicht alleine bin, weiß ich, denn ich habe schon Memes gesehen von Picard in einem Mass Effect Anzug.  (Für die Kenner: Picshep)

So, aber nun zur eigentlichen Episode. Es war toll, dass wir endlich ein paar Antworten bekommen haben. Ich bin nur unzufrieden damit, wie wir sie bekommen haben. Gefühlt die Hälfte der Episode rennen wir Rios hinterher, während auf dem Kubus Seven gerade die Borg reaktiviert. Da steckte weit mehr Action und vor allem Drama drin als in einer Schnitzeljagd. Jurati wurde zwar nicht direkt vergeben, aber sie saß kurz nach dem Aufwachen schon wieder mit der Crew zusammen. So ganz rund war es nicht, aber meine Kritik ist eher marginal. Es sind eben Details, die man immer wieder verhunzt. Ich finde es schade, dass man es nicht schafft, Backstory zu den Charakteren eher zu bringen, sondern immer erst dann, wenn auch der unaufmerksamste Zuschauer es mitbekommt. Das ist kein Picard-eigenes Problem, sondern eher ein Star-Trek-Problem, welches in den neuen Serien nur noch mehr in den Vordergrund tritt.

Die Serie hat auf jeden Fall mehr Potenzial als sie bisher rausgeholt hat. Die Folge verliert im direkten Vergleich mit dem Vorgänger an Momentum und die war ja auch schon entschleunigt. Jetzt wird es wohl wieder auf ein gehetztes Finale hinauslaufen.

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Marco Golüke

Marco Golüke

Marco ist Jahrgang 78 und mit He-Man, Star Trek, Star Wars, Galaxy Rangers, Babylon 5 und was es nicht noch alles gibt groß geworden. Er ist der Chefredakteur und Herausgeber dieses Magazins und kümmert sich somit auch um alles Organisatorische.

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