Review: Babylon 5 040 – Das Ende der Markab

Lesezeit circa: 10 Minuten

Eine Seuche breitet sich aus – Babylon 5 im Lockdown.

Staffel 2 – Folge 18
Das Ende der Markab / Confessions and Lamentations

Handlung

Ein ziviler Transporter der Markab ist nicht wie geplant bei Babylon 5 angekommen. Er wird gefunden, aber niemand an Bord lebt mehr. Auch auf Babylon 5 gab es schon mehrere Todesfälle unter den Markab. Dr. Franklin (Richard Biggs) arbeitet mit einem führenden Arzt der Markab zusammen, Dr. Lazarenn (Jim Norton). Dieser versucht Franklin einzureden, alle Markab seien eines natürlichen Todes gestorben. Aber das ist nicht die Wahrheit.

Delenn (Mira Furlan) hat Sheridan (Bruce Boxleitner) zum Essen eingeladen, und weil er ein Ehrengast ist, wurde das Essen von Lennier (Bill Mumy) nach religiösen Regeln zubereitet. Auch darf Sheridan nicht einfach drauf los essen, er muss ebenfalls bestimmte Rituale einhalten. Ivanova (Claudia Christian) unterbricht das Essen, denn Dr. Franklin hat jetzt herausgefunden, dass die Markab an einer Seuche gestorben sind. Dr. Lazarenn gibt zu, dass es eine hundert Prozent tödliche Seuche mit einer hohen Ansteckung ist. Über diese Krankheit reden Markab nicht, denn sie glauben, nur wer unmoralisch lebt, bekäme diese Krankheit. Bisher war die Seuche erst einmal vor hunderten von Jahren auf der Insel Drafa aufgetreten. Vor einem Jahr sei sie erneut ausgebrochen. Weil die Betroffenen sich fürchteten, als unmoralisch zu gelten, gingen sie nicht zu Ärzten, die Krankheit breitete sich aus.

Sheridan ordnet eine Quarantäne für die Station an. Außerdem müssen sich alle Markab untersuchen lassen. Der Botschafter der Markab ist erbost. Mit der Aufforderung, alle Markab sollen sich untersuchen lassen, würde man den Markab unterstellen, unmoralisch zu sein. Vielleicht sei das Ganze eine Verschwörung und man habe die Markab gezielt angesteckt. Deshalb würden sich die Markab in einem Teil der Station von allen anderen isolieren. Während die Markab sich alle versammeln, werden die anderen Lebewesen nervös. Es kommt zu Unruhen. Delenn bittet Sheridan, mit Lennier zu den isolierten Markab gehen zu dürfen, um soweit es ihr möglich ist, Trost zu spenden. Sie weiß, wenn die Krankheit auch auf andere Lebensformen übertragbar sein sollte, droht auch ihr der Tod. Deshalb ist ihr Abschied von Sheridan vielleicht ein Abschied für immer. Sheridan bittet sie, wenn alles vorbei ist, ihn John zu nennen.

Franklin arbeitet wie ein Besessener. Er nimmt Stimms, Aufputschmittel, um den Schlaf zu unterdrücken. Dann findet er heraus, dass vorerst nur Markab und Pak’ma’ra von der Seuche betroffen sind, aber natürlich kann das Virus mutieren. Er kann einen Impfstoff entwickeln, der die Krankheit zwar nicht vernichten, aber die Immunität steigern kann. Für die Markab kommt jede Hilfe zu spät. Als Franklin und Sheridan die Halle, in denen sich die Markab isoliert hatten, betreten, sind Delenn und Lennier die einzigen, die noch leben. Auch auf der Heimatwelt der Markab ist es vorbei. Eine ganze Spezies wurde ausgelöscht.

Das Ende der Markab

Der Untergang einer Zivilisation

Bevor ich mich mit der Episode beschäftige, möchte ich mich bei dem Menschen ganz herzlich bedanken, die oder der für die deutschen Folgentitel zuständig ist. Vielen Dank, dass Du im Serientitel das Ende der Folge verraten hast. Ich verstehe ja, dass Bekenntnisse und Klagen, wie man den englischen Folgentitel übersetzen müsste, nicht sehr spannend klingt, aber zumindest wüsste man da nicht, wo JMS uns hinführen will.

Das Ende der Markab ist eine sehr bewegende Geschichte. Die meiste Emotion löst ein kleines Mädchen aus. Erst findet sie ihren toten Vater, wird dann von Delenn getröstet. Später, in der Quarantäne, sucht sie ihre Mutter und wieder ist es Delenn, die sie aufmuntert. Als die Mutter gefunden wird und das Mädchen freudestrahlend auf sie zu läuft, holt auch sie die Krankheit ein.

Die Folge hat JMS schon lange vorbereitet. Sie sollte den Zuschauer:innen unter die Haut gehen, sie sollten die Auslöschung einer ganzes Spezies mitfühlen können. Deshalb durfte es keine neu eingeführte Spezies sein, sondern eine, die schon von Anfang an dabei war. Er dachte kurz daran, die Drazi zu wählen, aber die Masken für diese konnten Emotionen nicht sehr gut wiedergeben. Deshalb wählte er die Markab aus.

Ein solches Ende war man bei Ausstrahlung der Folge nicht gewohnt. Wenn in anderen SF-Serien wie Star Trek oder Kampfstern Galactica ähnliche Geschichten erzählt wurden, dann fand man immer ein Mittel, um die Krankheit zu besiegen. In Babylon 5 war ein Happy End nicht garantiert. Das hatte schon die Folge Die Gläubigen aus der ersten Staffel gezeigt, die ja anfangs auch Star Trek-mäßig daherkam und dann doch böse endete. Auch dort war Dr. Franklin involviert, als ein außerirdischer Junge durch eine Operation gerettet werden konnte, seine Eltern aus religiösen Gründen aber dagegen waren. Die Markab verhielten sich jetzt fast genauso, wie seinerzeit die Eltern des Jungen.

JMS wollte mit der Krankheit keine Anspielung auf AIDS machen, was für die Zuschauer:innen Mitte der neunziger Jahre der erste Gedanke war. Ihm kam es darauf an, dass es tödlich sein kann, wenn man eine Krankheit religiös oder politisch bewertet. Das war bei AIDS, als es in den frühen 80er Jahren ausbrach, auch der Fall. Religiöse Fundamentalisten sahen in AIDS eine Strafe Gottes für Schwule, um sie für ihre sexuelle Lebensweise zu bestrafen. Aus der Politik wurden nur wenige Forschungsmittel bereitgestellt, da die Krankheit ja nur Schwule betrifft. Das änderte sich erst, als zunehmend auch Heterosexuelle erkrankten. JMS legte Wert darauf, dass es ihm nicht um AIDS im Besonderen ging, sondern allgemein um Krankheiten, bei denen die Suche nach Heilung durch religiöse und politische Ignoranz behindert werden. Die Pest im Mittelalter war dann auch eher das Vorbild für „Drafa“, denn auch bei der Pest gab es die hanebüchensten Verschwörungstheorien und Schuldzuweisungen. So wurden Jüdinnen und Juden beschuldigt oder Frauen, die als Hexen verdächtigt wurden. Es gab Gegenden, wo die Pest ¾ der Bevölkerung auslöschte.

Wo ich dieses Review schreibe, befinden wir uns gerade in der vierten Corona-Welle. Selbst diese im Vergleich zur Pest oder „Drafa“ harmlose Viruskrankheit wird von Verschwörungsmythen begleitet. Zu Anfang der Pandemie wurden Chinesinnen und Chinesen beschuldigt, die Krankheit zu verbreiten, Donald Trump sprach provozierend vom „China-Virus“. Trotz steigender Infektionszahlen stellen Menschen den Virus an sich in Frage oder halten die Krankheit für ungefährlich. Das zeigt mir, dass die Folge auch heute noch glaubwürdig und realistisch ist.

Dr. Lazarenn wurde von Jim Norton gespielt. Er war schon zweimal als Richter Wellington auf der Station und wird noch ein viertes Mal als G’Quan zu sehen sein. In Star Trek – The Next Generation spielte er zweimal Albert Einstein. Das waren seine einzigen Ausflüge in die Science-Fiction.

Die Markab spielen im Serienverlauf nun nicht mehr mit, obwohl in den Raum gestellt wird, dass einzelne Markab auf abgelegenen Kolonien überlebt haben könnten. Sie könnten aber als Vorbild für das Volk von Dureena Nafeel aus Babylon 5: Crusade gedient haben. Dureena ist die einzige Überlebende eines namentlich nicht bekannten Volkes, das durch eine biologische Waffe der Schatten ausgelöscht wurde. Später findet sie eine vergessene Kolonie ihres Volkes, wie es für die Markab auch eine geben könnte.

Manche B5-Fans fragten sich, ob nicht auch „Drafa“ eine von den Schatten erschaffene Krankheit sein könnte. Dies ist aber unwahrscheinlich, da Dr. Lazarenn bezüglich des ersten Auftretens nur von „einigen Jahrhunderten“ sprach. Wenn JMS wollte, dass die Zuschauer:innen etwas mit den Schatten assoziieren sollten, dann werden immer die magische 1.000 Jahre ins Spiel gebracht.

Call me John

Und wenn es um die 1.000 Jahre geht, dann kommt auch Valen ins Spiel, die mythische Figur, die den Grauen Rat gegründet hat. Bei dem zeremoniellen Essen, das Delenn für Sheridan gibt, spielt Valen eine große Rolle. Für ihn wird ein Platz am Tisch freigehalten und ein Gedeck bereitgestellt. Der Gast – in diesem Fall also Sheridan – gibt einen Teil seines Essens Valen ab, der irgendwann zurückkommen soll. Auch wenn Sheridan bei der anschließenden Zeremonie eingenickt ist, hat er aber offenbar gut aufgepasst. Als er geweckt wird, sagt er noch im Halbschlaf „In Gedenken an die Neun und den Einen“. Der Eine, damit ist Valen gemeint. Valen ist für die Minbari das, was für die Vulkanier Surak ist oder für die Klingonen Kahless.

Sheridan und Delenn kommen sich in dieser Folge sehr nahe. Als sich Delenn von Sheridan verabschiedet, streicht sie ihm über die Wange und Sheridan bittet sie, ihn künftig beim Vornamen zu nennen. Das geht in der deutschen Synchro leider verloren, dort sagt er: „Gleichgültig wo wir uns wiedersehen, es wird mich sehr glücklich machen.“ Und im Englischen: „When I do see you again, call me John.“ Und das tut Delenn auch, als sie sich am Ende der Folge wiedersehen. Das behält sie fortan auch bei, wohingegen die Synchro hin und wieder ihr ein „Captain“ in den Mund legt.

Nach längerer Zeit sehen wir in dieser Folge auch Lt. Keffer (Robert Rusler) wieder. Ivanova bittet Sheridan, die Zeta-Staffel nach dem Markabschiff suchen zu lassen, sobald Lt. Keffer zurück sei. Sheridan wundert sich, dass Keffer allein im All unterwegs ist, und Ivanova erklärt, dass er vor Längerem etwas im Hyperraum gesehen habe und nun danach sucht. In der Folge wird nicht gesagt, was das ist, aber aus der Folge Rettet die Cortez wissen wir, dass er ein Schiff der Schatten gesehen hat und er dieses wiederfinden will.

Sheridan gibt den Befehl, dass Keffer diese Alleingänge zu unterlassen habe. Auch hier verrät uns die Folge nicht, warum Sheridan das verlangt. Wir können es uns aber denken. Er denkt an die Schatten und dass eine Konfrontation mit diesen noch zu früh ist. Deshalb muss auch Keffer daran gehindert werden, irgendwelche Dinge ins Rollen zu bringen, die man dann nicht mehr kontrollieren kann.

Die Staffel nähert sich jetzt langsam ihrem Ende und für JMS war schon klar, dass er Keffer nicht mit in die nächste Staffel nehmen wird. Sonst hätte er vielleicht Keffer zum Nightwatch-Mitglied gemacht und nicht Zack Allen. Aber zunächst heißt es sich von einer anderen Figur zu verabschieden.

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Dirk Wilkens-Hagenkötter
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