Die Sci-Fi-Serie Lexx – The Dark Zone genießt heutzutage Kultstatus.

Um was geht es?

Zu einer unbekannten Zeit existiert das Universum des Lichts, in welchem der Imperator „Sein Göttlicher Schatten“ von seinem „Cluster“ genannten Zentralplaneten aus die Liga der 20.000 Planeten befehligt. In deren Einflussbereich befindet sich auch die Erde, deren Bevölkerung gerade dabei ist, sich mittels des „Higgs-Bosonen-Generators“ zu zerstören. Allerdings befindet sich die Erde im parallel gelegenen „Dunklen Universum“, der sogenannten „Dark Zone“, welche „Sein Göttlicher Schatten“ nicht zu betreten vermag.

Auf dem Cluster machen eines Tages der tollpatschige Wachmann Stanley Tweedle, die Lustsklavin Zev sowie der Jahrtausende alte untote Kai, einst ein Mitglied einer mächtigen Kriegerkaste namens „Brunnen-G“, sowie 791, der abgetrennte, aber noch lebende Kopf eines Robotersoldaten, mehr oder weniger unfreiwillig Bekanntschaft miteinander, da sie sich aus unterschiedlichen Gründen auf der Flucht vor den Getreuen „Seines Göttlichen Schattens“ befinden. Gemeinsam gelangen sie an Bord von Lexx, einem organischen Raumschiff, welches eine der größten Waffen der Liga der 20.000 Planeten darstellt, und können damit fliehen. Eine ihrer ersten Prioritäten ist es, Protoblut für Kai aufzutreiben, der ohne selbiges seine Kryo-Kammer nicht verlassen kann.

Anschließend wird das Team wider Willen auf ihrer Flucht vor „Seinem Göttlichen Schatten“ in eine Reihe überaus bizarrer Abenteuer verwickelt, in deren Verlauf sie unter anderem ein galaktisches Riesen-Insekt entdecken, welches im Inneren des Clusters lebt, Zev in die ebenso schöne Xev reinkarniert und sie die Bekanntschaft der trotz allem zumindest zeitweise freundlich gesonnenen Kannibalin Giggerota machen. Bei alledem muss die unfreiwillige Crew immer wieder feststellen, dass ziemlich viele Dinge in den überaus verqueren beiden Universen ganz anders sind, als sie auf den ersten Blick erscheinen…

Rezension

Bis heute gilt die bis zum Ende der dritten Staffel neben im kanadischen Halifax in den Filmstudios Babelsberg bei Potsdam inszenierte Serie (-zu Recht-) als eine der ungewöhnlichsten Science-Fiction-Reihen überhaupt. Häufig ist als Beschreibung zu lesen, es handele sich um eine Art brutale Version von Per Anhalter durch die Galaxis, was zumindest nicht komplett von der Hand zu weisen ist. Ebenso finden sich jedoch auch Ähnlichkeiten zur Serie Farscape, welche ab Ende 2000 auch hierzulande erstmals zu sehen war.

Der Grund für derlei Ähnlichkeiten ist recht simpel: In der späten Mitte der 90er-Jahre gab es bekanntlich eine wahre Flut an Science-Fiction-Serien, was in erster Linie durch den Erfolg von Star Trek – The Next Generation, Deep Space Nine und Voyager sowie Babylon 5 bedingt war. Um auf der dieser Welle jedoch mitschwimmen zu können, galt es, ungewöhnliche neue Serien zu erdenken und anschließend zu produzieren. Und diese Bemühungen wiederum brachte neben anderen schönen Beispielen die Serie Lexx – The Dark Zone hervor.

Die Handlung der Serie entwickelte sich erst nach und nach aus den anfangs zusammenhanglos scheinenden Schilderungen des Lebens in der fremdartigen Serien-Galaxis. Mit der Zeit erhielt diese dann eine flüssige Chronologie, ist jedoch bis heute keine wirklich leichte Kost. Lexx – The Dark Zone eilt der Ruf voraus (…und hinterher), dass es sich um eine jener Serien handelt, die man von Anfang an hasst oder liebt.

Besonderen Zulauf erfuhr die Serie bei ihrer deutschen Erstveröffentlichung übrigens durch Angehörige der Gothic-Szene (im Volksmund mitunter als „Grufties“ bezeichnet), was sicherlich in weiten Teilen am düsteren Look und der zynischen Machart der Serie lag.

Die ersten vier jeweils 90-minütigen Folgen waren als Mini-Serie gedacht und konnten mit beachtlichen Gaststars wie Tim Curry (The Rocky Horror Picture Show), Malcolm McDowell (Uhrwerk Orange, Caligula) und Rutger Hauer (Blade Runner, Gesucht: Tot oder lebendig) aufweisen, die natürlich allesamt bizarre Bösewichter verkörperten. Trotz des Umstandes, dass es sich bei der Serie um eine kanadisch-britisch-deutsche Co-Produktionen handelte, wurde sie hierzulande erst später im Fernsehen beim Privatsender Vox gezeigt, wo sie allerdings eher geringen Erfolg erfuhr – anders als in Kanada und England, wo die Quoten erheblich stabiler waren. Zuvor veröffentlichte man sie in Deutschland als Video-Premiere, zunächst als Verleih- und erst danach als Kaufkassetten.

Lexx - The Dark Zone

Da der dritte Film nicht unerheblich brutal gestaltet war, erhielt er in der Verleihversion eine 18er-Freigabe und wurde für die ab 16 Jahren freigegebene Kaufvideo-Version erheblich gekürzt. Die Verleihkassetten entwickelten sich Ende der 90er-Jahre zu einem verhältnismäßigen Renner in den Videotheken. Erst ein Jahr nach der Veröffentlichung der vier Filme begann dann die Produktion der eigentlichen Fernsehserie, welche 45-Minuten-Folgen hervorbrachte. Auch diese waren sicherlich nicht unbedingt für zartbesaitete Gemüter geeignet, verzichteten jedoch auf den zeitweisen „Gore“ der Episoden in Filmlänge.

Nach einem Streit innerhalb des kanadisch-britisch-deutschen Produktionsstabes der Serie wurde deren Produktion für die vierte und letzte Staffel komplett aus den Babelsberger Filmstudios ausgelagert und fand nur noch im kanadischen Halifax statt. Bis heute kann man im Babelsberger Filmmuseum jedoch unterschiedliche Props und Requisiten aus der Serie sehen.

Hauptdarstellerin Eva Habermann stieg schon nach wenigen Episoden aus der Serie aus und wurde von ihrer Pseudo-Reinkarnation Xev (hier stand wohl Doctor Who mehr oder weniger Pate) ersetzt, welche von der nicht weniger bekannten deutschen Schauspielerin Xenia Seeberg dargestellt wurde. Beide Damen blieben auch nach dem Ende von Lexx in der Welt des Fernsehens erhalten. Ähnliches galt für den Briten Brian Downey, welcher den schusseligen Stanley Tweedle darstellte. Einzig der Kanadier Michael McManus, der unter weiblichen Serien-Fans für seine Rolle des untoten, aber dennoch fühlenden Brunnen-G-Kriegers gefeiert wurde, verschwand nach dem Serien-Ende fast komplett in der Versenkung und wird bis heute nur immer einmal gelegentlich in aktuellen TV-Produktionen gesichtet.

Die deutsche DVD-Veröffentlichung aller vier Staffeln von Lexx – The Dark Zone erfolgte 2006 durch die Universum Film GmbH, ist leider jedoch schon seit einigen Jahren offiziell vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich. Allerdings gibt es eine aus 19 Discs bestehende Gesamt-Edition der Serie, die aus ihrem Herkunftsland Großbritannien per Import bezogen werden kann. Ansonsten ist Lexx – The Dark Zone immer wieder einmal im Pay-TV zu sehen, zuletzt beim bekannten Spartensender Syfy.
Freunde ungewöhnlicher Science-Fiction-Unterhaltung mit gewissen Horror-Elementen werden jedenfalls voll und ganz auf ihre Kosten kommen.

Infos

Deutscher Titel: Lexx – The Dark Zone
Original: LEXX
Staffel 1: 4 TV-Filme
Staffel 2-4: 61 Episoden
Produktionsland: Kanada/Deutschland/Vereinigtes Königreich
Idee: Paul Donovan
Produktion: Norman Denver, Salter Street Films, Universum Film GmbH
Musik: Marty Simon

Darsteller

Stanley H. Tweedle: Brian Downey
Kai: Michael McManus
Zev Bellringer: Eva Habermann
Xev Bellringer: Xenia Seeberg
Giggerota: Ellen Dubin
Mantrid: Dieter Laser

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Thorsten Walch

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