Science Fiction ist für starke Frauencharaktere bekannt, doch dies ist nicht immer selbstverständlich.

Der harte Kampf gegen den Zeitgeist

Kaum ein anderes Genre hat mehr herausragende Frauencharaktere hervorgebracht als die Science Fiction und spielte dabei stets eine Vorreiterrolle. Das mag daran liegen, dass Science Fiction einen Blick in die Zukunft wirft und meist einen utopischeren Zustand der Gesellschaft beschreibt, als die gegenwärtige Realität zu bieten hat. Und selbst in Dystopien geraten Frauen oft in die Rolle von Kämpferinnen, welche sich gegen die herrschenden Zustände auflehnen.

Selbstverständlich lässt sich dies nicht auf die gesamte Science Fiction übertragen, zumal vor allem in der Vergangenheit die überwiegende Mehrheit der Autoren Männer waren und Schriftstellerinnen wie Mary Shelley eher die Ausnahme bildeten. Trotzdem waren es nicht selten männliche Sci-Fi-Autoren, die Frauen mehr zutrauten, als ihre patriarchal geprägten, konservativen Zeitgenossen. So waren es schon bei Kurd Laßwitz Marsianerinnen, welche die männlichen Protagonisten von der Erde mit einer fortschrittlicheren Gesellschaft konfrontierten.

In den frühen Pulp-Magazinen und Serials wie Flash Gordon und Buck Rogers dominierten allerdings durchaus noch männliche Protagonisten, die oft auch Namensgeber eben dieser Publikationen waren. Frauen waren zumeist auf die Rolle des Love Interest reduziert und mussten aus gefährlichen Situationen gerettet werden. Dieses Klischee wurde erst in den 1960ern allmählich aufgebrochen. Zwar bestand der Cast von bedeutenden Sci-Fi-Serien wie Raumpatrouille Orion oder Star Trek weiterhin zum Großteil aus Männern, doch waren Frauen wie Eva Pflug (1929-2008) als Leutnant Tamara Jagellovsk oder Majel Barrett (1932-2008) als Nummer 1 mitnichten Prinzessinnen, die einer Rettung bedurften. Im Gegenteil, sie waren taff und hatten Führungspositionen inne.

Leider war dieser feministische Vorstoß nicht von langer Dauer. Während Raumpatrouille Orion nach nur sieben Episoden abgesetzt wurde, stieß der Star-Trek-Pilotfilm Der Käfig sofort auf Ablehnung. Die Produzenten duldeten keine Frau in einer Führungsposition, und die weibliche Nummer 1 blieb nur in den wiederverwendeten Szenen der Doppelfolge Talos IV – Tabu erhalten. Majel Barrett erhielt unterdessen eine Nebenrolle als Krankenschwester Chapel, war damit allerdings nur eine Gehilfin in einem typischen Frauenberuf und musste obendrein eine blonde Perücke tragen. Erst in Star Trek: Der Film (1979) durfte sie wieder ihre natürlichen Haare zeigen und wurde zur Ärztin befördert, wobei sie weiterhin in einer Nebenrolle blieb.

Frauen

So ganz hat sich Gene Roddenberry, den Majel Barrett später heiratete, aber nicht von den Produzenten abspeisen lassen. Mit Lt. Nyota Uhura blieb eine Frau auf der Brücke, die im Gegensatz zu Yeoman Janice Rand nicht nur dem Captain den Kaffee servierte. Allerdings musste auch sie einen Minirock tragen und wurde in der Episode Meister der Sklaven Opfer sexueller Gewalt, was zwar nicht zu sehen, aber sehr wohl zu hören war. Innerhalb der Sternenflotte hatte Uhura jedenfalls eine wichtige Führungsposition und das nicht nur als Frau, sondern obendrein als Afroamerikanerin. Als Nichelle Nichols (1932-2022) die Serie zugunsten einer Broadway-Karriere verlassen wollte, überzeugte sie der Bürgerrechtler Martin Luther King (1929-1968) höchstpersönlich, die Rolle nicht aufzugeben.

Er sollte mit seiner Einschätzung ihrer Symbolkraft Recht behalten, denn Uhura inspirierte viele junge Afroamerikanerinnen. Darunter Whoopi Goldberg, die als Neunjährige so sehr davon überrascht war, im Fernsehen eine schwarze Frau zu sehen, die kein Dienstmädchen war, dass sie später selbst eine Schauspielkarriere startete. Nachdem sie bereits große Hollywood-Erfolge feierte, drängte sie förmlich darauf, eine Rolle in Star Trek: Das nächste Jahrhundert zu spielen und erhielt den wiederkehrenden Part der Barkeeperin Guinan. Natürlich durfte sie mehr als nur Drinks einschenken und half Captain Picard des Öfteren mit ihrem Fachwissen.

Frauen als Actionheldinnen

Während Star Trek in Serienform pausierte, tat sich so einiges in Sachen Feminismus. Das war zum einen den Nachwirkungen der 68er zu verdanken, die wesentliche Frauenrechte erstritten. 1971 und ’74 erhielten dabei auch die Frauen in der Schweiz und Portugal als einige der letzten in Europa das Wahlrecht. Zum anderen ändere sich das Frauenbild in den Medien ab Ende der 1970er gravierend, und hier waren Science-Fiction-Filme einmal mehr wegweisend.

Schickte Stanley Kubrick (1928-1999) in seiner Verfilmung des Romans 2001: Odyssey im Weltraum (1968) von Arthur C. Clarke (1917-2008) noch eine rein männliche Crew mit der Discovery zum Jupiter, gehörten der Crew der Nostromo in Ridley Scotts Alien (1979) schon zwei Frauen an. Immerhin ein Drittel des Casts, wobei sich vor allem Ellen Ripley dem titelgebenden Alien stellen musste und als Einzige überlebte. Die Darstellerin Sigourney Weaver avancierte schnell zur ersten weiblichen Actionikone und spielte die Rolle in drei Fortsetzungen. In Aliens – Die Rückkehr (1986) wurde ihr mit Jenette Goldstein in der Rolle von Privat Vasquez eine weitere Powerfrau zur Seite gestellt, wohingegen sie in Alien 3, einem sonst rein männlichen Cast, die Stirn bieten musste. Obgleich das Rollenverhältnis im dritten Teil sehr unausgeglichen war, kann es dennoch als feministisch gewertet werden, dass hier eine Frau eine Bande von Knastbrüdern im Kampf gegen ein Alien anführte.

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Ein weiteres Sci-Fi-Franchise, das durch eine starke Frauenrolle glänzte, ging ebenso wie Aliens – Die Rückkehr auf das Konto von James Cameron. Zwar musste Linda Hamiltons Charakter Sarah Connor im ersten Teil von Terminator (1984) noch vom Zeitreisenden Kyle Reese gerettet werden, dessen Darsteller Michael Biehn später auch in Aliens mit Ripley anbandeln durfte. Im Verlauf der Handlung lernte Sarah Connor jedoch, sich gegen den Terminator, der ihr nach dem Leben trachtete, zu wehren. Sie war es am Ende gar, die die Tötungsmaschine besiegte und im zweiten Teil Tag der Abrechnung (1991) ihren Sohn vor einem noch gefährlicheren Killer schützte.

In den 1990ern kamen weitere taffe Frauen wie Lori Petty als Tank Girl (1995) hinzu, wobei die Rolle der Frauen in Comics und deren Verfilmungen schon einen eigenen Artikel wert wäre. In den 2000ern folgten weitere Filmreihen, die komplett von starken Frauen getragen werden, darunter Milla Jovovich als Alice in den Resident-Evil-Filmen. Heute ist das Bild der taffen Kämpferin inzwischen so stark etabliert, dass sogar ursprünglich maskuline Franchises wie Mad Max weibliche Heldinnen wie Imperator Furiosa hervorgebracht haben, die in Mad Max: Fury Road (2015) von Charlize Theron verkörpert wurde. Die Figur kam so gut an, dass sie nunmehr mit Furiosa: A Mad Max Saga (2024) einen eigenen Film erhalten hat – ein Prequel, in dem die Rolle von Anya Taylor-Joy übernommen wurde.

Selbstverständlich gibt es starke Frauen inzwischen längst nicht mehr nur im Science-Fiction-Genre, sondern auch in den Bereichen Fantasy, Horror und sogar Action. Selbst die von Sylvester Stallone angestoßene Reihe The Expendables kommt inzwischen nicht mehr ohne weibliche Unterstützung aus. Nichtsdestotrotz spielt die Science Fiction immer noch eine Vorreiterrolle.

Star Trek zwischen Feminismus und Sexismus

Star Trek spielte bei alledem stets eine differenzierte Rolle. In den Kinofilmen der Classic-Crew dominierten immer noch die Männerrollen, auch wenn es neben Uhura zwischenzeitlich mal eine Saavik oder Valeris gab. Wirklich starke Frauen hatten vor allem die Klingonen zu bieten. In Star Trek V (1989) zog Captain Klaas Gefährtin Vixis, verkörpert von Spice Williams, so einige Blicke von Chekov und Sulu auf sich. In Das unentdeckte Land (1991) bestieg die Tochter des ermordeten Kanzlers Gorkon, die von Rosanna DeSoto gespielte Azetbur, gar den Thron des klingonischen Imperiums.

Parallel blieb jedoch der Captain-Sessel der Enterprise-D in Das nächste Jahrhundert (1987-1094) von einem Mann besetzt. Lediglich das Kommando der Enterprise C in der Episode Die alte Enterprise ging zwar an eine Frau, doch das blieb nur ein kleiner Gastauftritt. Immerhin eine starke Frauenrolle aus Picards Crew kehrte für diese Folge zurück, nämlich die der Sicherheitschefin Tasha Yar. Denise Crosby war die einzige Darstellerin des Casts, die einen typischen Männerberuf inne hatte, verließ die Serie allerdings schon während der ersten Staffel.

Ansonsten waren nur noch die Schiffsberaterin und die Chefärztin weiblich besetzt, der Großteil des Casts war männlich, darunter die Führungspositionen des Captains, des ersten Offiziers, des Chefingenieurs und nach Tasha Yars Tod auch die des Sicherheitschefs. Counselor Troi sowie Dr. Crusher brauchten zudem einige Zeit, um sich zu entwickeln. Zu Beginn hatten Marina Sirtis und Gates McFadden noch typische Frauenrollen als Love Interest und Mutter. Troi erhielt erst sehr spät den Rang eines Commanders und durfte das Kleid gegen eine Uniform tauschen. Neben Tashar Yar fiel einzig noch Dr. Pulaski aus dem Rahmen, die Crusher für ein Jahr während der 2. Staffel ersetzte. Deren Rolle war jedoch der des Dr. McCoy zu ähnlich, sodass man ab der 3. Staffel wieder Gates McFadden zurückholte. Die Pulaski-Darstellerin Diana Muldaur hatte übrigens schon in der Classic-Serie zwei starke Frauenrollen verkörpert, darunter die der blinden Dr. Marion Jones in Die fremde Materie.

Erst gegen Ende von TNG kam mit Fähnrich Ro Laren, gespielt von Michelle Forbes, wieder ein kämpferischer weiblicher Charakter hinzu, allerdings nicht für lange Zeit. Das Geschlechterverhältnis der Kerncrew schwankte über die Jahre von 3:6 bis 2:5. Mit Deep Space Nine änderte sich an diesem Verhältnis kaum etwas. Auf zwei Frauen kamen sieben Männer. Dafür waren Kira Nerys, dargestellt von Nana Visitor, sowie Jadzia Dax, verkörpert von Terry Farrell, echte Naturgewalten. Als Bajoranerin gehörte Kira zum bewaffneten Widerstand und kämpfte tapfer gegen die Cardassianer, wohingegen Jadzia schon mal das Bat’Leth zückte und mit Klingonen in die Schlacht zog. Familienmenschen waren eher Männer wie Sisko und O’Brien.

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Mit Voyager sollte sich dann noch einmal gehörig etwas ändern. Erstmals bestieg mit Kathryn Janeway eine Frau den Stuhl des Captains. Auf der anderen Seite des Spektrums gab es jedoch Kes. Die Rolle der Ocampa war wenig überzeugend und stellte ein stereotypes Bild von weiblicher Naivität und Schwäche dar. Gleich im Pilotfilm musste Kes von dem wesentlich älteren Neelix gerettet werden und wurde anschließend zum Zankapfel zwischen dem Talaxianer und dem Macho Tom Paris. Nach drei Staffeln wurde sie schließlich durch die Borg Seven of Nine ersetzt. Lt. Paris hatte sich zu dem Zeitpunkt schon längst der wesentlich stärkeren Chefingenieurin B’Elanna Torres zugewendet, die mit Abstand der glaubwürdigste Frauencharakter der Serie war.

Die Darstellerin Roxann Dawson nahm zudem mehrfach auf dem Regiestuhl Platz, was vor und nach ihr nur wenige Star-Trek-Schauspielerinnen taten, darunter Gates McFadden. Meist waren es jedoch Männer wie Leonard Nimoy, William Shatner und Jonathan Frakes, die sogar insgesamt fünf der Kinofilme inszenieren durften. So wegweisend die alten Star-Trek-Serien auch waren, das Geschlechterverhältnis war vor wie hinter der Kamera stets eindeutig zugunsten der Männer. Sogar in Voyager, der bis dahin femininsten Serie, betrug das Verhältnis des Hauptcasts noch 3:6 und bei Enterprise ging es sogar wieder auf 2:5 zurück.

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Maßgeblich verantwortlich dürfte dabei der Produzent Rick Berman gewesen sein, dem sexistisches Verhalten nachgesagt wird. Terry Farrell nannte ihn gar „frauenfeindlich“. In einem Inside of You-Podcast vom 9. Juni 2023 äußerte sich Gates MacFadden ebenfalls über Sexismus hinter den Kulissen, insbesondere von Seiten des Drehbuchautors Maurice Hurley. Zitat MacFadden: „Sie wollten, dass Frauen hübsch aussehen und auf eine bestimmte Art und Weise sind, aber sie wollten nicht, dass man den Mund aufmacht, als ob man gleichberechtigt sei.“

Fakt ist weiterhin, dass die weiblichen Castmitglieder zumeist Push-Up-BHs unter ihren Uniformen tragen mussten, um ihre sexuellen Vorzüge zu betonen. Bei den Männern wurde hingegen peinlich darauf geachtet, dass die Hosen keine Beulen hatten. Das ist definitiv sexistisch! Ebenso Seven of Nines hautenge Outfits mit Stöckelschuhen. Wo sollte da der Nutzen liegen? Für eine Borg, die ihr Leben lang flachfüßig herumgelaufen ist, muss das doch eine extrem unangenehme Umstellung gewesen sein. Und das nur, um ihre sexuellen Reize zu betonen, die ihr selbst nach dem Ausscheiden aus dem Kollektiv zunächst herzlich egal waren. Das Outfit passte überhaupt nicht zu Jeri Ryans gefühlskaltem Rollencharakter.

Mehr Frauen bedeutet nicht automatisch mehr Feminismus

Inzwischen sind die Geschlechterverhältnisse in der Science Fiction um einiges ausgewogener als noch vor 15 Jahren. Das gilt auch für Star Trek, wobei sich das Verhältnis in Strange New Worlds sogar umgekehrt hat. Und das sowohl vor als auch hinter der Kamera. Zuweilen werden bereits Vorwürfe laut, dass der Spieß einfach nur umgedreht werde, was dann wiederum kein Beitrag zu echter Geschlechtergerechtigkeit wäre. Sind das nur Unkenrufe rechtskonservativer, weißer Heteromänner? Oder kann man bzw. Frau es tatsächlich auch übertreiben? Gibt es in Hollywood falschen Feminismus, so wie es Greenwashing bei umweltschädlichen oder Pinkwashing bei menschenfeindlichen Konzernen gibt?

Betrachten wir dafür ein Beispiel, das auf den ersten Blick nach Feminismus aussieht, bei genauerer Betrachtung jedoch das genaue Gegenteil darstellt. Die Rede ist vom Ghostbusters-Reboot aus dem Jahr 2016. Das Problem dieses Machwerks ist mitnichten, dass der ursprünglich rein männliche Hauptcast aus Bill Murray, Dan Aykroyd, Harold Ramis und Ernie Hudson durch die vier Darstellerinnen Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon und Leslie Jones ersetzt worden ist. Der Grund, warum der Streifen insbesondere bei den Fans der Originalfilme total gefloppt ist, ist das grottige Drehbuch.

Die Neuauflage hat nicht nur ihr gesamtes Potential zugunsten von flachen Gags und schlechter CGI verschenkt, sie hat auch nichts aus den weiblichen Rollen herausgeholt. Die sind zum einen komplett klischeebehaftet und oberflächlich, aber was noch weit schwerer wiegt: keinen Funken feministisch! Im Gegenteil gibt es allerhand sexistische Szenen, darunter eine, in der McKinnon den Lauf ihrer Protonenwaffe ableckt, als wäre es ein Phallus. Wenig überraschend hat mit Paul Feig ein Mann Regie geführt.

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Mit dem weiblichen Cast sollten vielleicht Zuschauerinnen ins Kino gelockt werden, doch wurde ihnen dort gezeigt, welch altbackenes Verhalten von ihnen erwartet wird. So haben sich die Geisterjägerinnen keinen gleichberechtigten Partner ausgewählt, sondern schmachten ausnahmslos ihren gutaussehenden, durchtrainierten, blonden Sekretär an, der wohl die schlechteste Rolle in Chris Hemsworths Karriere darstellt. Dabei ist der Film sogar gegenüber Männern geradezu beleidigend sexistisch, denn Hemsworth taugt hier nur als Pinup-Boy, der zwar mit Muskeln gesegnet ist, aber nicht mit einem Gehirn. Man muss als Mann kein Sexist sein, um sich von Derartigem herabgewürdigt zu fühlen. Zumal die Sekretärin Janine aus den Originalfilmen, dargestellt von Annie Potts, keineswegs so blitzblöd war wie ihr männlicher Ersatz.

Zum Glück ist dieser unterirdisch schlechte Film lediglich ein Reboot, was man unter anderem an Bill Murrays Cameo-Auftritt erkennen kann. Dieser schlüpfte nicht in seine alte Rolle des Dr. Venkman, sondern mimte ironischerweise einen Skeptiker. Erst für die offiziellen Fortsetzungen Ghostbusters: Legacy (2021) und Frozen Empire (2024) nahmen Murray, Aykroyd, Hudson und Potts ihre alten Rollen wieder auf. Und obwohl der Cast beider Filme wieder überwiegend männlich ist, kommen diese bei den Fans deutlich besser an, was absolut nichts mit Sexismus, sondern einzig und allein mit der Qualität der Drehbücher zu tun hat.

Ein ähnliches Problem hat auch Disney, was man insbesondere bei den neuen Star-Wars-Episoden sehen kann. Hier soll es nicht um die dreist kopierten Plots der Episoden IV bis VI oder all die himmelschreienden Logiklöcher gehen, sondern gemäß dem Titel des Artikel um die weiblichen Rollen. Und die sind abermals so schlecht geschrieben wie der Rest der Drehbücher. Insbesondere mit Rey, gespielt von Daisy Ridley, wurde eine Mary Sue serviert, der es an jeglicher Glaubwürdigkeit fehlt.

Mary Sue ist eine Kunstfigur, welche auf die Kurzgeschichte A Trekkie’s Tale von Paula Smith zurückgeht, einer Parodie auf Fan-Fiction. Gemeint ist damit ein Charakter, der allen anderen Figuren überlegen ist und jedes Problem mühelos lösen kann. Das männliche Pendant heißt übrigens Gary Sue, zuweilen auch Marty Sue, soll an dieser Stelle jedoch nicht weiter interessieren. Disney hat sich ohnehin auf Mary-Sue-Charaktere eingeschossen, die alle anderen Figuren belehren und übertrumpfen. Und das nervt gewaltig!

Rey ist auf einem abgelegenen Wüstenplaneten aufgewachsen und hat noch nie etwas von der Macht gehört. Im Laufe weniger Tage entwickelt sie jedoch völlig ohne Ausbildung enorme Kräfte und Fähigkeiten, mit denen sie ihre Gegner am Ende mit Leichtigkeit besiegt. Luke Skywalker hatte wenigstens etwas Training von Obi-Wan Kenobi erhalten und konnte am Ende mit der Macht lediglich einen Glückstreffer landen. Seine Fähigkeiten als Pilot hatte er sich schon zuvor angeeignet. Erst nach der Ausbildung durch Yoda konnte er es halbwegs mit seinem Vater Darth Vader aufnehmen, verlor dabei aber erst eine Hand und auf dem zweiten Todesstern fast sein Leben. Er war kein Gary Sue!

Luke durch einen weiblichen Charakter zu ersetzen, sollte hier einmal mehr nicht das Problem darstellen. Es ist viel mehr die unglaubwürdige Charakterentwicklung von Rey, die dann auch noch durch den unfassbaren Abstieg von Skywalker selbst konterkariert wird, den sowohl Mark Hamill als auch die Fans gehasst haben. Es ist schlichtweg grauenvolles Storytelling und an einer Mary Sue ist rein gar nichts feministisch. Dabei hatte Star Wars in der Vergangenheit durchaus schon sehr emanzipierte Frauencharaktere.

Nehmen wir z. B. Senatorin Amidala, eine profilierte Politikerin, die dem korrupten Patriarchat von Kanzler Palpatine die Stirn bot. Oder ihre Tochter Leia, die in ihre Fußstapfen trat und gegen den Imperator rebellierte. Neben ihr gab es noch weitere Frauen in der Rebellenallianz, von Jyn Erso an der Basis bis hin zu Mon Mothma in der Führungsebene. Wobei Rogue One sogar schon unter der Fuchtel von Disney entstanden ist. All diese Frauchencharaktere sind nicht perfekt und überlegen, aber sehr wohl stark und feministisch. Das ist es, was insbesondere weibliche Fans sehen wollen, und es gibt auch kaum männliche Fans, die sich darüber beklagen würden.

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Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass schon recht früh feministische Akzente in der Science Fiction gesetzt wurden, auch wenn zunächst noch die Männerrollen dominierten. Teils hat man sich dabei schon weit vorgewagt und ist an den jeweiligen Zeitgeist angeeckt. Die wenigen starken Frauencharaktere reichten aber immerhin aus, dass sich auch ein zunehmend weibliches Publikum für das Science-Fiction-Genre zu interessieren begann. Und wo eine weibliche Zielgruppe bedient werden konnte, rückten schließlich zunehmend weibliche Charaktere in den Vordergrund.

Trotz einiger Rückschläge durch klischeebehaftete Rollentausche und völlig überzogene Mary Sues gibt es inzwischen eine starke Tendenz zu emanzipierten Charakteren, und das betrifft nicht nur Frauen, sondern auch Männer, die immer weniger als Machos vom Schlage eines Captain Kirk daherkommen. Selbst ein Frauenheld wie Riker hat sich zu einem Familienvater entwickelt, der in einer gleichberechtigten Ehe lebt. Das ist es, wohin sich eine utopische Gesellschaft entwickeln muss: selbständige Frauen und verständnisvolle Männer, die ihnen den Raum geben, den sie brauchen und der ihnen auch zusteht. In einer idealen Gesellschaft würde es dann nicht einmal mehr eine Frauenquote brauchen, weil von Natur aus alles ausgeglichen wäre. Eine solche Gesellschaft zu entwickeln ist die Aufgabe von Science Fiction. In diesem Sinne allen weiblichen Lesern einen kämpferischen Frauentag!

 

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